Insel-Reich

Es kann ja nicht angehen, dass man einfach nur am Strand rumliegt, Ausschau nach Delfinen hält und über die kuriosen Jagdstürze der Pelikane lacht. Es muss ja auch was für die Kultur getan werden.

Also machen wir heute einen Ausflug. Nach Captiva und Sansibel Islands. Morgens um 8 ist der Himmel wolkenlos, das Thermometer pendelt sich noch so um die 25 Grad ein – ein perfekter Start. Mit einem 6-Dollar-Toll haben wir Eintritt bezahlt auf die Insel Sanibel, die wir von unserem Strand aus immer im Auge hatten und von früheren Besuchen kennen. Über ein atemberaubendes Brückensystem geht es nach Sanibel, alles wirkt ein bisschen wie die Florida Keys, nur zieht es sich nicht ganz so lang hin…

Wer hier eine Hütte mit Ocean Access kaufen will, muss in zweistelligen Millionenbeträgen denken. Aber dafür ist es auch ausgesprochen hübsch und exklusiv. Irgendetwas zwischen den Hamptons, Cape Cod und Sylt würde dieses Paradies vielleicht korrekt beschreiben. Alles ist extrem wohl geordnet, man fährt langsam. Parkt um Himmelswillen nicht einfach irgendwo in der Wallachei, die es hier auch gar nicht gibt, achtet auf Fußgänger und wenn nicht, berappt man auf der Stelle 80 Dollar. Hinter einer Pinie lauert der Sheriff auf genau diese Kandidaten. Aber wir sind ja die Guten. Und fahren ganz gemütlich nach Captiva bis zum Ende der Strasse, was gleichzeitig der Parkplatz für den Strand ist. 2 Dollar die Stunde, 2 Stunden Minimum, Cash or Credit. Wir nehmen mal zwei Stunden und marschieren mit unseren Stühlen, Schirm und Wasserflasche zum Strand. Die ersten Laute, die wir hören, klingen nicht nur deutsch, sie sind es auch. Also doch Sylt: Paare mittleren Alters, Teenies – alles deutsch, alles wohlsituiert. Dazu ein erwachsenes Paar aus dem Mittleren Westen – wunderbar. Wenn man mal ganz, ganz ehrlich ist, ist der Strand in Fort Myers Beach aber zweifelsfrei besser mit seinem Sand, der so fein ist, dass man sich auch bei hohen Temperaturen die Füße nie verbrennt. Aber hier ist es eben schicker 🙂

Gegen Mittag plagt uns der Hunger. Eigentlich haben wir außer einem Kaffee noch nichts zu uns genommen! Also wäre ein Frühstück fein, das man allerdings gegen 12 sicher in keinem der Restaurants, die „Grille“, als mit „e“, in ihrem Namen führen, mehr bekommt. Hier wird jetzt zum Lunch gebeten; wir suchen und finden eine Bretterbude mit aktiver Frühstückskarte. Teuer wie auf Cape Cod, aber nett. Was soll’s, das letzte Hemd…. aber das hatten wir ja schon.

Um nicht sofort wieder am nächsten Strand zu landen, beschließen wir ein kleines Kulturprogramm, den Besuch des Wild Life Refuge auf Sanibel Island. Eigentlich kann man sich hier nicht verfahren. Wir schon. Und sehen ein Schild, das vor herumstreunenden Schildkröten warnt. Nicht nur das: Wir sehen auch die herumstreunende Schildkröte! Das kann im Refuge ja nur besser werden!

 

unbedingt anklicken und angucken, dauert nur ein bisschen :-):

Gopher

Also wieder retour, zum Eingang. Der Typ im Häuschen hat noch nie einen Presseausweis gesehen, weiß dagegen den Wert von 5 Dollar zu schätzen. Wir zahlen und freuen uns auf die Natur. Mangroven, Seen, zwei Vögelchen, ein paar Autos aus New Jersey, Texas und Oklahoma. Und wir. 4,5 Meilen ist der Weg lang. Am Ende kommen wir heraus, wo wir vorher schon unser Krötchen gesehen hatten. Naja…

Der Strand auf Sanibel ist schön. Aber voll. Und in deutscher Hand. Irgendwie haben wir dazu keine Lust, zumal wir durch unser Hotel verwöhnt sind: Wir haben Platz ohne Ende, und selbst wenn der Nachbar platt sprechen würde – wir würden es nie erfahren, weil alles so weitläufig ist. Inseln sind eben anders…

Wir gucken noch zum historischen Leuchtturm und machen uns wieder auf den Weg zum Festland. Es ist brütend heiß, habe ich das erwähnt?
Trotzdem biegen wir von der Summerlin rd. noch mal eben rechts an, weil da ein Hafen zu sein scheint. Es aber keiner, dafür treffen wir auf dem Rückweg auf ein Tierchen, das auf den ersten Blick wie eine Katze aussieht, tatsächlich aber ein Waschbär ist. Merke: wahre Schönheit gibt es auch ohne Eintritt!

Was nicht unerwähnt bleiben sollte, ist ein ungläubiges Kopfschütteln in Richtung Tripadvisor. Da hat es eine Bude namens Heidi’s Island Bistro in Fort Myers Beach doch tatsächlich zur Nr. 1 unter 86 Restaurants gebracht. Wie das geschehen konnte, wird uns immer ein Rätsel bleiben: Heidi hat zwar viele deutsche Fahnen rausgehängt, das Etablissement riecht aber schon von außen zu schaurig nach Frittenfett, dass man sich das Schnitzel Wiener Art auf der Stelle vorstellen kann. Das ist die Nr. 1?!? Keines des Restaurants mit ausschließlich frischem Fisch, einem ordentlich Bud und fröhlichen Menschen?
Better check twice !

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen