Panama. Der Kanal.

Nach der durchaus schrottigen Albrook Mall am Rande von Panama City haben wir gestern noch etwas anderes entdeckt: Die Multiplaza Pacific glänzt wie ein Tempel des Konsums. Chanel und Cartier feiern den Wohlstand neben Gap und Banana Republic, die Gänge sind breit, die Böden spiegeln, die Menschen sind entspannt, und vor allem nicht so zahlreich. Wir schlendern durch diese gepflegte Welt, bevor wir bei Tony Roma’s landen. Baby Ribs, selbstverständlich. Memories aus San Francisco. Früh ins Bett, denn morgen wartet das eigentliche Schauspiel: der Panamakanal.

Um acht sitzen wir im Uber Richtung Miraflores, dem Besucherzentrum des Panamakanals. Frühaufstehen lohnt sich, die besten Plätze direkt an der Schleuse sind noch frei. Ein riesig langer Frachter und ein Touristenschiff gleiten hinein, begleitet von Schleppern, Lotsen und den berühmten „Mulis“, jenen kleinen Lokomotiven aus Österreich, die die Giganten millimetergenau in Position halten. Wir sehen, wie sich die Schiffe vor unseren Augen um acht Meter heben. Ungeheuer, welche Wassermassen hier bewegt werden, und ungeheuer auch, dass die Schleusentore noch die Originale von 1914 sind.

Die Geschichte des Kanals ist eine Geschichte von Größenwahn und Beharrlichkeit. Ferdinand de Lesseps, gefeierter Erbauer des Suezkanals, will Ende des 19. Jahrhunderts auch hier ein Wunder vollbringen, diesmal als Durchstich auf Meeresniveau. Doch die Tropen sind gnadenlos: Malaria, Gelbfieber und die unbändige Natur lassen das Projekt scheitern. Tausende Arbeiter sterben, Lesseps’ Ruf zerbricht. Erst die Amerikaner greifen das Projekt neu auf, setzen auf Schleusen statt Durchstich und vollenden 1914, was zuvor unmöglich schien.

Wir haben Glück: als nächstes fährt die Norwegian Jade ein, ein Kreuzfahrtschiff, das mit chirurgischer Präzision in die Kammer bugsiert wird. Wir bestaunen die Bugsiere, sitzen einfach nur da und gucken uns dieses Schauspiel an.

Danach geht es planmässig ins größte Kino Panamas, direkt neben der Anlage. In 3D erklärt uns die sonore Stimme von Morgan Freeman, spanisch untertitelt, noch einmal die Entstehung und Bedeutung des Kanals. Der Clou: Nach 45 Minuten Film landen alle Zuschauer direkt im Souvenirshop – Marketing in Reinform.

Ein städtischer Bus, den wir zufällig entdecken, bringt uns kostenlos Richtung Zentrum zur gigantischen Albrook Mall. Wir wechseln das Verkehrsmittel, steigen in die Metro. Schon eine Station später steigen wir wieder aus, durchwandern ein Gebiet, das meine Grossmutter Nachtjackenviertel genannt hätte, und landen schließlich wieder am Pazifik. Es zieht uns trotz zunehmender Schwüle zum Casco Antiguo, in die Altstadt. Dort, zwischen kolonialen Fassaden und stickiger Luft, erwischen wir eines der weniger guten Cafés für ein spätes Frühstück.

Genug Abenteuer für heute. Zurück geht’s ins kühle Apartment mit Blick auf die Reede, wo die Schiffe geduldig auf ihre Passage warten.

Geplant ist für heute nichts mehr. Ab und zu tröpfelt etwas Regen aus einer Wolke. Mehr passiert hier nicht.

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andando
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