Die Bude in Mailand ist schnell aufgeräumt. Bei strahlender Sonne und 14 Grad zotteln wir zum bemerkenswert schönen Hauptbahnhof. Der Frecciarossa nach Rom soll um 10.58 Uhr starten und ist erwartungsgemäß rappelvoll.
Uns gegenüber sitzen zwei Herren, die sich bereits vor der Abfahrt in einer Lautstärke unterhalten, als müssten noch die Fahrgäste in Wagen 12 erreicht werden. Einer von ihnen hat einen Terrier dabei, der friedlich in einer Tragetasche reist und insgesamt den vernünftigsten Eindruck im ganzen Abteil macht.
Alles verstaut. Puls beruhigt. Es kann losgehen. Und tatsächlich: Um 10.58 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Pünktlich auf die Minute.
Während Norditalien an uns vorbeifliegt, sind wir ein wenig traurig, Mailand schon wieder hinter uns zu lassen. Gleichzeitig sind wir froh, vor dem für Freitag angekündigten Generalstreik verschwunden zu sein. Mit maximal knapp 300 Sachen geht es Richtung Bologna. Florenz streifen wir praktisch im Vorbeiflug, dazwischen wechseln sich Tunnel und Landschaften im Rhythmus eines Daumenkinos ab.
Die beiden Herren diskutieren unermüdlich weiter. Der Terrier schläft. Man erkennt den Profi-Reisenden. In Bologna verlassen uns die drei, es kommen andere. Auch laut.
Kurz nach zwei erreichen wir Rom. Pünktlich. Der Termini ist ungefähr so voll, wie man sich den größten Bahnhof Italiens vorstellt. Menschen, Koffer, Reisegruppen, Stimmengewirr. Also nichts wie weiter zur Metro. Handy ans Lesegerät, durch die Schranke und abtauchen.
Eine Viertelstunde später stehen wir in Ottaviano. Hier wohnt gewissermaßen auch der Papst. Ein paar hundert Meter vor unserem neuen Zuhause werfen wir einen Blick über die Schulter.
Da steht sie. Die Mauer des Vatikans. Felsenfest.
Unser Apartment in 200 Meter Luftlinie entfernt im vierten Stock fällt deutlich größer aus als erwartet. Hell, komplett eingerichtet und für die nächsten Tage eine perfekte Basis. Nach einer kurzen Verschnaufpause gibt es an der Ecke ein Panino gegen den ersten Hunger, anschließend einen Pflichtbesuch im Carrefour. Wasser, Joghurt und anderer lebenswichtiger Proviant müssen schließlich beschafft werden.
Am Abend ziehen wir noch einmal los. Wir wohnen mitten im Leben. Familien sitzen vor den Lokalen, Kellner schieben sich durch volle Restaurants, Motorroller knattern durch die Straßen, an jeder Ecke wird diskutiert, gelacht oder gegessen. Vermutlich manchmal alles gleichzeitig.
Natürlich gibt es auch Touristen. Woe gut, dass wir die Stadt von mehreren Besuchen ziemlich gut kennen. Wir können ganz entspannt loslaufen, sämtliche Schlangen an den üblichen Sehenswürdigkeiten ignorieren und einfach genießen.