Österreich-Ungarn.

Der Brandhof hat uns endgültig mit der Grazer Gastronomie versöhnt.

So stellen wir uns einen Gasthof vor: freundliche Bedienung, steirische Karte, kein Schickimicki-Blödsinn. Trotz Blutwurst und Kalbsbries entscheidet sich Juan für Hühnerleber mit Reis, ich für ein Gulasch mit einer schlichten Semmel.

Und was soll ich sagen: Endlich. Ehrliches Essen. Ordentliche Portionen. Kein Auto im Speisesaal.

Danach finden sogar noch ein Schokoladen-Malheur und Palatschinken Platz. Ringsum sitzen lautstarke, freundliche Steirer, die sich mit jener Gelassenheit unterhalten, als stünde morgen garantiert kein Wecker.

So soll ein Abend enden.

Mit der Straßenbahn rumpeln wir zufrieden zurück zum Hotel. Direkt vor dem Eingang spricht uns ein junger Mann an, vielleicht achtzehn Jahre alt. Erst denke ich, der niedliche Kerl möchte Geld. Aber nein.

„Glauben Sie, dass meine Freundin und ich das auch schaffen wie Sie?“ Trotz aller Verblüffung antworte ich: „Mit sehr viel Glück.“ Er lächelt. Wir lächeln. Dann zieht er weiter. Eine dieser Begegnungen, die nur zehn Sekunden dauern und trotzdem hängen bleiben.

Der nächste Morgen beginnt erfreulich hektikfrei. Unser Zug nach Wien fährt erst um elf. Also bleibt Zeit für Frühstück. Leider ist es auch am dritten Tag nicht besser geworden. Die IntercityHotels gehören zur Steigenberger-Gruppe. Eigentlich sollte dort bekannt sein, wie ein Vier-Sterne-Haus funktioniert. In Graz scheint diese Information noch nicht vollständig angekommen zu sein. Alles ist konsequent auf minimalen Personalaufwand optimiert. Rezeption und Bar sind meist verwaist, und dem Housekeeping wurde offenbar nur grob erklärt, wie ein Hotelzimmer aussehen soll. Gestern kamen wir zurück und fanden die Bettdecke ordentlich gefaltet vor. Das Laken war allerdings nicht glattgezogen. Die Kissen nicht aufgeschüttelt. Die Kaffeetassen nicht gespült. Dafür gab es neue Wasserflaschen. Man muss Prioritäten setzen. Dass während unseres Aufenthalts ein Staubsauger oder ein Wischmopp das Zimmer besucht hätte, muss man nicht annehmen.

Aber Schluss mit der Nörgelei. Unterm Strich hat uns Graz ausgesprochen gut gefallen. Wir haben interessante Ecken entdeckt, spannende Menschen getroffen, letztlich gut gegessen und sind dabei durchgehend fröhlich geblieben.

So kann es weitergehen.

Und genau das tut es. Per Zug. Der erste Abschnitt bringt uns mit einem ÖBB-Railjet gemütlich nach Wien. Die Strecke führt durch die Steiermark und Niederösterreich, vorbei an Bergen, bewaldeten Hängen und Tälern. Die Steiermark wird das „grüne Herz Österreichs“ genannt. Können wir bestätigen. Je weiter wir nach Norden fahren, desto flacher wird die Landschaft.

Dann taucht Wien auf. Groß. Selbstbewusst. Und pünktlich. Eine Stunde Aufenthalt bleibt für Kaffee und Brötchen.

Danach geht es weiter mit dem „Franz Lehár“, benannt nach dem berühmten Operettenkomponisten, dessen „Lustige Witwe“ einst die ganze Welt eroberte. Der Zug verbindet Wien mit Budapest, und wir sitzen direkt hinter der Lok.

Pünktlich um 14.40 Uhr rollen wir los. Die Sitze sind knüppelhart. Und das ist die erste Klasse. Für die zweite Klasse hilft vermutlich ein Fakirkurs.

Dafür stimmt die Pünktlichkeit. Wieder einmal. Auf die Minute genau erreichen wir um 17:39 Uhrden Bahnhof Keleti in Budapest. Der Name bedeutet einfach „Ostbahnhof“, das Gebäude selbst ist alles andere als schlicht. Eröffnet wurde der Bahnhof 1884 als einer der modernsten Europas. Über dem Haupteingang wachen die Statuen von James Watt und George Stephenson, zwei Pioniere der Eisenbahn. Hier spürt man noch den Optimismus des 19. Jahrhunderts, als die Zukunft grundsätzlich auf Schienen stattfand.

Ein Uber bringt uns anschließend zur Holo-Straße. Dort liegt unser Apartment. Und dort schlägt offenbar auch das Herz des Budapester Nachtlebens.

Die Gegend erinnert ein wenig an Bangkok. Nur ohne die Damen. Jedenfalls sehen wir keine.

Unsere Unterkunft ist sparsam eingerichtet, besitzt aber alles, was man braucht. Fast alles. Das WLAN funktioniert nämlich nicht. Ich telefoniere mit einer Rezeption, die sich irgendwo anders auf diesem Planeten befinden muss. Der freundliche Herr empfiehlt den Neustart des Routers. Diesen revolutionären Gedanken hatten wir erfreulicherweise bereits selbst.

Nach einem zweiten Telefonat verspricht er, gegen acht Uhr persönlich vorbeizukommen. Sollte auch das nicht helfen, werde morgen ein Techniker geschickt.

Bis dahin nutzen wir die Zeit sinnvoll und gehen erst einmal Lebensmittel einkaufen.

Der nette Mann kommt und geht wieder. Unverrichteter Dinge. Wir sind offline.

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andando
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