Rom. La bella città.

Frühstück auf dem Mercato Trionfale. Inzwischen sind wir schlauer geworden und teilen uns eine Portion Porchetta auf zwei Panini. Mächtig Schwein gehabt. Zur Sicherheit gibt es noch ein golfballgroßes, krokantes Blätterteiggebäck hinterher, randvoll mit Nutella gefüllt. Der Teig splittert bei jedem Bissen, die Schokocreme klebt an den Fingern.

Ganz und gar wunderbar.

Entsprechend gesättigt schaffen wir allerdings nicht den ganzen Weg in die Innenstadt zu Fuss und nehmen die Metro von Ottaviano zur Piazza del Popolo.

Schön wie immer.

Die Herbstsonne taucht die Fassaden in warmes Licht. Vor den Cafés klappern Tassen, im Rosati sitzen schicke Römer neben fetten Amerikanern in Tshirts, Shorts und den unsäglichen Crocs. Motorroller knattern durch die Seitengassen, und aus irgendeiner offenen Tür dringt bereits der Duft von Espresso. An der Säule entstehen  Selfies und Kontakte.

Rom macht selbst aus einem gewöhnlichen Vormittag eine kleine Bühne. Zur Inszenierung gehört viel Schutz: Polizei, Carabinieri, Militär – alle wachen darüber, dass es trotz der Demonstrationen keine Ausschreitungen gibt.

Im Leonardo-da-Vinci-Museum waren wir schon früher einmal. Also treiben wir einfach durch die Gegend. Die Sonne scheint, das Thermometer pendelt zwischen 16 und 17 Grad, und natürlich sind wir nicht allein unterwegs. Ich habe längst aufgehört, die Menschen zu zählen.

Eng wird es spätestens in der Via dei Condotti. Hier muss man ständig damit rechnen, dass jemand abrupt stehen bleibt, um die Spanische Treppe zu fotografieren, ein Selfie aufzunehmen oder ein Souvenir zu erwerben, das in spätestens drei Wochen in einer Schublade verschwindet. Die Wohlhabenderen verschwinden derweil bei Fendi, Brioni oder anderen Häusern, deren Schaufenster aussehen, als seien sie in Gold aufgewogen worden.

Ein mausgrauer lässiger Cordanzug bei Brioni bringt selbst mich kurz ins Grübeln.: Der wäre perfekt für Juan, aber leider winkt er ab. Dösig. Dann eben 3500 gespart… Und das nur fürs Jackett.

Kurz und schmerzlos. Dann trifft uns aber der eigentliche Schock. Das Antico Caffè Greco ist geschlossen. Verrammelt. Ausgerechnet das berühmteste Kaffeehaus Roms. Seit dem 18. Jahrhundert saßen hier Dichter, Denker und andere Menschen mit ausreichend Zeit für Kaffee und Weltbetrachtung. Goethe war hier. Casanova ebenfalls. Die erlesen-affektierten Kellner waren legendär. Heute blickt man auf heruntergelassene Gitter und verschlossene Türen. Es gab wohl Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter, die letztlich zum Aus führten. Es ist ein Jammer.

Und ein bisschen so, als hätte jemand beschlossen, der Spanischen Treppe ein paar Stufen zu klauen. Der Schock und das Gewusel ringsum sorgen dafür, dass ich mich erst einmal auf die Treppe setzen muss. Mir ist kurz etwas schwummerig. Das gibt sich wieder.

Rom hat ja Übung darin, Menschen zu überwältigen. Also marschieren wir mit einem Metrostopp weiter zur Fontana di Trevi. Dafür braucht man inzwischen weder Stadtplan noch Navigationsgerät. Es genügt völlig, der größten verfügbaren Menschenmenge zu folgen.

Schon aus der Ferne hört man das Wasser rauschen. Dicht davor dann das übliche Schauspiel: erhobene Handys, ausgestreckte Arme, Selfiesticks und Menschen, die versuchen, gleichzeitig einen Wunsch zu äußern und dabei gut auszusehen. Der Brunnen ist wunderschön. Und komplett umlagert. Um ihm näher zu kommen, muss man Eintritt berappen. Alles ein bisschen verrückt.

Schade, dass man sich hier nicht einfach irgendwo hinsetzen und schauen kann. Sämtliche Plätze sind besetzt. Halloween steht vor der Tür. Einige Besucher sind bereits kostümiert unterwegs. Andere wirken ähnlich extravagant, würden diese Beschreibung aber vermutlich energisch zurückweisen. Die sehen immer so aus.

Mein Herz hüpft noch mal beim nächsten Kiosk vor Freude: Dort werden Vatikankalender fürs nächste Jahr verkauft. Nichts besonderes? Doch! Die einzelnen Kalenderblätter zieren bildhübsche Geistliche, die ganz lässig auf der Mailänder Modewoche posieren könnten. So ein bisschen Bauer sucht… Ach, nee. Wo sie die wohl herhaben? Verschenkt fürs Weibsvolk, geschenkt fürs Auge.

Das Pantheon verschieben wir auf einen anderen Tag.

Stattdessen laufen wir vorbei am berühmten Ristorante Alfredo (die mit der Pasta) ans Tiberufer. Das Wasser schimmert träge in der Sonne, Möwen kreisen über dem Fluss und lauern ins Nichts.

Unser Ziel ist Prati, da liegt unsere Bude, dahin fährt ein Bus. Noch eine Pause in einer kleinen Bar an der Ecke unserer Via Sanmauro. Ein Aperol Spritz auf einer Terrasse, das Glas kühl, die Sonne angenehm im Gesicht. Roller summen vorbei, Ferraris schnurren, irgendwo scheppert Geschirr, eine ältere Dame diskutiert mit erstaunlicher Leidenschaft über offenbar sehr wichtige Dinge.

Das ist vielleicht das eigentliche Rom. Nicht die Sehenswürdigkeiten. Die Geräusche dazwischen. Danach kaufen wir noch schnell Wasser und Brot ein und schlendern zurück ins Apartment. Füße hoch. Ganz unglamourös.

Nach einem Tag zwischen Spanischer Treppe, Trevi-Brunnen und den Menschenströmen dieser Stadt ist das purer Luxus.

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andando
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