back home

Eigentlich hatten wir ja vor, noch zwei oder drei Tage nach München zu gucken, aber der Wetterbericht ist lausig. Also von Garmisch/Grainau gemütlich nordwärts… Nach einer Schleife durch Österreich landen wir direkt auf der A7. Tagesziel Kassel, Göttingen – mal gucken. Wie zum Spott reisst noch mal eben die Wolkendecke auf und zeigt die Zugspitze. 

An den Autobahnraststätten sehen wir Hunderte, wenn nicht Tausende Lkw. Die wollen um Mitternacht alle wieder auf die Bahn. Dieser Gedanke, das verhältnismässig gute Wetter und die Lust aufs eigene Bett treiben uns über die Elbe. Nach 900 Kilometern, zehn Stunden Piste, einigen Staus und ein paar Regentropfen sind wir mit Autobahnbrötchen und Grillhuhn aus der Winterhuder Imbissbude wieder zuhause. Schön war’s! À bientôt!

09 Okt 2016

Blicklos an der Zugspitze

Ganz sicher sind wir heute durch traumhafte Landschaften gefahren! In Österreich zunächst nach Klösterle, dann steil alpaufwärts nach Zürs und nach Lech. Leider haben wir von den sicherlich grossartigen Ausblicken von der Passstrasse nichts gesehen. Nebel, Regen, Wolken. Darüber war ich nur auf einem kurzen Strassenstück zwischen Lech und Warthe sehr dankbar. Es ging, wie ab und zu erahnen, rechts steilst bergab – nichts für mich und meine Höhenangst. Und schon mal gar nicht auf so schmalen, kurvenreichen Strassen mit Gegenverkehr…

Zum Glück ging dieser Höllenpfad bald vorüber, danach zuckelten wir eher gemütlich immer am Lech entlang bis Reutte, dann rüber nach Bayern. Viel los auf den Strassen, aber es gibt wieder in einigen Bundesländern Ferien. Natürlich wieder Hundertschaften bei den Königsschlössern – wir werfen diesmal nur nen kurzen Blick und sehen, dass wir wegkommen.

Über Nacht vielleicht in Murnau am Staffelsee? Och, nö… Übrigens ist diese Ecke Bayerns richtig teuer. Aber weil wir schon mal in der Gegend sind, fahren wir mal nach Garmisch-Partenkirchen. Auf der Zugspitze soll es ja schon wieder geschneit haben. Aber wir sehen nicht einmal, dass wir uns in den Bergen befinden – alles dicht verhangen.

Kurz hinter Garmisch entdecken wir in Grainau das putzige Gasthaus am Zierwald. Sehr nette Wirtsleute, der Sohn kocht. Und hat einen hervorragenden Pflaumenkuchen gebacken. Wir lesen im Gästebuch, dass der Blick von hier auf die Zugspitze wunderschön sei. Wir wissen nicht einmal genau, in welche Richtung wir in den dichten Nebel gucken sollen…

08 Okt 2016

Husch durch die Schweiz

Wir haben nach unserem Dinner Da Salvatore (da war offenbar der ganze Ort zum Pizzaessen, ich hatte hervorragende Spaghetti carbonara) ganz gut geschlafen und in La Noce super gefrühstückt, also los. Tschüs Italien über die Autobahn, weil wir sonst im Gekurve wohl verrückt geworden wären.

Unser Ziel: einen Blick auf den Lago Maggiore zu werfen. Das gelingt uns in Locarno. Dort essen wir im Sonnenschein bei fast 20 Grad auf einer Terrasse am See auch einen Käse-Schinken-Toast zu Kaffee für rund 20 Euro.

Den 40-Euro-Vignettenschock haben wir nicht nur hinter uns, sondern sind inzwischen sogar der Meinung, dass der Preis höchst gerechtfertigt ist. All die Tunnel, die wir durchfahren – der San Bernardino ist mit 6,6 km der längste -, die gut ausgebauten Autobahnen – alles ok. Denn die Vignette gilt über ein (Kalender-)Jahr und kostet weniger, als die italienischen Autobahngebühren zusammengerechnet, die wir in den letzten Tagen entrichtet haben.

Dass die Schweiz dennoch ein teures Pflaster ist – geschenkt, das wissen wir doch. Also geniessen wir die herrliche Natur und gondeln Richtung Liechtenstein, vorbei an Triesen und Vaduz über die österreichisches Grenze (Vignette 10 Tage 10 Euro). In Stallehr, einem kleinen Ort in der Nähe von Bludenz, finden wir einen feinen Gasthof namens Alfenz mit Blick und Fernseher und vor allem Restaurant. Heute tun wir nix mehr – die Fahrerei war anstrengend. Aber gleich gucken wir mal, wie die nette Wirtin kocht. 

07 Okt 2016

Turin, die schöne Überraschung

booking.com spinnt heute morgen offenbar total. Wir gucken, ob wir vielleicht in der Nähe ein Zimmer finden, dass ein bisschen günstiger ist, aber die Antwort ist stereotyp: ausgebucht. Alles. An einem Donnerstag? Da stimmt doch etwas nicht… Um neun stehe ich an der Rezeption, die gerade erst besetzt wird. Nein, keine Chance. Und auch kein Tipp. Ganz Turin ist dicht, weil heute Abend das Länderspiel Italien gegen Spanien hier stattfindet. Ein wichtiges Qualifikationsspiel, das Menschen aus beiden Ländern hertreibt.
Natürlich glauben wir das erst einmal nicht. Sooooo viele Leute werden doch wohl nicht wegen eines Spiels herkommen. Doch. Wir gehen frühstücken in einem der Cafés um die Ecke, checken aus und verhandeln, dass wir das Auto bis nachmittags auf dem Parkplatz lassen durch. Inzwischen haben wir uns auch auf dem Weg Richtung Locarno ein Zimmerchen gebucht, genauer: in Chivasso, ca. 20 km entfernt, im Hotel La Noce.
Das ist geklärt, also haben wir den Tag noch in Turin, der Hauptstadt des Piemont. Über mehrere Jahrhunderte war die Stadt Sitz des Königshauses der Savoyen und Hauptstadt des gleichnamigen Königreiches, 14 verschiedene Schlösser in Turin und Umgebung zeugen von dieser herrschaftlichen Vergangenheit, einige kann man von der Stadt aus sogar sehen. 1997 wurden die Residenzen des Königshauses Savoyen in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts, besonders nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, war die Stadt wirtschaftlich und sozial stark vom Fiat-Konzern geprägt. Seit Anfang der 1990er Jahre hat die Bedeutung der Automobilindustrie jedoch stark nachgelassen, Fabrikanlagen wurden stillgelegt und Arbeitsplätze abgebaut.
Turin ist heute eine elegante Residenzstadt mit französisch inspirierten Kolonnaden, eleganten Kaffeehäusern und einer Architektur, die gelegentlich sehr an Paris erinnert. Die Stadt hat zwei wichtige Universitäten und stellt einen der wichtigsten kulturellen Anziehungspunkte Norditaliens dar: jedes Jahr findet in Turin eine der größten internationalen Buchmessen Europas statt.
Wir nutzen den Tag heute mit einem langen Spaziergang zu einem bemerkenswerten Markt an der Porta Palazzo. Die Ladies an der Rezeption des Hotels sind ganz erschrocken und warnen uns vor pick pockets, also passen wir gut auf unsere sieben Sachen auf. Das mindert keineswegs die Begeisterung für das Marktgeschehen. Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Kräuter, Haushaltswaren, Klamotten – teils in Hallen, teils unter freiem Himmel. Och, wie schön! Die Preise sind übrigens deutlich günstiger als in Deutschland, häufig kosten Lebensmittel etwas weniger als die Hälfte. Alle Sprachen der Welt werden hier gesprochen, sämtliche Hautfarben sind zu sehen, oft Kopftücher, nie Burkas. Es wird gekostet und gehandelt, gelacht und gebrüllt – grossartig!
Anschliessend besuchen wir noch ein paar Kirchen und Plätze, laufen durch Gassen oder flanieren über Piazzas. Heute ist es mit um die 15 Grad bei grauem Himmel deutlich ungemütlicher als gestern, aber Turin ist immer noch sehr schön. Bevor wir die Zelte hier abbrechen, sehen wir uns noch den Bahnhof mit seiner imposanten Fassade an, aber dann war’s das.

Wir verlassen die Grossstadt. Über die Landstrasse geht es nach Chivasso. Hier wurden übrigens früher Lancias zusammengeschraubt. Davon ist nichts mehr zu sehen und wir machen eine Siesta im Hotel. Doch anstrengend, dieses Herumgerenne. Der Pacer hat gestern sieben, heute bisher fast neun Kilometer aufgezeichnet. Deshalb sind wir nun auch so müde… Aber nachher essen wir noch in der Trattoria an der Ecke einen Happen und gucken dann Fussball. Kein spanisches Wort wird uns hier dazu über die Lippen kommen…

06 Okt 2016

Provence – Piemont

Reisetag. Klar, dass wir um sechs Uhr morgens schon mal wieder puppenlustig sind. Aber erst einmal gibt es ein Käffchen, dann noch mal einen Blick auf die Karte – wir werden heute wohl bis zur französisch-italienischen Grenze fahren und dort mal gucken, wo wir bleiben. Besser, vorher nichts zu buchen.
Zahnbürste und Puschen (das sind Hausschuhe) schnell in die Tasche geworfen, klar Schiff im Apartment. Alles fertig. Rico und Ronja, die Yorkies, warten schon auf uns, also ist Agnetha in der Nähe. Wir fallen uns alle noch einmal um den Hals – und schon machen wir uns auf den Weg nach Osten.
Diese Strecke kennen wir überhaupt noch nicht, sind aber begeistert. Erst geht die Fahrt durch Weinfelder, dann kommen langsam riesige Lavendelflächen ins Bild: Sault.
Von dort aus krabbeln wir über Berge und durch Täler, fahren Haarnadelkurven und Serpentinen, sind meist allein, manchmal auch von irgendeinem wirren Franzosen gehetzt. Das Wetter ist ein Traum. Zwar anfangs nur um die 10 Grad, dafür aber klare Sicht und ganz viel Sonne.
Irgendwie bilden wir uns ein, dass der Lac de Serre-Ponçon von besonderer Schönheit ist. Da liegen wir auch nicht falsch. Gletscherblaues Wasser, tolle Berglandschaft, viele, viele Campingplätze. Aber nicht dieses lauschige Café mit Blick oder ein ebensolches Hotel. Also essen wir in der Früh geschmierte Schinkenbrote und trinken dazu Wasser aus der Flasche.
Erstaunt sind wir über den Tankwart in Savine-le Lac: Er spricht deutsch. Und zwar, weil er vor zwanzig Jahren an der holländischen Grenze gearbeitet hat. Und später seine Kinder in Basel auf die internationale Schule geschickt hat: „Das war sehr teuer, aber das beste, was ich für sie tun konnte.“ Hat er recht. Nun verkauft er uns Benzin für 1,37 den Liter und wünscht einen schönen Tag.
Entlang der Durance fahren wir in wilden Kurven durch wunderschöne, felsige Landschaften, bis es mal wieder aufwärts geht. Richtig aufwärts. Serpentinen wie in den Anden – und plötzlich sind wir mitten in der Schweiz. So jedenfalls sehen die französischen Alpenorte hier aus. Viel Holz, charmante Chalets, Skiwerkstätten, deren Besitzer wahrscheinlich noch vor Mauritius surfen, Sessellifte, die noch nicht in Betrieb sind, Hinweise, man sei verpflichtet, ab 1.11. Schneeketten mitzuführen. Einige der Berggipfel, die wir vor uns haben, scheinen das mit ewigem Schnee bestätigen zu wollen.
Wir kurven in Italien ein, sehen Skidörfer mit ganz anderer Architektur und sind noch immer von den Aussichten begeistert. Aber: Wollen wir hier in einem der Dörfer übernachten? Wohl eher nicht, zumal es erst drei Uhr nachmittags ist.

Also doch Kurs auf Turin. Die ersten 40, 50 Kilometer auf der Landstrasse, dann haben wir vom unendlichen Gekurve die Nase voll und wechseln für die restliche Strecke auf die Autobahn. All das, was wir vorher mühsam über Serpentinenstrassen erarbeitet haben, geht nun via Tunnel und imposante Brücken ganz flott und fast geradlinig weiter.
Ein paar Kilometer vor Turin machen wir Halt an einer Autobahnraststätte, trinken einen Kaffee und suchen in der Altstadt ein Hotel. Uns gefällt ein Apartment, das wir auch sofort buchen. Später wird sich herausstellen, dass wir für Hinnis wieder ein prima Gästezimmer gehabt hätten. Die Bude liegt richtig gut im historischen Viertel, ein Parkplatz für 14 Euro pro Tag gegenüber. Wir checken ein, bringen ein paar Habseligkeiten unter, schütteln uns kurz – und machen uns auf den Weg, Turin zu entdecken.
Schon nach den ersten Metern ist klar, dass wir die Stadt immer unterschätzt haben. Wir entdecken schöne Marktplätze, üppige, barocke Kirchen, schlendern am Po entlang und gucken uns schicke Menschen bei untergehender Sonne an. Hier wird flaniert und geflirtet, zum Aperitivo gibt es fast überall ein Buffet, von dem man sich bedient. Sehr interessant. Nur lassen wir den Apéritif aus: Wir wären sofort blau, weil wir den ganzen Tag über fast nichts gegessen haben und jetzt schon wieder Kilometer um Kilometer in Turin herumspazieren.
Kurz nach sieben, als erste Gäste, fallen wir in eine Trattoria ein und fallen wie hungrige Wölfe über einige der Spezialitäten her. Dazu gibt es roten Hauswein – wir sind satt und fröhlich und ein bisschen angeschickert und todmüde. Kurz vor zehn wieder im Hotel, fallen wir wie ohnmächtig in die Kissen. Der letzte Gedanke: Morgen verlängern wir die Bude um eine Nacht und gucken noch mehr von Turin.

05 Okt 2016

Pack-Station in der Provence

Was für eine wunderbar geruhsame Woche, die wir auf der Mas Rabassan hier in der Provence verbringen durften. Heute abend kochen wir noch etwas aus Resten, dann sollen sich doch mal wieder andere Leute um uns kümmern. Statt Apartment Hotel, ist ja auch etwas Schönes.

Der Morgen beginnt mit einem kleinen Ausflug. In Lumière kaufen wir direkt von der Winzer-Kooperative den wunderbaren Rotwein, den wir gestern mit Agnetha und Erling auf der Terrasse getrunken haben, dazu noch ein anderes, ebenfalls prämiertes Tröpfchen, bevor es in Apt an die Auswahl einiger Konfitüren geht. Natürlich in erster Linie Feigenmarmelade. Wir haben zwar noch ein Glas aus Kroatien zuhause, aber die Leute auf Cres kochen Feigen gern mit Schokolade zusammen. Das sehen die Comtes de Provence anders: 65 Prozent Frucht – göttlich. Von Lidl noch ein paar Flaschen Wasser für die Reise; leider gibt es hier in Apt kein Schwarzbrot bei denen. Also werden wir morgen ein paar Bemmen (Achtung, Karin!) mit Feinbrot schmieren.

Vom wilden Shopping erholen wir uns erst einmal mit einer kleinen Rundfahrt durch die Gemeinde, vorbei an Bonnieux und durch die Weinfelder. Ein paar Touristen begegnen uns, ein Cabrio aus Baden-Baden, ein Opel aus Essen, Wohnmobile aus der Schweiz und Belgien, aber ansonsten haben wir die Natur ganz für uns allein. Dazu einen atemberaubenden Blick auf den Mont Ventoux etwas nordöstlich. So langsam, langsam stellt sich hier etwas mit dem Indian Summer Vergleichbares ein. Besonders bei so schönem Sonnenschein wie heute.

Zuhause planen wir, uns ums Gepäck zu kümmern, das scheitert aber zunächst an eben der Sonne. Zu einem Gläschen Weisswein auf der Terrasse gibt es einen Blick in den Atlas (richtig aus Papier, schon ein bisschen ausgefleddert), um die erste Etappe für morgen zu überlegen. Grobe Richtung Italien, das ist schon einmal klar. Aber ob es morgen wirklich bis nach Turin geht? Mal gucken…

Damit wir nicht gleich beim Weinchen abstürzen, kommt nun doch das Gepäck an die Reihe. Wir haben eine gemeinsame Tasche, sozusagen einen Overnighter. Da kommt rein, was wir in den nächsten Tagen so brauchen werden. Alles andere verschwindet in zwei weiteren Taschen, unseren privaten, individuellen Nachschublagern. Dazu gehören Shorts und dünne Shirts, Sandalen und Birkenstocks, Badebüxen und Ähnliches. Wir brauchen stattdessen Polos und Hemden, ein leichtes Pullöverchen und lange Hosen.

Zwar erwarten wir in den nächsten Tagen noch ganz schönes Wetter, aber man kann es nicht mehr leugnen: Es ist Herbst. Hier bei Joucas werden früh morgens drei, vier Grad gemessen. Natürlich steigt die Temperatur bei Sonne, aber um die 20 Grad ist dann auch Schluss. Je näher und höher wir an die Alpen kommen werden, umso wichtiger wird das Fleece, das ist klar. Entsprechend wird gepackt…

Juan kümmert sich gerade um den letzten Provence-Fotoschwung, also mache ich freiwillig Küchendienst und damit Klopse…

04 Okt 2016

Sur le pont…

Kaum zu glauben, aber bisher hatten wir es noch nicht nach Avignon geschafft! Das ändert sich heute. Nur ein Stündchen und knapp 50 Kilometer von Rabassan entfernt, ist der Aufwand für unseren Ausflug ja auch überschaubar. 

Wir kurven zunächst durch die von einer hohen Mauer umschlossenen Altstadt von Avignon direkt zu Les Halles. Parkplatz frei, Markthalle geschlossen. Montags. Hätte man wissen können. Egal. Das Städtchen ist attraktiv genug, wir gucken in eine Kirche, ohne dort den Gottesdienst zu stören, bevor wir vor dem Papstpalast stehen.
Meine Herren, was haben die sich hierhin gesetzt! Das Palais des Papes ist wohl das bekannteste und imposanteste Gebäude in Avignon. In den Jahren zwischen 1335 und 1430 herrschten hier Päpste und Gegenpäpste. Von außen sieht der Palast wie eine Burg oder Festungsanlage aus, aber von innen wirkt der er wie ein mittelalterliches gotisches Schloß und Kloster. Mehrere Innenhöfe und große Säle prägen das Bild. Leider sind die Räume überwiegend leer. Die Möbel wurden wahrscheinlich während französischen Revolution geplündert oder zerstört. Es können für elf Euro Eintritt ungefähr 24 Räume besichtigt werden; via Audiosystem erfährt man die historischen Hintergründe.

Ausserdem gibt es auf einer der Zinnen ein Café, das von ermatteten Chinesen und Amerikanern bevölkert wird. Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen und geniessen die Aussicht auf die Altstadt von Avignon, die, wie der Papstpalast selbst, zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.
Fast verirren wir uns anschliessend im Gewirr der Stadt, stehen plötzlich vor einem uralten Gefängnis, das offenbar immer noch in Betrieb ist. Da bleibt man besser sauber…
Ein paar Schritte weiter sind wir an der Rhône, und da ist sie dann:
Die wohl berühmteste Brücke der Provence (oder auch Frankreichs), die Pont Saint-Bénézet oder wie sie im Lied um im allgemeinen Volksmund genannt wird, Le Pont d’Avignon. Erbaut wurde die Brücke im 12. Jahrhundert und ist direkt mit dem Papstpalast über einen Wachturm verbunden. Sie bestand ehemals aus 22 Bögen, von denen heute nur noch 4 erhalten sind. Aufgrund von Hochwasserschäden ist sie auf die jetzige Größe „geschrumpft“. Die Brücke kann für 5 Euro besichtigt werden, mit Kleinkindern sollte man darauf achten, dass sie nicht zu nahe am Geländer gehen, da dieses nicht wirklich sicher ist. Auf der Brücke gibt es eine kleine Kapelle zu besichtigen. Alles in allem sehr berühmt, aber die Brücke selbst ist eher historisch als optisch interessant, muss man einfach mal so sagen.
Mit dem Lied auf den Lippen gucken wir uns mehr an: 
Avignon hat von den mittelgroßen Städten in der Provence ein ganz besonderes Flair. Es liegt zu einem an der Geschichte und den mittelalterlichen Gebäuden, aber auch an den jungen Bewohnern der Stadt. Da Avignon wie Aix-en-Provence eine Universitätsstadt ist, herrscht viel Leben und Betrieb in den Straßen.
Attraktiv ist die Place d’Horloge mit seinen Cafés und dem sehr schönen Theater von Avignon. Natürlich gibt es auch hier wieder unzählige Restaurants, aber alle verkaufen ausschliesslich Menüs. Wir suchen ein Café, das Sandwiches hat. Gar nicht so einfach, aber das alte Pfadfinderherz…
Gegen fünf tuckern wir langsam nach Hause, schnappen unterwegs noch ein Baguette (ja, auch noch Wein) und sind ziemlich ermattet.
Ein kurzer Schnack mit Erling, unserem Vermieter, führt zu einem Besuch von Agnetha, die uns frisches Obst und die Rechnung bringt. Ausserdem eine Einladung zum Apéritif, den wir am Pool bei einem interessanten Gespräch zu uns nehmen. Agnetha, die Gynäkologin, schreibt gerade ein neues (Fach-)Buch, Thema bestimmte Hormone und ihre Auswirkungen auf due weibliche Psyche. Der Abgabetermin steht vor der Tür, also ist sie sehr busy. Aber die Zeit, den hervorragenden Wein aus der Kooperative von Lumière zu geniessen, nimmt sie sich.
Wir lassen den Tag ausklingen, essen später ein paar Reste aus dem Kühlschrank und die Früchte von Agnetha. Und verfolgen in den Tagesthemen, wie sich die Pegida die Feiern zum heutigen Tag der deutschen Einheit in Dresden vorstellt…

03 Okt 2016

Landpartie

Der Plan ist gut und einfach: Solange auf einem Deckchair am Pool herumlümmeln, bis der Teint diesen ganz besonderen Goldton, den die Sonne nur im Mittelmeerraum hinkriegt, annimmt. Dazu ab und zu ein paar hundert Meter schwimmen, sich vielleicht mit einem Glas eisgekalten Weisswein abkühlen. Lesen, dösen, träumen.

Aufwachen! Es sind gerade mal 15 Grad, der Himmel ist so wolkenverhangen, dass man meint, der Tau würde die Füsse umspielen, der Pool ist eiskalt und der Blick geht flackernd in Richtung Grünteebeutel.

Plan B wurde an einen Baum genagelt: Flohmarkt in Ménerbes, nur etwa 15 Kilometer entfernt. Hier waren Starkes in einer traumschönen Bastide, hier wird heute verscheuert, was zu schade für die Verbrennung ist. Da wir nicht wissen, ob auch dieser Markt – wie fast alle in Frankreich – am frühen Mittag vorüber ist, machen wir uns auf den Weg. Manchmal, wenn die Wolken ein bisschen aufreissen, erkennen wir die atemberaubende Schönheit des Landes, durch das wir gerade fahren. Dann ist wieder alles dicht, manchmal so neblig, dass wir die Hand nicht vor Augen sehen können.

Geruhsam laufen wir im 1000-Seelen-Ort Ménerbes ein und fassen es kaum, wie gross der Flohmarkt ist. Mit einem bisschen Dusel finden wir einen Parkplatz ganz in der Nähe und machen uns auf den Weg. Tatsächlich wurde hier eher der Dachboden geräumt: Kaum Händler, das ist immer gut. Das Angebot unterscheidet sich wesentlich von Flohmärkten in Deutschland: Kaum frühes Tchibo und Tupperware, dafür viel Glas und Porzellan, toller Modeschmuck aus den 30er und 40er Jahren, Klamotten, Werkzeuge, Gerümpel und Gepümpel. Richtig interessant ist das Publikum, das sich zum Teil fein herausgeputzt hat. Wir gucken alles und jeden genau an. Das silberne art déco-Tablett, in das ich mich spontan verliebe, ist unverkäuflich. Ich säusele und plappere – nichts. Madame braucht das Teil zur Präsentation ihrer sehr schönen Gläser. Ich bin sogar bereit, die sechs 20er-Jahre-Likörschalen mitzukaufen, aber nein, Madame hat noch viel mehr Glas. Schade! Wieder nichts gekauft 🙂

Irgendwann haben wir jeden Fetzen betrachtet. Zeit, mal ein Auge auf Ménerbes zu werfen, das sich in mittelalterlichem Schick mit ein paar Renaissance-Elementen an einen steilen Hügel kuschelt. Da das gemeine Volk sich hauptsächlich auf dem Flohmarkt am unteren Ortsrand tummelt, gehört uns das Dorf fast allein. Uns und dem Regen, der nun einsetzt. Fast hätten wir den Gangster-Citroën, der uns zur Kirche ganz nach oben folgt, übersehen.

Klar, dass der Ausblick von der Bergkuppe phänomenal ist. Würde man denn etwas sehen. Aber Nebel und Wolken und Regen sind gegen uns. Trotzdem suchen wir für den Rückweg abenteuerlich schmale Strasse direkt durch die Weinfelder, sehen in Lacoste das Hinweisschild auf ein Schloss, dieses selbst aber wegen des mistigen Wetters nicht. Ganz klar: Das hier müssen wir uns alles noch einmal bei guter Sicht angucken.

Auf dem Rückweg fällt uns ein, dass wir überhaupt kein Brot mehr haben. Das ist sonntags blöd, wie wir in Apt schnell feststellen. Alles zu – bis auf eine Grossbäckerei mit angeschlossenem Snackcafé. Die Baguettes sind noch im Ofen, wir haben eine Viertelstunde Zeit, durch das menschenleere Apt zu gondeln, schnappen dann das Brot – und ab. Nach Hause.

Etwas später zeigt sich tatsächlich die Sonne! Das wollen wir für einen Spaziergang ausnutzen, entscheiden uns aber schnell um: Zurück Richtung Ménerbes, Landschaft gucken! Und es lohnt sich! In der schon tief stehenden Sonne leuchten die Weinblätter golden und rötlich, die Eichenwälder zeigen herbstliche Farben, und wir finden sogar das Schloss von Lacoste. Hier scheint sich eine Künstlerkolonie gegründet zu haben. In engen, mittelalterlichen Gassen blitzen hier und da Skulpturen, dazu mal ein Schild mit Hinweis auf einen Maler. Oben angekommen, bemerken wir den grossen Parkplatz. Ähem. Aber wären wir dorthin gefahren, hätten wir den beschwerlichen Weg durch die Schlossgassen nie gemacht und dadurch Wesentliches verpasst. Also: Alles richtig, Blick auf Kunst, Schloss und vor allem Landschaft.

Die Sonne ist schon hinterm Berg von Gordes, als wir wieder in Rabassan ankommen. Schöner Ausflug!

Abends reicht die Kraft gerade noch für Schnitzel und Salat, dazu gibt’s auf dem ipad einen Tatort, ohne den die cinéastische Welt auch nicht untergegangen wäre…

02 Okt 2016

Schauer-Geschichte

Wielange will dieser Mensch denn noch duschen? Es ist noch nicht einmal hell, und weil hier auf Rabassan normalerweise absolute Stille wie einst in Krummi herrscht, nervt das Geräusch besonders. Bisher waren wir die einzigen Gäste, aber vor zwei Tagen hat ein Paar eines der beiden b&b-Zimmer bezogen. Und nun das…

Es dauert ein paar schlaftrunkene Minuten länger, bis wir bemerken, dass wir unseren Mitbewohnern Unrecht tun. Wenn hier einer duscht, dann ist es der Himmel. Mit anderen Worten: Es regnet. Und wie!

Mit zunehmendem Licht können wir das Ausmass des Unwetters auch besser erkennen. Gordes, vier Kilometer entfernt, verschwindet völlig in den dichten Wolken. Es platscht und plattert…

Dennoch wird auf der Terrasse gefrühstückt: Zum Rührei gibt es Fertigtoast, und da schmeckt man natürlich den Unterschied zu dem wunderbaren, frischen Bäckerbaguette hier… Dazu teilen wir einen daumennagelgrossen Butterrest. Aber dennoch kein Grund zur Klage.

Die dicken Tropfen, die in den nächsten Stunden fallen, haben wir mit Buch, bzw. ipad vom Sofa aus im Blick. Es ist mit 17 Grad auch eher frisch, also freue ich mich über die Wollsocken, die mir mein Bruder zum Geburtstag geschenkt hat.

Irgendwann macht der Regen eine Pause, lang genug, um ins Auto zu klettern und nach Coustellet zu fahren. Shopping im Supermarkt, ausserdem muss getankt werden. Völlig ermattet kommen wir ein Stündchen später wieder auf dem Hof an. Schippi ruft aus Kassel an, die beiden langweiligen sich auf dem Weg nach Hamburg und sind wegen verschiedener Staus genervt (kommen aber letztlich gut, wenngleich spät an).

Wir überlegen, wie unsere Reise weitergehen soll. Wieder ins Elsass? Och, nö… Durch die Schweiz? Blick Richtung booking.com schreit „Nein!“ Das ist uns einfach zu teuer. Italien? Immer! Vielleicht an Turin vorbei… Jörg hat allerdings von einem riesigen Markt dort erzählt. Wir googeln und beschliessen: Den und weiteres in der alten Papststadt werden wir uns angucken. Turin, so lesen wir staunend, hat weit mehr zu bieten als Fiat und Agnelli. Was sind wir bloss für Ignoranten. Also nächste Woche mal gucken und das bisschen Bildung aufpolieren. Weiter geht es von da aus dann natürlich erst einmal über den Brenner in Richtung Wiener Schnitzel… Oder?

Zunächst verbringen wir – ja, ja, es regnet, blitzt und donnert wieder – ein paar Stunden damit, herauszufinden, dass man trotz VPN und Trick 17 keine kostenfreie Chance hat, RTL auf den Rechner oder das ipad zu bringen. Muss mein Freund Bruce Darnell eben ohne uns auskommen. Zwischendurch erlegen wir eine Hasenpastete und eine Entenmousse zu einer eiskalten Flasche Weisswein.

Abends machen wir uns das Leben insofern einfach, als es zu einem ARD-Dösigquiz eine Quiche Lorraine vom Traiteur und einen Rotwein aus dem Vaucluse gibt. Dazu Blitz und Donner. Und Donner und Blitz. Und nein, der Nachbar duscht nicht: Es regnet wieder in Strömen.

01 Okt 2016

Stress, nichts als Stress

Den Tag verbringen wir überwiegend damit, zu beobachten, wie sich die Farbe der Laubblätter um uns herum verändert. Das ist sehr anstrengend, denn man muss sehr genau hinsehen. Na gut.

Wir haben auch noch Johannes in Spanien zum Geburtstag gratuliert, Christian unsere guten Wünsche mit auf den Weg nach China gegeben, gedanklich Sabine in ihre neue Praxis begleitet. Hinnis stauben wahrscheinlich Kirschwein und frisch geräucherte Forellen irgendwo im Schwarzwald ab, Thomas hilft Kindern mit Mathe auf die Sprünge, Natzilie wandert durchs Aostatal und Bargmanns mischen einen ernst zu nehmenden Gin Tonic in Winsen sur Luhe. Aber sonst? Wir machen eher nichts.

Nach aufmerksamem Studium der Morgenzeitungen von diesseits und jenseits des Atlantiks frühstücken wir zu früher Stunde, also kurz vor zwölf. Danach reicht die Kraft gerade noch für einen Spaziergang durch die Felder. Karotten werden gerade geerntet, Kürbisse (die guten Hokkaido) liegen rum. Die meisten Reben haben noch Früchte, blaue oder weisse. Es ist erstaunlich frisch, kaum mehr als 21, 22 Grad. Der Sonne reicht’s dann auch; sie lässt für ein paar Stunden dunklen Wolken den Vortritt.

Zeit zum Lesen. Ein paar zig Seiten später kümmert sich Juan um die amuse gueule, eine mit mörderisch viel Knoblauch gewürzte Bruschetta zum Weinchen. Nachher, wenn kurz nach sieben die Sonne untergegangen ist, braten wir ein paar Steaks, werfen Salat und Avocado zusammen und machen einen Rotwein auf. Was soll man über den stressigen Tag sonst noch berichten?

30 Sep 2016