Dass Rom auf sieben Hügeln gebaut wurde, haben wir alle irgendwann in der Schule gelernt. Aus den Siedlungen auf Palatin, Kapitol, Aventin, Caelius, Esquilin, Viminal und Quirinal entstand über viele Jahrhunderte eine Metropole, die heute jedes Jahr weit über 20 Millionen Besucher anzieht.
Und genau diese Millionen machen uns heute ein wenig Sorge. Der Himmel ist grau, aber wir rechnen trotzdem fest damit, wieder mitten in die großen Touristenströme zu geraten. Also machen wir uns das Leben leicht.
Statt durch die halbe Stadt zu marschieren, schnappen wir uns einen Bus von Trionfale über Trastevere hinauf auf den Gianicolo, den Janushügel. Er gehört zwar streng genommen nicht zu den klassischen sieben Hügeln Roms, bietet aber vermutlich den schönsten Blick auf die Ewige Stadt.
Und wir haben Glück. Es ist erstaunlich leer. Von der Terrasse des Belvedere öffnet sich das gesamte Panorama Roms. Die Kuppel des Petersdoms dominiert die Skyline, dahinter ziehen sich Dächer, Türme und Kuppeln bis zum Horizont. Das gewaltige Vittoriano leuchtet hell aus der Häuserlandschaft hervor, dazwischen unzählige Kirchen, Pinien und die charakteristischen warmen Farbtöne der Stadt.
Kurz vor Sonnenuntergang drängt sich hier normalerweise halb Rom. Da sind wir schon lange wieder weg. Jetzt gehört die Aussicht fast uns allein. Natürlich waren wir schon früher, bei anderen Rom-Reisen hier oben. Aber das macht keinen Unterschied. Man schaut über diese Stadt und staunt einfach wieder von vorn.
Vom Gianicolo führt ein angenehmer Weg hinunter nach Trastevere. Vorbei an hohen Pinien, über uralte Stufen, die bei Feuchtigkeit durchaus tückisch werden können, Palästen und Ruinen. Immer wieder öffnen sich kleine Blicke über die Dächer der Stadt.
Trastevere selbst bleibt trotz aller Veränderungen ein wunderbarer Ort. Die engen Gassen. Die efeubewachsenen Fassaden. Die kleinen Plätze. Die Wäsche über den Höfen. Das Geräusch von Geschirr und Stimmen, das aus offenen Türen auf die Straße dringt.
Ja, der Tourismus hat das Viertel verändert. Ja, vieles wirkt heute aufgeräumter und professioneller als früher. Es ist voller, und der Lärmpegel hat sich verändert. Der Einzelhandel konzentriert sich auf Touristen, Liebenswertes wie das alte amerikanische Kino sind Vergangenheit.
Aber hübsch ist es immer noch. Sehr hübsch sogar. An irgendeiner Ecke kehren wir ein. Das Publikum besteht fast ausschließlich aus Italienern und sieht aus, als hätte man die Zweitbesetzung des „Paten“ zum Mittagessen eingeladen. Es wird diskutiert, gestikuliert, gelacht und nebenbei gegessen. Wahrscheinlich in genau dieser Reihenfolge.
Wir bestellen eine Kleinigkeit, genießen die Pause und beschließen den Ausflug mit einem Espresso. Wie immer. Danach bringt uns der Bus zurück nach Trionfale.
Rom zieht vor den Fenstern vorbei: Rollerfahrer, die den Verkehrsregeln eher als unverbindliche Empfehlung begegnen, alte Damen mit Einkaufstaschen, elegante Herren in dunklen Mänteln und Menschen, die offenbar den ganzen Tag Zeit haben, auf einem Platz zu sitzen und die Welt zu beobachten. Eine Fähigkeit, die wir dringend noch optimieren müssen.
Später gibt es an der Ecke unseres Hauses noch einen Aperol Spritz. Dann wird es ernst. Der Koffer muss langsam wieder geschlossen werden. Morgen verabschieden wir uns von Bella Roma. Aber was hindert uns daran, einfach mal wiederzukommen?