
Im Grunde war unsere ebenso großartige wie abenteuerliche Lateinamerikareise in dem Moment vorbei, als wir in Cancún den Mietwagen übernommen haben. Zack — einmal Zündung an, und wir waren in einer Parallelwelt unterwegs. Seitdem fragen wir uns gelegentlich, wo wir eigentlich gelandet sind.
Denn: Wir sind in unserem netten Playa‑del‑Carmen‑Apartment in der Residencia Grand Coral heimisch geworden, aber mit Mexiko hat das hier ungefähr so viel zu tun wie der Hofweg mit tropischer Leichtigkeit. Innerhalb der gated community, in der wir gerade wohnen, reiht sich Abschnitt an Abschnitt. Alle ein bisschen androgyn, ein bisschen austauschbar. Wir könnten genauso gut auf einer der Kanaren sitzen. Stört uns das? Kein bisschen. Wir tanken Sonne und Pool, um den Hamburger Frühling ohne Frostbeulen zu überstehen.
Natürlich hängt uns das Hofweg‑Wohnungsproblem wie ein dezentes Damoklesschwert über dem Kopf. Aber es hindert uns nicht daran, schon mal zu überlegen, wohin es uns als Nächstes verschlägt. Allein diese Tatsache zeigt: Wir sind nicht nur erholt, wir sind tiefenentspannt. Fast schon verdächtig.
Unser Ausflug am Vormittag zu einem gigantischen Holiday‑Inn‑Vacation‑Club The Royal Hacienda (…) hat uns endgültig bestätigt, dass wir mit unserer kleinen Hütte und vor allem mit der Möglichkeit, einfach mal niemanden sehen zu müssen die einzig richtige Wahl getroffen haben.
So groß das Areal auch ist: Restaurants gibt es offenbar nur in den All‑Inclusive‑Resorts, die US‑Preise aufrufen — von 400 Dollar pro Tag und Person aufwärts. Allein der Gedanke, hier einen zweiwöchigen Urlaub gebucht zu haben, führt zu Gänsehaut. Dass man im Meer wegen der Algen und gefährlicher Unterströmungen nicht baden kann, hatte ich, meine ich, schon mal erwähnt. Rot geflaggt. Immer.
Dann haben wir uns auch noch den Golfclub Grand Coyote angesehen. Viel Show, wenig Sport. Und mit bis zu 325 US‑Dollar Greenfee dann doch wieder auf eine krude Art sportlich. Den Tarif habe ich nur schriftlich durch Hinterlassung meiner Mailadresse bekommen. Die hochfeine Scorecard gab’s beim Cart‑Manager, aber ein Plan der Anlage? Fehlanzeige. Alles im Golfcart auf dem Monitor per GPS. Da geht einem doch in Gedanken an den dänischen Golfclub Ochtrup (und viele andere) das Herz auf.
Wir werden die letzten Tage mit Nichtstun genießen. Kurz vor Abflug muss ich mich schweren Herzens von meinen wunderbar gemütlichen, aber durchgelatschten Sneakers trennen. Und dann gucken wir einfach mal, wie uns die British Airways nachts am 25. von Cancun nach London Gatwick und mit äußerst knapper Umsteigezeit am 26. März von Heathrow an die Elbe bringt.
Wir haben mal kurz zusammengefasst: Insgesamt sind wir knapp 25 000 km geflogen, haben 2700 km in Bussen, 850 km in Zügen gesessen und sind rund 500 km zu Fuss gelaufen. Deshalb ruhen wir uns jetzt noch ein bisschen aus. Denn mehr als Kilometer haben wir Eindrücke gesammelt, von denen jeder einzelne einfach grandios war.