Quer durchs Land

Es ist noch stockdunkel, als wir in der Bar des Hotels Torres 1 in Villanueva del Arzbispo unseren Kaffee trinken. Koffein und die lautstarke Unterhaltung der Männer am Tresen und der beiden Offiziere der Guardia Civil machen uns vollends wach.

 

Langsam schleicht sich das Morgengrau an den Himmel und wir machen uns bei knapp 5 Grad auf den Weg quer durchs Land Richtung Nordosten.

 

Hinter den Bergen erscheint das erste Morgenrot, leichter Nebel wabert durch die Täler und wir fahren gemütlich auf der Landstraße N 322 Richtung Albacete und Sonne. Eine weise Entscheidung, denn die Strecke ist wirklich schön. Über einige Höhen von 1000 Metern befinden wir uns überwiegend auf 700, 800 Meter Höhe. Mit 1 Grad wird es ganz oben merklich frisch. Die Straße gehört uns an diesem Samstag fast allein. In aller Ruhe genießen wir die welligen Weiten. Hohe Schornsteine der allgegenwärtigen Keramikfabriken fauchen ihren Rauch in den Sonnenaufgang.

 

Die außergewöhnlich schöne und abwechslungsreiche Strecke durch die Provinz La Mancha (Don Quichote mit seinem wackeren Knappen Sancho Pansa, wir erinnern uns…) endet nach knapp 250 km in Albacete. Eigentlich wollen wir hier einen Kaffee trinken, haben dann aber doch keine Lust auf Stadt.

 

Irgendeine Autobahnbutze Richtung Valencia und damit zu den Katalanen kriegt uns. Unaufgeregt. Die Strecke ans Mittelmeer ist ganz schön, aber je näher wir an Valencia kommen, umso voller wird auch die Autobahn. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt…

 

Aufatmen, als die 2,5-Millionen-Stadt hinter uns liegt. Nur noch 80 Kilometer bis nach Costellon and die Costa de Azahar. Unser Ziel ist der dortige Golfclub und das zugehörige 4-Sterne „Hotel del Golfe“, beides direkt am Meer.

 

Um das vom Zimmer aus zu sehen, muss man laut booking.com zum Preis von 450 Euro für vier Nächte inkl. Halbpension und günstigem Greenfee auf dem Golf course noch einen Zuschlag bezahlen. Mal sehen.

 

Erst einmal gucken wir uns den 9-Loch-Platz an, auf dem an diesem sonnigen Tag reger Betrieb herrscht. Um 15.00 oder 16.15 könnten wir spielen, erklärt der mürrische Mann in seinem Glaskasten. Mal sehen, erst einmal brauchen wir ein Hotel, vorzugsweise das Golfhotel gegenüber.

 

Die Rezeption ist vergleichsweise klein in Relation zur riesigen Hotelhalle. An zwei Schreibtischen hocken drei Meter vom Tresen zwei alterslose Damen in schlecht sitzenden Kostümen hinter ihren wärmenden Ölradiatoren. Sie machen sich nicht einmal die Mühe, aufzustehen, als wir nach einem Zimmer fragen, sondern blättern gleich lustlos in einem Ordner, um den Preis zu ermitteln. Ihr Ergebnis nach minutenlangem Blättern: 280 Euro für 4 Nächte inkl. Halbpension. Das ist deutlich billiger als booking mit 450…

 

Vorsichtshalber will ich die Bude sehen, bevor wir buchen. Weiß ich, ob die auch Kellerlöcher verscheuern? Das findet die eine Trine an der Rezeption zwar umständlich, latscht dann aber doch auf schiefen Absätzen (4Sterne!) vor uns her. Zum Fahrstuhl… Souterrain? Nein, drittes und damit letztes Stockwerk.

 

Sie öffnet die Tür und vor uns liegt das Mittelmeer… Großes Zimmer, Riesenbad, Balkon, Meerblick. Unseres. An der Rezeption frage ich mich kurz, ob die 280 vielleicht pro Person gemeint sind. Nein. Für beide. Rechnung kommt, bezahlt, fertig. Nur könnten wir heute abend nicht am St. Valentinsbuffet teilnehmen. Komplett mit 300 Personen ausgebucht. Dafür aber könnten wir doch jetzt mittagessen. Kein Problem, da wird sich schon was finden…

 

Kurz Luft holen, Händewaschen, Buffet: Neben frischen Salaten und einer Paté Maison gibt’s Paella, Schwertfisch, eine Art Gulasch, Gemüse, Obst, Desserts… Wir suchen uns ein Plätzchen, an dem eine Kubanerin bedient: ein Fläschchen Weisswein (4,80 !), ein Liter Wasser (1,90), der Rest ist natürlich self service und gar nicht schlecht.

 

Die 600-Kilometer-Strecke quer durchs Land, das frühe Aufstehen, jetzt auch noch das ungewohnte Mittagessen: Wir sind müde und müssen uns eine Weile ausruhen.

 

Golf können wir ja morgen noch spielen. Denkste! Als wir uns zu einem Spaziergang aufrappeln, schauen wir kurz am Sekretariat vorbei: Morgen ist den ganzen Tag Turnier. Dienstag auch, aber nur bis 15 Uhr. Toll…

 

Nützt ja kein Greinen und Meckern. Gucken wir mal aufs Meer. Aufs Mittelmeer. Mannomann, Lagos hat uns mit schönen Stränden und aufregender Brandung sehr verwöhnt. Hier scheint in leichtem Dunst alles grau; das Meer schwemmt tonnenweise Algen an. Man muss ja nicht alles gleich mies reden, also laufen wir ein paar Kilometer zum Yachthafen. Hier wurde üppigst betoniert. Sogar das möglicherweise ältere Casino wirkt unwirklich in seinem Teppich aus Beton und Pflastersteinen. Juan sagt, ich soll nicht immer „furchtbar“ sagen…

 

In zweiter Reihe wird es zwar auch nicht schöner, dafür gibt es einen Kaffee mit Blick aufs kunterbunte Kinocenter von Alaza (oder so ähnlich; muss man sich nicht merken). Ich sag mal nicht „furchtbar“, sondern denke mir meinen Teil („Furchtbar!“).

 

Wir schlendern zurück zum Hotel. Das Zimmer ist wirklich gut. Weil ja das Buffet abends mit 300 Valentinshungrigen ausgebucht ist, bleibt uns die Cafeteria für einen kleinen Abendsnack. Weit gefehlt! Es gibt nur Drinks, erklärt das gelangweilte Huhn hinter der Bar. Dann eben über die Straße zum Restaurant des Golfclubs. Fehlanzeige: „Wir schließen in zwanzig Minuten, die Küche ist schon zu.“

 

Auf dem gesamten, kilometerlangen Weg vom Hafen zum Hotel haben wir nicht ein einziges Restaurant, nicht die mausigste Bar gesehen. Uns dämmert, dass die für uns untypische Entscheidung für die Halbpension die einzig richtige war. Das Drumherum hier ist mausetot.

 

Müssen wirklich mit dem Auto in die Stadt fahren? Google maps lenkt uns an den Strand. Restaurant 1 geschlossen. Restaurant 2 auch. Dahinten ist doch Licht? Aha. Ein Hotel. In der Cafeteria gibt es vor allem Süßes, aber auch labbrige Pizzastücke, die wahrscheinlich in der Mikrowelle endgültig zu Tode kommen.

 

Vor der Tür sind wir vor allem genervt. Da sieht Juan nebenan ein Schild. „Pinguino“. Wie bei Kitekat in Lagos? Nein, eher wie Mcdonald’s auf dem Hauptbahnhof… Nun ist es auch egal. Juan bestellt einen Cheeseburger, ich ein paar Wings. Pommes, Weißwein aus dem Plastikbecher. Fertig.

 

Zum Absacker im Hotel kann sich die Barmamsell kaum von ihren Freunden lösen, mit denen sie in ein wichtiges Gespräch vertieft ist. Ich soll ja nicht „furchtbar“ sagen…

 

Ab ins Zimmer. Hier ist es warm und trocken. Man muss es ja auch positiv sehen: Hier ist nichts, aber auch gar nichts klamm…

Kommentar (1)

  1. Günther LUDWIG

    „Juan sagt, ich soll nicht immer „furchtbar“ sagen…“

    „Der Soldat James Ryan“ (Tom Hanks):

    Dialog:
    Pvt. Reiben: Even if you think the mission’s FUBAR, Captain?
    Capt.Miller:„Especially if you think the mission’s FUBAR.“
    Corp. Upham:„What’s FUBAR?“

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