Zwangspause in Ushuaia

Kurz vor fünf morgens werde ich von einem roten Licht wach: Die Sonne geht über dem Beagle- Kanal auf. Das farbenfrohe Schauspiel dauert gerade mal fünf Minuten, danach wird das Licht immer kälter und silberner. Ich rolle mich mit Buch aufs Sofa und gucke zu.

Das ist eigentlich der schönste Moment des Tages. Nach dem Frühstück beschließen wir, das Auto doch noch mal bei Nissan vorzuführen, weil es noch immer ein merkwürdiges Geräusch, ein Klappern gibt. Zwar hat der Mechaniker in Puerto Madryn für 80 Euro versichert, das sei überhaupt kein Problem, aber wir sind unterwegs in wilde Gegenden. Da wollen wir nicht liegenbleiben.

Also Nissan Ushuaia gegen zwölf, kurz vor der Mittagspause. Drei Mechaniker stürzen sich aufs Grauchen. In Eile. Denn heute Nachmittag machen sie frei! Morgen ist ein Feiertag, Samstag wird der Fußboden der Werkstatt erneuert. Aber trotz der späten Stunde sind sie wirklich extrem bemüht und hilfsbereit.

Nach eingehender Untersuchung steht fest: eine Riemenscheibe ist kaputt und muss ersetzt werden, um einen Motorschaden zu vermeiden. Nein, das Ersatzteil gibt es nicht auf Feuerland. Wir fahren zurück ins Apartment, treffen Freddy, unseren Vermieter. Nein, das Apartment ist vermietet, morgen müssen wir raus. Er will mal sehen, ob in seinem Hotel Platz ist.

Klar ist, dass wir frühestens Dienstag abhauen können. Zunächst einmal hängt sich Juan ans Telefon und ins Internet. Hier ist es nicht so, dass die Werkstatt etwas bestellt und spätestens morgen ist es da. Hier müssen wir sehen, wie wir an die Scheibe kommen. Juan klappert Nissan in Santa Cruz, in Chubut ab – das Mistding ist nicht zu haben. In Buenos Aires können sie es besorgen, dauert mindestens drei Werktage. Und muss dann ja auch noch runtergeflogen werden. Also frühestens Dienstag, eher Mittwoch hier. Es gibt Überlegungen, mit dem Bus nach Chile zu fahren, um das Teil zu besorgen. Aber das ist auch Quatsch. Oder fahren wir einfach, wie geplant, morgen früh los? Nie und nimmer.

Bei mercosur – ebay auf argentinisch – gibt es so eine Scheibe. Ist es wirklich die richtige? Federico, Juans Bruder, würde sie für uns abholen und luftfrachten. Zwischendurch bespricht sich Juan immer wieder mit der Nissan Werkstatt, bzw. mit deren Chef, der natürlich auch längst frei hat. Montag könnte ein Feinmechaniker die Scheibe nachbasteln. Das ist doch mal ein Plan!

Ich gucke derweil nach einer neuen Bleibe. Das sieht ganz, ganz düster aus. Da ruft Freddy an: Wir können noch einen Tag länger, also bis Samstag, in der schönen Bude bleiben. Danach hat er ein Zimmer im Hotel, auf das wir aus dem Schlafzimmerfenster gucken. Sieht gut aus. Reden wir mal lieber mit keiner Silbe über die Kosten…

Irgendwie wird es Montag hoffentlich klappen, alles auf die Reihe zu kriegen. Bis dahin sind wir sicher zu intimen Kennern der Ushuaia-Szene geworden. In Hamburg hatten wir uns schon vorgenommen: Kein Jammern, wenn mal etwas nicht so läuft. Einfach gucken, wie man das Problem lösen kann. Und genau das werden wir nun auch tun.

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