Ein Tag, der ganz ruhig werden sollte. Und wieder einer, der es nicht tut.
Schon früh sind wir unterwegs, nicht aus Abenteuerlust, sondern weil am Pool keine Handtücher liegen und unsere eigenen in der Wohnung geblieben sind. Duschen statt schwimmen, Frühstück statt Planscherei. Der Himmel ist grau, die Luft warm und schwer von tropischer Schwüle. Ein Wetter, das nach Museum ruft.
Unser Ziel: das BioMuseo, untergebracht im einzigen Gebäude, das Frank Gehry in Lateinamerika entworfen hat. Bereits zu Beginn der 2000er Jahre plante der Stararchitekt dieses Projekt, eröffnet wurde es 2014. Gehry, der im Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren verstarb, hat hier ein Werk hinterlassen, das seine Handschrift unverkennbar trägt: ein kunterbuntes, skulpturales Bauwerk, das wie ein aufgeschlagenes Origami-Buch wirkt. Das Museum zeigt die Kultur- und Naturgeschichte Panamas sowie die ökologischen Folgen der Entstehung des Isthmus von Panama. Es wurde am Amador Causeway, dem Calzada de Amador errichtet. Der Eintrittspreis von 20 Dollar pro Nase schreckt uns ab. Doch schon im Außenbereich gibt es reichlich zu entdecken: die farbenfrohen Dachflächen, die spielerische Architektur, eindrucksvolle Schaukästen zum Thema Panama und die Aussicht auf die Einfahrt des Kanals.
Statt ins klimatisierte Museum zieht es uns hinaus. Wir wandern Kilometer um Kilometer entlang des Amador Causeway, einer künstlichen Landzunge, die aus dem Aushub des Panamakanals entstand und mehrere kleine Inseln mit dem Festland verbindet. Immer wieder halten wir inne: Pelikane stürzen ins Wasser, Containerschiffe gleiten majestätisch in den Kanal. Es ist kaum fassbar, dass wir direkt am Ufer dieses Weltwunders spazieren. Mit jedem Schritt steigt die Hitze, bis wir am Ende des Causeway erschöpft in ein schlichtes Restaurant namens Atlantic einkehren, direkt am Yachthafen.
Eigentlich könnte der Tag hier enden, doch wir setzen noch einen drauf. Mit Blick auf die imposante Skyline von Panama City fahren wir zur Albrook Mall, der größten Shoppingmall Lateinamerikas. Über 700 Geschäfte, mehr als 100 Restaurants, ein Labyrinth aus Konsum und Wahnsinn.
Die Fahrt dorthin lässt uns über Uber nachdenken: Wie sehr diese App das Reisen verändert hat. Kein Feilschen, kein Wechselgeld, keine Sprachbarrieren – ein Klick, und die Welt wird einfacher. Trinkgeld gibt es im Anschluss an die Fahrt, ebenfalls online. Sehr entspannend.
Vor der Mall verschluckt uns ein Strom von Menschen. Wir schlendern durch breite Gänge, essen im Foodcourt und erschrecken plötzlich über ein ohrenbetäubendes Geräusch. Kein Karussell, kein technischer Defekt: Es ist der Regen, der auf das Blechdach prasselt, als wolle er die Welt zum Einsturz bringen. Die Mall bleibt stehen, unsere Begeisterung hat das längst hinter sich. Viele Läden wirken schrottig, die Auswahl an Kleidung, Schuhen und Technik austauschbar. Dazu das Gedränge eines Sonnabends: Der Schulanfang steht bevor, die Familien kaufen ein, als gäbe es kein Morgen. Die Füsse mögen nicht mehr,die Augen haben genug, der Nase reicht‘s – wir wollen einfach nur nach Hause.
Ein weiterer Uber bringt uns schließlich zurück. Die Füße glühen, die Lust auf Abenteuer ist für den Moment erloschen. Am Abend gibt es ein schlichtes Mahl: Schwarzbrot, Aufschnitt, Käse, vielleicht hauen wir noch ein paar Eier in die Pfanne.
Möglicherweise schaffen wir es ja morgen, wirklich nichts zu tun. Nur am Pool liegen, lesen, und den Tag endlich einmal ruhig angehen lassen.