Bye, bye, Americas

Mit einem improvisierten Geburtstagstörtchen für Juan beenden wir heute unseren Nordamerika-Trip und machen uns via Amsterdam auf den Weg nach Hause.

 

Mannomann, was haben wir alles erlebt!

 

Grossartige Natur wie in British Columbia, Alaska und Teilen der USA, wir haben erfreuliche und weniger erfreuliche Menschen getroffen, furchtbar viel gelacht und nur ganz wenig gestritten, ein Auto zersägt und wieder gelötet, in Buden und in Suiten, am Meer und im Wald gewohnt. Festgestellt, dass Campingplätze nun endgültig nichts für uns sind, aber eine Übernachtung im Van direkt am Meer traumhaft. Wir haben europäische (und asiatische 😉) Hausmannskost zu schätzen gelernt und uns gefragt, warum hier so viele Menschen so viel Junkfood in sich hineinstopfen. Ebenso preisen wir das Fernsehen der Öffentlich-Rechtlichen, haben uns mit indianischer Kultur und drogengetriebener Subkultur auseinandergesetzt.

 

Wir wissen, dass das Reisen etwas Grossartiges ist, aber das Nachhausekommen nichts Bedrohliches an sich hat. Wir sind unterwegs, zum Glück nicht auf der Flucht. So langsam, langsam bekommt der Kopf durch die letzten zwei Wochen in Vancouver das Erlebte in den Griff, also geht’s mit nach vorn gerichtetem Blick Richtung Osten.

 

Hamburg, meine Perle, wir sind im Anmarsch! 

15 Aug 2017

Sack & Pack

So. Nun sieht es hier aus wie vor der Abreise einer grösseren Reisegruppe. Im Prinzip ist alles gepackt, also können wir noch ein bisschen am Pazifik spazieren gehen. Es weht ein guter Wind, die Surfer sind draussen, die Paddler sowieso. Endlich sieht man mal wiede das andere Ufer, downtown und einen Zipfel von Vancouver Island. Doof, wenn man die Kamera vergisst…

 

Wir trinken noch ein Weinchen im Boathouse am Kitselano Beach und gondeln anschliessend ein bisschen durch die Gegend. Kann man sagen: Vancouver kennen wir inzwischen verhältnismässig gut. Dennoch gibt es natürlich viele Ecken, die wir noch nie gesehen haben. Heute verschlägt es uns zunächst in eine Villengegend, die fast mit der Elbchaussee vergleichbar ist. Nur, dass die Villen nicht auf den Fraser River, sondern gleich auf den Ozean blicken. Sehr schön!

 

Um einen Autobahnstau zu umfahren, lernen wir dann aber auch noch eine Gegend am Fluss kennen, in der man weder bei Tag noch bei Nacht zu Fuss unterwegs sein möchte… Wir verfahren uns so gründlich, dass wir fast schon fürchten, an der US-Grenze zu landen. Geht aber gut 🙂

 

Abends, das ist der Plan, gehen wir eine Nudel drehen. Dass wir bis Mitternacht – Juan hat ja an unserem Reisetag Geburtstag – durchhalten, wage ich einfach mal zu bezweifeln 🙂 Aber morgen können wir ja Stunde um Stunde feiern – und Champagner gibt es auch an Bord!

14 Aug 2017

Easy going

Das Problem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Vancouver: Hat man seine compass card nicht aufgeladen, kann man im Bus kein Umsteigeticket lösen. Also eine Tour bis zu einem Bahnhof bezahlen, die nächste von dort. Das kostet ungefähr so viel wie ein Taxi, deshalb winken wir am Broadway gleich mal einen Taxifahrer ran, der uns zu Flughafen bringt. Wir holen unseren Mietwagen…

 

Theoretisch ist auf der Strecke sonntags nicht viel los, praktisch stehen wir im Stau. Unser unterhaltsamer Taxifahrer versteht die Welt auch nicht mehr… Aber dafür ist die Sicht auf die Berge frei, nachdem es nachts geregnet hat. Der Fahrer ist in Vancouver geboren – eine Rauchwolke, die sich über zwei Wochen hält, hat er noch nie erlebt. Es brennt immer noch in den Wäldern in der ganzen Provinz. Wir wollen mal hoffen, dass wir in den letzten 48 Stunden hier vom Rauch verschont bleiben.

 

Unser Fahrer warnt uns übrigens wie viele vor ihm, irgendetwas sichtbar im Auto zu lassen, das wir ja jetzt holen. 20 Cent sichtbar auf der Ablage? Eine Jacke? Gar eine Kamera oder ein Telefon? Dann ist ziemlich sicher mit einem Einbruch ins Auto zu rechnen. Es werde immer schlimmer, erzählt uns der Taxifahrer. Viele Leute würden das, was ihnen gestohlen wurde, dann auf der East Hastings suchen. Unter den Augen der Polizei werden dort Zelte aufgebaut, in denen ausschliesslich Gestohlenes verkauft wird… Die Polizei habe so viel zu tun, zeigt unser Fahrer Verständnis, da könne sie sich nicht auch noch um soetwas kümmern. Möglicherweise haben die Wachtmeister ähnliche Berührungsängste wie wir bei der Vielzahl der durchgeknallten Junkies dort…

 

Wir schnappen unseren Chevy und gucken noch kurz auf eine Shopping Mall. Die liegt direkt in der Einflugschneise; die tieffliegenden Flieger scheinen fast greifbar und sind entsprchend laut. Das ist zu viel für uns – los! Langsam trödeln wir wieder nach Hause. Keine Pläne, keine Aufgaben. Das Gepäck ist ja schnell zusammengeworfen. Also wird es wohl noch mal recht geruhsam zugehen…

 

Die Nachrichtenlage ist immer noch übel: Charlottesville ist zentrales Thema, wird in Vancouver nich von einem tragischen Unfall überschattet: Ein Touristenbus ist direkt am Canada Place in eine Gruppe Touristen gefahren. Mindestens ein Toter..

13 Aug 2017

Countdown

Schon sind wir dabei, unser Gepäck ein bisschen vorzubereiten. Bald geht es ja los. Die Wahrheit ist, dass wir jetzt wirklich abhauen wollen. Mit sehr besorgten Gedanken beobachten wir die Nachrichtenlage, sind natürlich wie die ganze Welt entsetzt über die Vorfälle in Charlotteville, die Äusserungen dieses Menschen, den die Amerikaner demokratisch zu ihrem Präsidenten gewählt haben, und die Antworten aus China, Russland, Nordkorea und Venezuela – in beliebiger Reihenfolge.

Was immer geschehen wird und wie sich das auch immer weltweit auswirken wird: Wir wollen es lieber von Europa aus beobachten, solange man noch problemlos über den Teich fliegen kann. Was nächsten Dienstag wohl der Fall sein dürfte.

 

Allerdings haben wir heute bei unserer kleinen Wanderung etwas sehr Schönes gesehen: die Berge rund um Vancouver, die in den vergangenen Wochen komplett unter der Rauchwolke verschwunden waren. Die Wetterlage scheint sich nun tatsächlich zu verändern, das Atmen wird leichter, der Blick klarer.

 

Zwar haben wir Grundnahrungsmittel – besten Malbec und kolumbianischen Kaffee – gekauft, aber keine Lust, in dieser Küche gross zu kochen. Aus unserer Campingkiste haben wir noch Fleisch und Schinken in Dosen. Vorsichtshalber mache ich die mal auf – oh, Mannomannomann! Wochenlang bei Aussentemperaturen von über 40 Grad hat diesen Lebensmitteln nicht gut getan. Alles in den Müll, aber der Geruch scheint immer noch in der Luft zu haften… Pfui, Spinne!

 

Also ein Experiment: Bei einem entzückenden Japaner mit iranischer Bedienung essen wir Spaghetti carbonara , trinken dazu einen Cabernet Sauvignon aus Kalifornien und teilen hinterher eine Crème caramel. That’s really international  -Experiment gelungen! 🙂

 

Eher traditionell die Pflicht der kleinen Hausfrau, nämlich noch einen Kessel Buntes anzusetzen – den wohl letzten hier in Kanada -, der uns dann den Abend zuhause hält (wir hatten aber auch nichts anderes vor). Wir gucken noch ein bisschen ausgemachten Unsinn im Fernsehen, finden zum Glück einen Sportkanal, informieren uns noch ein wenig online über das richtige Leben und hoffen, dass sich der Wetterbericht bewahrheiten wird: für heute Nacht ist Regen vorausgesagt. Richtiger Regen! Wir sind sehr gespannt!

12 Aug 2017

The Ked

Wir haben Grund zu der Annahme, dass es im Hintergrund längst Bestrebungen gibt, uns mit einem besonderen Preis zu bedenken: dem Goldenen Trödel. Den haben wir uns aber auch verdient!

 

So ein Tag vergeht ja schnell, wenn man vor der Glotze von der PGA Championship fasziniert ist. Erst nach dem letzten Flight des Tages in Charlotte, North Carolina, kommen wir langsam wieder zu uns. Es ist uns sogar gelungen, von Sonntag bis Dienstag ein Auto zu mieten. Somit ist ein Ausflug ebenso gesichert wie die Anfahrt zum Abflug am Dienstag…

 

Die Nachrichtenlage ist so, dass wir nun mal ganz fix übern Teich wollen. Weiss der Himmel, was dem Troll im Weissen Haus noch einfallen wird. Besser, man ist möglichst weit weg. Nun hat er auch noch Venezuela bedroht – wielange sehen sich die Amis das alles an?

 

Da wir ja etwas essen müssen, beschliessen wir, heute den Gutschein von Gerardo zu investieren. „The Keg“ heisst das Etablissement downtown, auf das wir es abgesehen haben. Nur einen Lidschlag lang überlegen wir, uns aufzubrezelt – aber nein, wir sind in Kanada.

 

Das Restaurant liegt in allerbester Nachbarschaft: Hermès, Tiffany’s, de Beers – alle da. Wir finden den Laden unmittelbar gegenüber vom Shangri-La Hotel – auch in Vancouver eine erste Adresse. Der dresscode entspricht genau unseren Gedanken, die Qualität des Essens übertrifft bei weitem die Erwartungen. Das Sirloin von Juan ist perfekt gegrillt, meine Ribs fallen vom Knochen. Der Malbec aus Argentinien passt perfekt zu beidem. Sehr gut! Diesen Teil der Stadt werden wir morgen mal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

 

Aber weil wir jetzt überhaupt keine Lust auf Junkies und Psychopathen im Skytrain haben, schnappen wir uns ein Taxi nach Hause. Kostet nur ein Drittel mehr als die Öffentlichen – sehr bequem. Nun sind wir von unserem spannenden Ausflug und dem wirklich guten Essen auch fix und fertig. Viel ist mit uns nicht mehr los! 🙂

11 Aug 2017

Pssst!

Heute haben wir einen Teil dessen nachgeholt, das wir uns für die vergangenen Monate vorgenommen hatten: in Ruhe gelesen. Jeder mit seinem Buch – das hat schon was. Zwischendurch haben wir die PGA Championship, also Golf, im Fernsehen verfolgt, um uns dann wieder dem nächsten Kapitel unserer Bücher zuzuwenden.

 

Zwischendurch checken wir mal wieder Mietwagen. Ein Vermittler gibt vor, für morgen bei Alamo einen Wagen für uns zu haben. Eine Bestätigung dafür haben wir noch nicht…

 

Ein kurzer Anflug von Aktivität wird am frühen Nachmittag im Keim erstickt: Bei knapp 30 Grad und schwüler Luft lockt uns nichts aus der Hütte. Gegen neun ein bisschen Hunger, also einmal um den Block und durchatmen. Im Barberella auf dem Broadway teilen wir eine Pizza, schnacken mit dem jungen Kellner, der seine Freundin in Süddeutschland besucht hat und demnächst mal nach Hamburg kommen will, dazu kriegt jeder ein Bier – buenas noches!

10 Aug 2017

Weltstadt!

Vancouver hat zwar nur rund 900 000 Einwohner, Greater Vancouver aber schon fast zwei Millionen. Das Stadtgebiet ist entsprechend weitläufig.

 

Wenn man so schrecklich neugierig ist wie wir, ist es also ein Handicap, kein Auto zu haben. Apropos Auto: Seit Rosie wieder in mexikanischer Hand ist, also seit gestern mittag, bekommen wir per mail und Telefon immer wieder Anfragen. Wo waren diese Menschen letzte Woche?!? Naja, auch egal. Rosie hat es nun gut; wir haben einen Strich gezogen. Und selbst, wenn wir noch 500 Dollar mehr hätten herausschlagen können – so what! Gut, wie es ist.

 

Ich schweife wieder zurück: Kein Auto = machbar, aber umständlich. Also fühlen wir mal vor, was die Autovermietungen so anzubieten haben. Das Ergebnis ist ernüchternd: nichts! In der Weltstadt Vancouver gibt es vor dem 15. August keinen Mietwagen. Können wir nicht glauben, checken wir hin und her – immer mit dem selben Ergebnis. Fasst man es?

 

Na, gut. Also freunde ich mich mal mit einem Fahrradfritzen um die Ecke an. Nein, nein, nicht in selbstmörderischer Absicht: Er wechselt uns netterweise Geld busgerecht. Eine Busfahrkarte kostet 2,85 (etwas über 2 Euro). Damit kann man 90 Minuten Bus fahren. In allen Richtungen, mit umsteigen in andere Busse (nicht auf Fähren oder skytrain), wunderbar. Nur braucht man die Münzen passend und da kommt der Fahrradfritze ins Spiel.

 

Unser Ziel heute ist die Westküste, der Kitselano Pool. Wir gucken schön klapprig und kriegen Seniorentickets für 4 Dollar pro Nase. Dann lassen wir uns mit unseren Büchern ein paar Stunden in gemütlichen Holzsesseln, die hier Amish chairs heissen und aussehen wie die weissen Alstersessel, nieder. Leider gibt es keinen phantastischen Ausblick; es gibt wegen der immer noch dichten Smogglocke gar keinen Blick. Es ist schwül, wenngleich mit 23, 24 Grad nicht mehr so heiss. Dafür tränen meine Augen. Der 123 Meter (!) lange Pool ist relativ voll, zu voll für unseren Geschmack.

 

Irgendwann packen wir wieder zusammen, haben genug gesehen von der Vielfalt des kanadischen Volkes, genug vom Kindergeschrei, den grossflächigen Tattoos und der Wolke aus nach Kokos duftendem Sonnenöl.

 

Auf dem Rückweg legen wir einen Butter-Brot-Hühnerbein-Stop bei safeway ein, bevor wir uns wieder per Bus mit Linie 99 erst auf die Fraser, dann in die enge Bude auf der 7th ave trollen. Der Bus ist voll mit Menschen, die hungrig von der Arbeit kommen. Einige nehmen Witterung von meinen Hühnerbeinen auf. Ich gucke blond und unbeteiligt in die Gegend…

 

Alles ganz gemütlich. Wir sind schon sehr gespannt, was uns morgen einfallen wird.

 

p.s.: Heute kein Foto für Euch!

 

09 Aug 2017

Frei!

Cousinchen Elke wird es hoffentlich nicht aus dem Schlaf gerissen haben, aber durch die neun Stunden Zeitunterschied zu Hamburg haben wir ihr bereits ein fröhliches „Happy birthday“ aufs Band gegrölt.

 

Wir haben also etwas zu feiern. Nicht nur Elkes Geburtstag am 9.8., sondern auch unsere Freiheit. Denn heute haben wir good old Rosie verkauft. Was haben wir uns online und am Telefon in den letzten Tagen mit allerlei Dösbaddeln  & Bekloppten herumgeärgert! Der eine konnte nicht kommen, weil seine Frau im Kreisssaal liegt, der andere muss erst Papi und seine Frau fragen. Alles Mögliche ist uns untergekommen. Und dann kam unser mexikanischer Freund Gerardo ins Spiel, den Juan angerufen hat. Genau. Der Mann, von dem wir Rosie gekauft haben. Nach kurzem Hin und Her ist das Autochen wieder bei seinem mexikanischen Papi 🙂

 

Theoretisch hätten wir uns heute in die finstere Zwischenwelt des orientalischen Autohandels begeben. Stattdessen fahren wir das Kistchen genau dorthin, wo wir es einst abgeholt haben. Gerardo macht eine Probefahrt, parkt das Auto hinter seinem Haus, schraubt die Schilder ab, rückt die Kohle raus. Gemeinsam fahren wir zum bekannten Autoplan, melden Rosie ab – fertig. Natürlich machen wir einen Verlust und Gerardo – hoffentlich! – ein Geschäft. Aber wir haben auch schon überlegt, den Wagen einfach an einer finsteren Ecke abzustellen. Da wäre der Verlust erheblicher grösser geworden, flankiert vom schlechten Gewissen.

 

Nun ist alles gut. Gerardo fährt uns nicht nur zur Fähre, sondern schenkt uns auch noch einen 100-Dollar-Gutschein für eines der besseren Steakhäuser der Stadt. Wir fassen es alles noch gar nicht so recht, müssen erst einmal nach Hause, Geld und Papiere in den Safe packen und uns ausruhen.

 

Noch ein bisschen unbeholfen im öffentlichen Strassenverkehr von Vancouver wechseln wir von Fähre zu Skytrain Richtung Commercial/Broadway, müssen da feststellen, dass wir zu wenig bezahlt haben. Aber statt nachzulösen nehmen wir das Angebot eines der stets hilfsbereiten Kanadier an und quetschen uns gemeinsam mit ihm und seinem Kinderwagen durch die Absperrung. Die ein, zwei Kilometer bis in unsere Bude gehen wir zu Fuss. Deshalb ist unser Ständchen fürs Cousinchen auch ein bisschen atemlos 🙂

08 Aug 2017

downtown

Wir haben ja schon vor einigen Tagen gemutmasst, dass der Fernsehunsinn von hier – The Wall und American Ninja Warrior – uns bis nach Europa verfolgen würde. Unsinn! Er ist schon da, wie wir dem Fachblatt Bild-Zeitung entnehmen durften. Die Ninjas schon im zweiten Jahr. Wir sind wirklich nicht aufmerksam genug!

 

In Vancouver ist es zwar ein paar Grad kühler geworden, aber die Wolke schwebt nach wie vor über uns. Wir reden solange darüber, zum Pazifikpool zu fahren, bis es zu spät ist. Bücher, Internet, Post von hier und dort – irgendwie ist der Tag fast rum.

 

Am frühen Abend beschliessen wir aber doch noch einen kleinen Ausflug Richtung Port of Canada, also ans Wasser. Wir fahren an der alptraumartigen Strecke der E. Hastings vorbei. Heute, am British Columbia Tag, an dem viel frei haben, geht es da noch viel schrecklicher zu. Das pure Drogenelend. Allein im letzten Monat sind hier über 150 Menschen an einer Überdosis gestorben. Was sich hier abspielt, ist furchtbar!

 

Am Port of Canada mit seinen berühmten Segeln atmen wir erst einmal durch und laufen ein bisschen. Auf dem Wasser ist viel los: Flugzeuge aus und in alle Richtungen. Um diesen Platz herum ist ein hochmodernes Viertel mit Kongresszentrum, Hotels, Büros und Restaurants entstanden. Pflichtprogramm für jeden Vancouver-Besucher!

 

Kurz drehen wir eine Runde durch Gastown, die Altstadt, aber die ist uns einfach zu voll. Also nach Chinatown, die wir allerdings wie ausgestorben vorfinden. Was ist denn mit unseren chinesischen Freunden los?

 

Gleichzeitig erinnern wir uns an „James on Hastings“, einen guten Chinesen bei Pebbles um die Ecke. Um den Tag abzurunden: Wir bestellen völlig falsch und bekommen nur Süsssaures. Trotz einer Nachbestellung finden wir nun alles doof: Zeit, nach Hause zu fahren. Zunächst einmal in die enge Hütte auf der E. 7th.

 

Und was gibt es im Fernsehen? American Ninja…. Zum Glück steht der Weisswein kalt!

07 Aug 2017

Strandtag

Was Bondi Beach für Sydney, ist Kitselano für Vancouver, zumal auch noch beide Städte am Pazifik liegen. Aber Bondi hat weissen Sand, Brandung und Surfer, Kitselano Wiesen, ein riesiges Schwimmbad und jede Menge Grossschiffe in Sichtweite auf Reede.

 

Die Luft hier ist zum Zerschneiden, wir atmen lausig, aber machen es uns mit unseren Büchern auf einer Bank am Strand gemütlich. Vor, neben und hinter uns veranstalten grosse Familien, Singles, Paare und Kleingruppen Picknick. Die Menschen kommen aus der ganzen Welt, ebenso die Gerichte, die sie über den mitgebrachten Gasgrills schmoren. Da kein Windchen weht, duftet es bald nach einem asiatischen Foodcourt.

 

Nur wenige Kilometer entfernt tobt das Leben richtig: mehr als 600 000 Schaulustige beklatschen die Vancouver Pride Parade mit ihren Wagen und kunstvollen Kostümen. Kanada geht seit Jahren gut mit seiner schwulen Gesellschaft um, das wird mit Pride gefeiert. Abe wir meiden Menschenaufläufe, deshalb gucken wir uns das später in den Nachrichten an.

 

Obwohl die Sonne nicht durch die Rauchglocke brechen kann, spüren wir die Strahlung auf der Haut. Deshalb brechen wir irgendwann unsere Zelte ab, um im  eleganten „Boathouse“ ein Käffchen mit Blick auf die Bucht zu trinken. Happy hour? Och, da kann man ja auch schon mal einen eiskalten Weisswein trinken. Dazu gibt es ein bisschen Fingerfood, darunter in Panko und Kokos gewendete und fritierte Garnelen – sehr gut! Weil’s auf der Terrasse, die in Hamburg vielleicht dem Cliff entspricht, so gemütlich ist, gibt es noch einen zweiten Chardonnay, bevor es irgendwann nach einem Doppelstopp nach Hause geht: Juan kauft Wein im Licquor Store, ich Brot und so im Supermarkt. Abends gibt es vielleicht noch eine Bemme, vielleicht auch nicht.

 

Wir sinken erschöpft auf unser weisses Zweisitzer-Sofa und gucken American Ninja Warrior. Ja, ja, wir sind auf gutem Weg, plemplem zu werden 🙂

06 Aug 2017