Fränkische Toskana

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Schade, dass der Kurs in Sagmühle/Bad Griesbach zuende ist. An diesem Freitag geht es erst einmal um unser Auto in Cham, erst danach denken wir mal wieder über Golf nach. Der Abschied aus dem „Landhaus Cornelia“ in Bad Birnbach ist bei der Tochter genauso herzlich wie bei den Eltern im vergangenen Jahr.

 

Auf der B 20 Richtung Nordosten treffen wir gefühlt jeden tschechischen, rumänischen und polnischen Laster. Ungeheuer, was da los ist! Übrigens auch bei den Damen, die in vergammelten Wohnwagen/-mobilen auf Kundschaft warten. Das nehmen wir nur am Rande zur Kenntnis, denn wir sind ganz angetan von der Landschaft und den Horizonten. Der Bayrische Wald hat was, das muss man wirklich sagen. Nach bummeligen 120 Kilometern rollen wir bei Mercedes Hirschvogel in Cham auf der Hof. Wie von Werkstattleiter Frisch versprochen, ist alles fix und fertig für uns vorbereitet. Die Rechnung ist schneller beglichen als das Gepäck umgeladen. Was schleppen wir bloss alles mit uns rum?!?

 

Eine halbe Stunde später steht der vollbetankte Opel Mokka wieder beim ADAC, der Abschleppwerkstatt. Wir überlegen kurz, in welche Richtung wir mal starten. Franken, in diesem Gebiet gern als „fränkische Toskana“ apostrophiert, ist wirklich einen weiteren Blick wert. Unserem Büchlein „Golfen Deutschland“ entnehmen wir, dass es in Aiterhofen mit dem Gut Fruhstorf einen relativ flachen Platz geben müsste. Als wieder knappe 50 km nach Süden bis nach Straubing. Auf dem Platz treffen wir auf eine relativ grosse Gruppe, die mehr oder minder ungeduldig an Tee 1 wartet. Huch! Der Pro im Sekretariat beruhigt uns: Die 20er-Gruppe hat sich für 13 Uhr angemeldet, in einer Stunde ist es alles wieder ganz ruhig. Klingt gut, aber wir müssen erst einmal etwas essen. Der Tipp kommt vom Pro: Gasthof Murrer in Aiterhofen. 

 

Direkt am Parkplatz sehen wir ein Schild: „Sunny Hotel“; davon haben wir schon gelesen. Wir folgen den Zeichen und stehen vor dem relativ neuen Haus, in dem auf eine Rezeption verzichtet wird. Das kennen wir ja schon aus Kulmbach. Das Zimmer kostet mit Frühstück 60 Euro – klingt gut. Aber da es kein Restaurant gibt, fahren wir doch noch zu Murrer. Küche ab 16 Uhr. Mit uns kann man’s ja machen… Fast hätten wir genau nebenan das Gasthaus „Goldenes Rad“ übersehen. Das wäre schade gewesen, denn das Rehragout mit Kloss, das Schnitzel mit Bratkartoffeln und der Salat waren hervorragend! Dazu zwei Helle – zwar etwas frisch, aber grosse Klasse hier im Biergarten in Aiterhofen. Es bedient eine junge Frau, die ein bisschen an Games of Thrones im Dirndl erinnert. Der Kollege, ein lederbehoste Kellner, ist ein durchaus attraktiver Eurasier. Ist der alte Chinese, der still in seinen Masskrug lächelt, Verwandtschaft? Wir werden es nie erfahren. Man hat übrigens auch Zimmer, die sind uns mit einem Hunderter zu teuer. Ausserdem zu weit weg vom Golfplatz. Als Sunny Day… Wir buchen schon mal, und vor der 22,60 Euro-Rechnung (Ist das zu fassen?) haben wir schon unsere check-in codes. 

 

Der Computer im Haus tut, was man ihm eingetrichtert hat: Wir checken problemlos ein. Das Zimmer ist gross, hell und völlig in Ordnung. Boxspring Betten und Flachbildschirm – das reicht für das EM Qualifikationsspiel Deutschland – Holland, das die Doofen von RTL aus Hamburg heute übertragen, aus. Unsere Siesta dehnt sich über den ganzen Nachmittag aus, zumal das Magazin der Süddeutschen Zeitung in seiner heutigen Ausgabe Paris zum Thema hat. Wir ruhen uns also nur aus. Pfiffigerweise haben wir uns auch gleich zwei Nächte im Sunny Hotel eingemietet, also morgen ab in die Klamotten und mal auf die Runde. So ein Nichtstun-Tag (oder fast nix) ist ja auch mal sehr gemütlich.

 

Nachzutragen wäre noch, dass wir den Hundertjährigen, der aus dem Fenster sprang, gefunden haben: Er bewirtet und bekoch in einem Gasthaus mit Bundeskegelbahn namens „Bergbauer“ in der Donaustrasse in Aiterhofen. Serviert wird, was da ist. Irgendwie. Ich nehme eine Currywurst, Juan ein Schnitzel. Unser Vorteil: Urgrossväterchen muss alles in der Pfanne zubereiten, weil irgendein Depp das Fett aus der Friteuse gekippt hat. Also Pfanne, Öl und einen Schlag Butter. das geht fürs Schnutzel und die Bratkartoffeln. Wer allerdings für das Salatdressing gesorgt hat, sollte seinen Beruf überdenken. Einfach furchtbar.

 

Zurück im Hotel treffen wir auf drei Kosovo Albaner, die gerade dabei sind, den Kampf gegen den check-in Computer zu verlieren. Gemeinsam schaffen wir es. Während bei RTL Fussball läuft geht Juan noch mal zum Auto. Wir haben da ein Fläschchen Williams. Nur: Wo bleibt er? Wieso kommt er nicht zurück? Ich will ihn gerade suchen, da ist er wieder da. Die armen Albaner konnten ihr Zimmer nicht finden. Juan ist mit ihnen durchs gesamte Gebäude gelaufen – nichts. Endlich ist er darauf gekommen, dass das Zimmer vielleicht ausserhalb liegen könnte. Genauso ist es. Das ist nun richtig dämlich, weil es nirgendwo beschrieben wird. Naja, die drei Jungs schlafen, die elf deutschen Jungs kriegen gerade von den Holländern ein Jackvoll und wir trinken einen Williams. Aus dem Wasserglas. Gibt nichts anderes.

 

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