Gestern haben wir Südamerika mit dem Flieger aus Peru verlassen, ab heute entdecken wir für uns Neuland: Panama, unsere erste Station in Zentralamerika. Gegen zehn Uhr morgens rollen wir mit einem Uber zum Mercado de Mariscos, dem Fischmarkt. Schon von weitem riecht man die salzige Luft, und drinnen entfaltet sich ein faszinierendes Panorama: Thunfisch, Snapper, Garnelen, Muscheln – alles frisch auf Eis, alles so lebendig, dass man fast meint, die Ozeane selbst hätten hier einen Stand eröffnet. Der Markt ist noch jung, erst Mitte der 1990er Jahre gebaut, aber längst Herzstück der Stadt. Früher gab es nur kleine Verkaufsstellen, bis ein Meeresbiologe die Panameños davon überzeugte, dass Fisch mehr ist als Beilage. Heute ist der Mercado de Mariscos ein Fest für Augen und Gaumen und theoretisch ein guter Ort, um sich gleich mit einem Ceviche zu stärken. Das ist uns aber noch zu früh.
Es ist warm, und die Luftfeuchtigkeit schlägt uns wie ein nasses Handtuch ins Gesicht. Wir müssen uns noch eine Spur akklimatisieren. Vom Fischmarkt führt der Weg fast direkt ins Chinatown. Doch ein Einheimischer macht eine klare Geste, flache Hand über den Hals: „Don’t go there.“ Wir drehen ab. Bauchgefühl und Warnung passen zusammen. Vielleicht an einem anderen Tag.
Stattdessen lassen wir uns treiben in den Casco Viejo, die koloniale Altstadt. Kopfsteinpflaster, bunte Fassaden, Boutiquen, Cafés. Ein Viertel, das Geschichte atmet. Gegründet 1673 nach der Zerstörung von Panamá Viejo durch Piraten, war es lange Zeit von Mauern geschützt, später verfallen, dann wiederentdeckt. Heute ist es UNESCO-Weltkulturerbe und wirkt fast wie ein Bühnenbild. Grossartig, künstlerisch, alt, neu. Wir geniessen jeden Blick, auch eenn wir ein bisschen ächzen.
Nach einer kurzen Kaffeepause schlendern wir vorbei an Kirchenruinen, unter einem Dach aus tausenden Hüten entlang und landen an der Plaza de Francia, wo ein Denkmal an die französischen Ingenieure erinnert, die den ersten Versuch zum Bau des Kanals wagten. Das Kultusministerium Panamas fügt sich malerisch ein, gegenüber die französische Botschaft, fast wie ein kleines Stück Europa mitten in Mittelamerika. Eine bessere Lage ist kaum vorstellbar.
Zurück im modernen Teil der Stadt fehlt uns etwas Banales: Handtücher für den Pool. Unser Vermieter hat keine, also Uber zum Convey-Kaufhaus an der Avenida Balboa. Zwei günstige Tücher später stolpern wir in ein nicaraguanisches Restaurant. Juan bekommt Fisch, ich Huhn in einer köstlichen Knoblauchsauce. Alltag, wie er schöner nicht sein könnte.
Am Nachmittag dann Pool im 11. Stock – mit Handtüchern, frisch und kostenlos von einer Dame hinter der Bar. Offenbar weiß unser Vermieter nichts davon. Wir wissen es jetzt und genießen Wasser, Sonne, Ruhe.
Und später? Da sitzen wir hoch oben im 36. Stock, mit Blick auf die Bucht. Am Horizont ziehen Containerschiffe, Autotransporter und die elegante Sea Cloud Spirit, die geradezu winzig wirkt neben all den Ozeanriesen, vorbei.
Der Panamakanal liegt direkt vor unserer Nase, ein Sinnbild der Globalisierung. Bis zu 400.000 Dollar kostet die Durchfahrt für ein großes Schiff, selbst kleine Yachten zahlen rund 1.000. Millionengebühren bewegen sich hier Tag für Tag durch die Schleusen. Wir nippen an eiskaltem Weißwein und schauen einfach zu. Hinreißend, spektakulär, fast surreal.