Die Villa Antigua zeigt sich kulant. Da unser Flieger nach La Paz erst am Abend geht, können wir das Zimmer bis fünf Uhr behalten. Dann holt uns der schon bekannte, sehr gesprächige Taxifahrer ab und bringt uns zum etwa eine Stunde entfernten Airport. Plan für heute außer Weiterflug: nichts tun. Rein gar nichts.
Das klappt nur bedingt, denn genau gegenüber dem Hotel lockt uns das Klostermuseum Santa Clara. Hinter der weißen Fassade liegt ein Kreuzgang, der seit dem 17. Jahrhundert genutzt wird. Wir schließen uns mit zwei anderen einer Führung an. Fürs Fotografieren zahlen wir 5 Bolivianos extra – ungefähr 60 Cent. Wie immer gibt es die Führung nur auf Spanisch, aber die Dame spricht klar und verständlich. Für mich kein Problem, für die anderen drei sowieso nicht.
Das Kloster hat eine spannende Geschichte. Es wurde 1636 von Doña María de Ceballos gegründet, einer Witwe mit drei Kindern, die damit einen Franziskanerinnenorden in der damaligen Kolonialstadt etablierte. In seiner Hochphase lebten mehr als 300 Nonnen hier, heute sind es noch vierzehn. Juan hat zwei oder drei im braunen Ornat im Garten gesehen, ich nicht.
Der Rundgang führt durch einen Gang über dem Innenhof mit Sandsteinsäulen, vorbei an Zellen, die auf zwei Etagen angeordnet sind. Der Garten, in dem es viele Nutzpflanzen gibt, ist wunderschön angelegt und perfekt gepflegt.
Die Kirche mit ihren zwei Chören und der barocken Orgel wirkt wie ein Relikt aus der Kolonialzeit. Die Orgel stammt aus dem 17. Jahrhundert, konnte aber jahrzehntelang nicht genutzt werden. Ein französisches Restaurierungsteam hat sie vor einigen Jahren komplett auseinandergebaut und so wieder zusammengesetzt, dass sie heute wieder funktioniert. Das Instrument – das größte seiner Art in Bolivien – wird für gelegentliche Konzerte genutzt.
Im Museumsbereich hängen Gemälde aus der Andenbarockzeit, dazu Silberarbeiten und liturgische Objekte. Vieles ist gut erhalten, anderes zeigt deutliche Spuren der Zeit.
Im Kreuzgang fallen an einigen Stellen Wandmalereien auf, die lange Zeit gar nicht sichtbar waren. Die Fresken wurden erst bei Restaurierungsarbeiten entdeckt. Sie stammen vermutlich aus der Kolonialzeit und zeigen neben klerikalen Motiven vor allem ornamentale Muster. Unsere Führerin ist gut informiert, und es bleiben keine Fragen offen. Sie erzählt, dass Teile der Malereien von einem deutschen Restaurierungsteam freigelegt und gesichert wurden.
Wir erfahren nicht nur vieles über das Gestern, sondern auch über das Heute: Die Franziskaner-Nonnen, die hier leben, bestreiten ihren Lebensunterhalt weitgehend selbst. Sie pflegen den Garten, kümmern sich um das Gebäude und produzieren Lebensmittel, die im kleinen Verkaufsraum angeboten werden: Marmeladen aus regionalen Früchten, Empanadas, Gebäck. Die Einnahmen fließen in den Erhalt des Klosters.
Wir werfen noch einen Blick in die Krypta, in der rund 600 Nonnen ihre letzte Ruhe gefunden haben, und verabschieden uns von Santa Clara. Wieder einmal ein sehr interessanter Vormittag mit spannendem Geschichtsunterricht.
Fast schon gewohnheitsmäßig laufen wir zum Abschluss über die zauberhafte Plaza 25 de Mayo. Mein Alpaka lässt sich nicht blicken, also auf zur letzten Siesta in Sucre. Wir haben sehr viel vom historischen Zentrum der Stadt gesehen, von der Neustadt allerdings außer im Vorbeifahren nichts. Vielleicht ein nächstes Mal..