Hoch in die Wüste

Der komische Vogel im Hotel Luna Daniela konnte uns gestern beim besten Willen keinen Tipp für ein Restaurant in Purmamarca geben. Das lag wohl daran, dass der ganze Ort geschlossen und stockdunkel war. Der ganze Firlefanz abgeräumt, heute auf ein Neues. Ein einziges Restaurant war geöffnet. Wir haben schnell gegessen, ein Bierchen getrunken und sind aus der Geisterstadt schnell die vier Kilometer zurück ins Hotel gefahren. Auf der Terrasse könnten wir dann einen Sternenhimmel beobachten, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Klar, es war stockfinstere Nachr und klarer Himmel – ein Traum!
Trotzdem haben wir nicht so doll geschlafen, denn der Paso de Jama steht uns schon etwas bevor. Wir nagen zum Frühstück an einem Toast, packen die paar Klamotten und geben Uschi die Richtung vor: San Pedro de Atacama. Am Rand der Salzwüste auf der anderen Seite der Anden. 440 Kilometer insgesamt.
Wir machen uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg. Immer auf der Ruta 52. Der Anblick der Berge in der Morgensonne ist einfach nur großartig. Dann geht es an den Aufstieg. Über abenteuerliche Serpentinen (Terpentinen, wie unsere unvergessene Putzfrau Birke immer gesagt hat) schrauben wir uns Stunde um Stunde nach oben, beobachten wilde und gezähmte Esel, halten, um Lamaherden zu beobachten, berauschen uns an der Kulisse. Wir klettern auf über 4000 Meter Höhe und erreichen dort ein riesiges Plateau, das sich über mehrere hundert Kilometer zieht.
So ganz wohl ist uns nicht. Zwar bleiben wir von der Höhenkrankheit verschont, aber wir spüren schon, dass das hier oben nicht unsere Luftverhältnisse sind. Deshalb machen wir auch keine großen Spaziergänge, gucken uns den ersten Salzsee zwar gründlich, aber entspannt an. Wir wollen aus der Höhe wegkommen.
Irgendwo, 100 km vor der Grenze, tanken wir in Dorf, juckeln dann weiter. Die Bergwelt, die sich uns zeigt und die ja auch Teil des riesigen Wüstengebiets ist, lässt sich weder beschreiben, noch fotografieren noch filmen. Wir haben unzählige Dokumentationen gesehen – die Wirklichkeit ist noch viel besser.
Irgendwann kommen wir dann auch zur Grenze. Das Abfertigungsgebäude teilen sich praktischweise die Argentinier mit den Chilenen. Wir werden von Schalter 1 bis 4 durchgereicht, dann kontrolliert eine nette Zöllnerin bei beißendem Wind noch das Auto – fertig. Über 4000 Meter hoch liegt die Station. Wir sind froh, dass es endlich wieder talwärts geht.
Doch wie haben uns geirrt: Zunächst einmal geht es durch die Wüstenlandschaft, vorbei an Salzseen und überdimensionalen Dünen aufwärts. Erst bei knapp 5000 Metern haben die Anden ein Einsehen mit uns und es geht abwärts. Das nun allerdings so rasant, dass wir uns fast die bei der Landung eines Flugzeugs vorkommen.
Nach sieben Stunden insgesamt sind wir auf ungefähr 2300 Meter Höhe. Die Passstrasse trifft auf ein muffeliges Dorf, wir biegen links ab. Genauso, wie Uschi es gern hätte. Kurz nach dem Observatorium kommt es uns komisch vor, dass zwar andere Orte, nicht aber San Pedro de Atacama ausgeschildert sind. Irgendwie haben wir Uschi, unser Navi, falsch informiert. Wir drehen um und folgen nun Schildern.
San Pedro de Atacama ist exakt das muffelige Dorf. Lehmhäuser, keines ohne einen Souvenirshop, viele Backpacker, viele Gestrandete, denen das Leben deutlich sichtbar übel mitgespielt hat. Erster Eindruck: Nichts wie weg! Das Rothenburg ob der Atacama ist nichts, aber auch gar nichts für uns. Aber irgendwo müssen wir ja bleiben. Also fragt Juan in einem Laden an, der Cabañas hat. 200 US die Nacht. Sind die hier bekloppt? Ja. Ich bewache Grauchen, während Juan den dumpfen Typen bei der Tourist Information nach Unterkünften befragt. Mit zwei ausdruckten Seiten einer Exceltabelle kommt er zurück.
Das Navi hilft, wir geben die Suchfunktion für Hotels ein. Uns interessiert vor allem die Lage. Möglichst weit weg aus dem Ort… Uschi kennt die Casa Don Esteban, ein Rural Hotel. Auf dem Weg dahin checken wir noch einen anderen Don. 160 US, s. o.
Bei Esteban gibt es ein großes, renoviertes Zimmer mit einem neuen Bad. Alles sauber und ok, mit 55000 Pesos, ca. 75 Euro, auch noch so gerade in unserem Budget für diesen Ort, von dem wir natürlich wussten, dass er teuer ist. Die neue Währung ist auch mal wieder eine Herausforderung. 1000 chilenische Peso sind 1,30 Euro. Das gibt ja wieder eine Rechnerei für die Erfinderin des Dreisatzes… Da wir uns keinen Schritt mehr vor die Tür bewegen wollen, bequatschen wir die höchst sympathische Hotelmutti, uns etwas zu essen zu geben. Es wird Pute und Püree, einen Quinoa-Salat und ein Dessert geben. Inkl. einem Glas Wein für 9000 Pesos. Das kann sogar ich ausrechnen 🙂
Wenn das Essen fertig ist, wird die Lady klopfen. Hoffentlich bald. Jetzt ist es halb acht. Wir sind fix und alle von dem Trip über die Anden, begeistert von den Wüsten und froh, dass wir nichts mehr machen müssen. Und wie geht’s weiter? Wir wissen morgen mehr.

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