Zwei Tage lang haben wir uns in Panama-Stadt treiben lassen. Am Pool, zwischen den hohen Türmen von El Cangrejo, die in der Mittagssonne spiegeln. Beim Erkunden des Viertels, das gleichzeitig geschäftig und entspannt wirkt. Und beim Koreaner an der Ecke, wo wir Wings bestellt haben, die uns kurz sprachlos machten – so scharf, dass wir lachen und gleichzeitig weinen mussten. Zum Glück hatten wir als Gegenpol eine mildere Variante. Das ständig nachgeschenkte Wasser brauchten wir trotzdem dringend. Es waren langsame Tage, die gut taten.
Am Abend sitzen wir in einem kleinen Grillrestaurant. Das Huhn kommt direkt vom Rost, der Rauch hängt noch in der Luft. Unser Kellner heißt Antonin, vielleicht Mitte zwanzig, freundlich, offen. Er spricht über Fußball, über Toni Kroos und Joshua Kimmich, dessen Namen er auf dem Rücken trug, als er eine Wanderung machte. Dann erzählt er von seiner Mutter, die sieben Jahre in den USA lebte – in New York und Las Vegas –, bis sie im vergangenen Jahr deportiert wurde. Nun kümmert er sich in Panama um sie. Eine Geschichte, die hier nicht ungewöhnlich ist, aber jedes Mal neu berührt.
Später verlieren wir im Casino des Hilton ein paar Dollar und beschließen, dass das so in Ordnung ist. Am nächsten Morgen geht es früh zur Fähre. Taboga wartet.
Die Insel liegt nur eine halbe Stunde entfernt, wirkt aber wie eine andere Welt. Bunte Häuser, klare Farben, Bougainvilleen über den Gassen. Fischerboote im Hafen, ein Dorfkern, der sich seit dem 16. Jahrhundert kaum verändert zu haben scheint. Die Hitze steht über allem, 33 Grad, gefühlt weit mehr. Wir suchen die Kirche, die wir uns natürlich ansehen: klein, schlicht, aus dem 16. Jahrhundert – und so beschaulich wie die ganze Insel. Wir überlegen kurz, an den Strand zu gehen, entscheiden uns dann aber für ein Frühstück direkt am Wasser. Camerones, Langostinos, ein kühles Getränk, der Blick aufs Meer. Viel mehr schaffen wir nicht.
Die Wanderwege bleiben ungenutzt. Schon im Sitzen geraten wir ins Schwitzen. Taboga hat Geschichte: Piraten, Kolonialzeit, Panamakanal, Gauguin, an den ein Mural erinnert. Die Insel ist eine von über 1.000 in Panama, ein Ort, der entschleunigt, aber inzwischen auch vom Tourismus geprägt ist. Die Fähren kommen fast stündlich, und für eine so kleine Insel ist das zu viel.
Gegen halb drei fahren wir zurück, gegen halb fünf liegen wir wieder im Pool, gegen halb sieben sitzen wir mit einem Glas Weißwein auf dem Balkon im 36. Stock. Von hier oben wirkt die Bucht ruhig, fast geordnet. Die Sonne brennt noch nach, und wir haben einen klaren Eindruck von Taboga mitgenommen: ein schöner, heißer, lebendiger Ort – mit all seinen Farben, seiner Enge und seinen Geschichten.