
Der Plan ist schlicht und einfach: Am 30. Dezember überall tschüss sagen, Handgepäck (mehr gibt es auch für drei Monate nicht) noch einmal überprüfen. Was wir nicht haben, müssen wir eben besorgen. Leichtes Abendessen gegen halb sechs Taxi für 4 Uhr 30 vorbestellen, Wecker dreimal absichern für 3 Uhr 30. Kurz nach 8 schlafen wir planmässig wie die Murmeltiere. Der nächste Tag wird lang. Ein Irrtum. Er wird noch viel länger.
Mit dem ersten Läuten des Weckrufes wanke ich kurz nach halb vier unter die Dusche. Hellwach höre ich dann Juans brandneue Nachricht: Alles ändert sich, Iberia hat gegen neun (wir schliefen) den Flug um 7 nach Madrid gecancelled. Einfach so.Und uns umgebucht auf die 11-Uhr-Maschine und den Anschluss nach Buenos Aires um 23:59 ab Madrid. Unsere schöne Tages-Maschine kriegen wir also nicht.
Keine Ankunft vor Mitternacht und Champagner am Rio de la Plata, sondern zehn Stunden Warterei in einer dusseligen Lounge in Spanien, langer langer Flug und Ankunft erst morgens am 1.1.
An Schlaf ist zunächst nicht mehr zu denken. Taxi abbestellt, Hotel in Argentinien informiert, Uber in Ezeiza umgebucht. Von nun an klappt alles wie am Schnürchen, eher wie an der Schleppleine.
Am übelsten ist die lange Wartezeit in Madrid. Verwegen vor Müdigkeit buchen wir uns sogar zwei Stunden in zwei Ruhekabinen in der Lounge ein, aber kriegen kein Auge zu. Gegen 21 Uhr läuft die Küchenbrigade mit den Kellnern durch die Lounge, alle mit einem knallroten 2026-Diadem auf dem Kopf und einem Glas Schampus in der Hand. Feliz Nuevo Año. Ja, irgendwo auf der Welt ist es schon so. Wir haben in Madrid noch ein paar Stunden vor uns.
Pünktlich um Mitternacht fliesst dann aber doch Champagner aufs neue Jahr im Flieger, dazu gratis ein Steward, der unerklärlicherweise einen Weihachtsmannhut aufhat und die letzten Sekunden herunterzählt.
Nach einem belanglosen Essen gibt es nur noch eines: Lang machen, Augen zu und durch. Tatsächlich schlafen wir von 13 sieben, acht Stunden, sind aber wie gerädert, als wir per Uber ins Hotel Bisonte Libertad fahren.
Ohne einen einzigen Peso in der Tasche. Geldwechsel ist in Argentinien immer noch ein bisschen irrwitzig, weil es die unterschiedlichsten Kurse gibt. Ein Kreditkartenkurs ist jetzt nicht einmal der schlechteste, aber die muss erst einmal jemand akzeptieren. Das klären wir alles mit Western Union morgen, bevor wir mittags in die gebuchte Wohnung einziehen.
Heute erst mal Füsse hoch, später gehen wir sicher noch einmal um den Block und geniessen ein kleines Wunder: Wurden gestern, am 31., noch 38 Grad gemessen, atmen wir heute bei 28 durch.