Gours. Ein französischer Traum namens Samka.

Gours, unser aktuelles Ziel. Ein Name, der klingt wie ein zufälliger Laut, den man macht, wenn man zu viel Bordeaux probiert hat. Aber es ist ein winziger Ort mitten in einer Landschaft, die seit Jahrhunderten Reisende verführt: die Gironde, dieses weite, grüne, leicht verwilderte Stück Südwestfrankreich, in dem Flüsse wie Dordogne und Garonne das Land umfliessen und Weinberge sich wie Teppiche über Hügel legen.

Wer Gours wie wir sucht, findet zuerst alles andere: Schlösser, die aussehen, als hätten sie sich seit dem Hundertjährigen Krieg nicht bewegt, Kapellen, die sich in die Landschaft schmiegen wie alte Katzen, Weinfelder, gepflegt wie Opernkulissen oder verkommen wie Geschichten, die niemand mehr zu Ende erzählt. Und irgendwo dazwischen, fast verschämt, liegt dieser kleine Punkt auf der Karte.

Wir fahren durch die traumschöne Landschaft, die sich nicht beeilt. Die Luft steht warm über den Feldern, 26, 27 Grad, und dieses südwestfranzösische Gefühl, dass alles ein bisschen weicher, ein bisschen großzügiger sein darf, begleitet uns seit Tagen. Die Hitze flimmert über den Reben, und selbst die Kühe wirken, als hätten sie heute Siesta beantragt.

Theoretisch könnten wir ab 16 Uhr in unser neues Zuhause für sechs Tage (bis zum 30.5.) einchecken, praktisch haben wir uns mit François, dem Vermieter, auf 14.30 geeinigt. Doch schon kurz nach eins erreicht uns seine Nachricht: “Das Haus ist fertig, ihr könnt jederzeit kommen.” Diese Art von französischer Nonchalance, eine Mischung aus Pragmatismus, Charme und einem Hauch „C’est la vie“ begegnet uns hier ständig.

In Saint-Seurin-sur-l’Isle, dem Gours nächstgelegenen Dorf, bestaunen wir die Reste eines kleinen Marktes, der sich entlang der Hauptstraße zieht und als Sonntagsmarkt berühmt ist. Ein paar Stände bauen gerade ab, der Duft von Erdbeeren hängt noch in der Luft, und irgendwo klappert ein Händler seine letzten Kisten zusammen. Wir schnappen uns ein Baguette tradition in der Boulangerie, und Minuten später stehen wir vor der imposanten Einfahrt “unseres” Hauses.

Die Schlüssel liegen wie versprochen in der Box neben dem Briefkasten. Das Tor zu „Samka – Villa & Lodge“ öffnet sich wie von Geisterhand, natürlich per Fernbedienung, und während wir noch staunen, kommt François fröhlich aus der Villa auf uns zu. Wir parken an der Lodge, die uns nur Minuten später allein gehört.

Samka – das schlagen wir natürlich nach – stammt aus der Andensprache Aymara und bedeutet Traum. Und der erwartet uns. Ein Wohnzimmer mit integrierter, perfekt ausgestatteter Küche. Ein Schlafzimmer mit blütenweißer Wäsche. Ein Bad mit begehbarer Dusche und Waschmaschine. Auf der Terrasse elegant bezogene Möbel, Tisch und Stühle, im Schatten hoher Bambussträucher zwei Liegen. Daneben ein handgeschriebener Hinweis auf den Pool, der so einladend glitzert, als hätte er sich extra für uns chic gemacht.

Doch es sind die Details, die uns überwältigen: frische Eier von den freilaufenden Hühnern, frisches Wasser in der Kaffeemaschine und für die Eiswürfel im Gefrierschrank. Pantoffeln, falls man sie vergessen hat. Pflegepröbchen von Clarins. Mückenspray. Es hört überhaupt nicht auf. Im Laufe der kommenden Tage entdecken wir immer mehr liebevoll ausgestattete Kleinigkeiten. Als hätte jemand versucht, jeden denkbaren Wunsch zu erraten, bevor er uns überhaupt in den Sinn kommt.

Die enorme Hitzewelle über Frankreich mit bis zu 37 Grad in unserer Region macht uns zu Luxus-Einsiedlern. Zwar fahren wir noch ein bisschen durch die Gegend, besuchen ächzend den Golfplatz Montravel bei 35 Grad oder den Supermarkt in Saint-Seurin, wo wegen der Hitze alles Frische ausverkauft ist. Nicht einmal Aldi hat noch Tomaten. Selbst die Tomaten haben beschlossen, sich bei diesen Temperaturen aus dem Staub zu machen.

Wir lesen tiefenentspannt Bücher, gucken spannende Matches in Roland Garros im Fernsehen, planschen kurz im Pool. Immer mit dem Gefühl, die Gastgeber nicht stören zu wollen, weil der Pool direkt vor ihrer Terrasse liegt. Ab und zu bekommen wir Nachrichten. Ob es uns gut ginge, ob wir Lust auf den Jacuzzi hätten, dass wir so oft wir wollen ganz privat den Pool nutzen könnten. Zauberhafte, aussergewöhnliche Gastgeber. Das Haus in Gours ist genau so, wie der Name des Anwesens verspricht: Samka. Ein Traum.

Vielleicht liegt es an der Gironde, diesem Landstrich, der seit Jahrhunderten Geschichten sammelt. Von römischen Straßen, die noch immer unter der Erde liegen, von englischen Herzögen, die hier Wein exportierten, lange bevor Bordeaux ein Weltbegriff wurde. Vielleicht liegt es am Périgord, der nicht weit entfernt beginnt, mit seinen Trüffeln, Burgen und Höhlenmalereien, die älter sind als jede Vorstellungskraft. Oder vielleicht liegt es einfach an diesem kleinen Ort namens Gours, der nichts Besonderes sein will und gerade deshalb für uns so speziell ist.

Wir bleiben länger sitzen, länger liegen, länger schweigen. Und irgendwann merken wir: Genau das ist der Zauber hier. Man muss nichts tun. Man darf einfach sein. Und manchmal ist das die größte Form von Luxus.

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andando
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