Pause für ellenlange Texte. Wir wollen einfach nur durch Rom spazieren.
Das Schöne nach ein paar Reisen in eine Stadt ist, dass manches plötzlich normal wird. Es erscheint uns selbstverständlich, den Vatikan rechts liegen zu lassen, die Engelsburg links und gemütlich über den Tiber zu marschieren.
Unser Ziel ist heute die Piazza Navona. Vor allem wegen der Einlösung eines Versprechens, das Juan unserem Freund Wulf gegeben hat. Frische Fotos. Das klappt. Der Platz hat Wulf vor fast fünfzig Jahren verzaubert. Wir können das bis heute nachvollziehen. Starkes Stück.
Natürlich sind Unmengen Menschen unterwegs. Natürlich wird fotografiert, geschoben und gestaunt.
Aber dann hebt man den Blick über die Köpfe hinweg, sieht Berninis Brunnen, die barocken Fassaden und die gewaltige Weite des Platzes, und plötzlich versteht man wieder, warum die Piazza Navona zu den schönsten Orten Roms gehört.
Man muss gar nichts tun. Einfach nur dastehen und schauen.
Zum Mittagessen laufen wir weiter Richtung Campo de‘ Fiori.
Dort angekommen beschließen wir allerdings sehr schnell, nirgendwo einzukehren. Die Speisekarten hängen alle auf Englisch aus, die Menüs sehen verdächtig ähnlich aus und überhaupt wirkt alles ein wenig so, als wäre man nicht auf der Suche nach Gästen, sondern nach Opfern.
Kurz überlegen wir, einem Lokal die Treue zu halten, in dem wir bei früheren Besuchen oft eingekehrt sind.
Dann tritt ein Mann asiatischer Provenienz vor die Tür und wedelt mit bunten Speisekarten vor unseren Nasen herum. Dem so wichtigen Publikum aus dem Land der aufgehenden Sonne geschuldet. Unsere Entscheidung fällt spontan. Nein.
Wir irren noch ein wenig durch die Gassen und landen schließlich auf der Piazza Fiammetta in einer unscheinbaren Trattoria namens Fiammetta, gegründet 1944.
Ein Glücksgriff. Juan bestellt Pasta e Ceci, eine kräftige Nudelsuppe mit Kichererbsen. Ich entscheide mich erneut für Spaghetti Carbonara. Eine Offenbarung. Mehr Carbonara geht nicht. Knusprige Guanciale. Perfekt gegarte Pasta. Eine cremige Sauce. Ein Gedicht.
Ich sitze da und denke für einen Moment über sämtliche Carbonaras meines bisherigen Lebens nach. Mir fällt keine bessere ein.
Anschließend laufen wir gemütlich zurück Richtung Apartment.
Von den groß angekündigten Demonstrationen und dem Generalstreik bekommen wir erstaunlich wenig mit. Vor der Engelsburg haben sich ein paar Hundert Menschen versammelt. Aus Lautsprechern schallt John Lennons Imagine.
Alles friedlich. Alles entspannt. Und eigentlich genau so, wie es sein sollte.
Gründe für Demonstrationen gibt es in Italien ebenso wie anderswo.
Gründe für Randale nicht. Hoffentlich bleibt es heute in Italien ruhig. Hoffentlich eskalieren die in Deutschland für morgen angekündigten Demonstrationen nicht.
Doch wieder so viel Text geworden.