Mexiko. Streifzug Mérida.

So. Der Flipper flippt wieder, alle Systeme alert, die Lichter funkeln, es piept und pfeift.

Der Tag in Yucatàns Hauptstadt beginnt nach dem Frühstück und der Abholung der Wäsche mit einem längeren Spaziergang. Zwar zeigt das Thermometer wieder 33 Grad, aber wenigstens geht ein kleines Lüftchen. Es ist noch ziemlich ruhig in der Stadt. Ich vermute mal, wer kann, verkriecht sich im Schatten. Da wir der Millionenstadt morgen schon wieder tschüs sagen werden, wollen wir heute noch einiges ansehen.

Unser erstes Ziel: der Paseo de Montejo, wohl eine der schönsten Straßen Méridas. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts in jener Phase gebaut, in der das „grüne Gold“, der Henequén, also Sisal, Yucatán zu einer der reichsten Regionen Mexikos machte. Die Elite wollte diesen Reichtum sichtbar machen und schuf eine Allee, die sich an europäischen Vorbildern orientierte, besonders an den Pariser Boulevards. Die Villen entlang der Straße wirken bis heute wie eindrucksvolle Momente einer Belle Époque, die hier in der tropischen Hitze weiterlebt.

Die Casas Gemelas, zwei identische Herrenhäuser, stehen da, als warteten sie auf die Rückkehr ihrer einstigen Besitzer. Nahezu jedes Haus könnte man klauen, einige erinnern an die amerikanischen Südstaaten, andere wieder an prachtvolle Pariser Villen. Augen und Füsse bekommen ordentlich etwas zu tun. Zum Glück wird der Paseo recht gut beschattet und es gibt es paar Bänke. Aber wir sind ja nicht zum Ausruhen unterwegs. Weiter nördlich öffnet sich der Paseo zum Monumento a la Patria, einem monumentalen Kunstwerk voller Maya-Symbolik und mexikanischer Geschichte.

Von all der Schönheit, vor allem aber vom gleißenden Sonnenlicht geblendet, suchen wir ein kühles Plätzchen. Im Walmart. Banaler geht es kaum.

Aber der Tag ist lange nicht zu Ende, der nächste Uber-Fahrer ist schon im Anmarsch. Wir sind gespannt auf unser nächstes Ziel: Der Bau des Gran Museo del Mundo Maya wirkt, als hätte sich ein riesiger, heiliger Baum mitten in Mérida materialisiert. Der weiße, runde Kern des Gebäudes steht wie ein massiver Stamm da, während die große grüne Metallstruktur darüber wie eine ausladende Baumkrone schwebt.

Diese Konstruktion ist nicht nur ein architektonischer Effekt, sondern eine bewusste Anspielung auf die Ceiba, den Weltenbaum der Maya, der Himmel, Erde und Unterwelt verbindet. Genau dieses Bild übersetzt das Museum in eine moderne, fast futuristische Form: ein Ort, der gleichzeitig uralt und ausgesprochen gegenwärtig wirkt. Wenn man bei 35 Grad dort ankommt, spürt man sofort, wie die grüne Struktur Schatten wirft und das Licht filtert, als stünde man tatsächlich unter einem riesigen Blätterdach. Aber man flieht dennoch so schnell wie möglich ins sanft klimatisierte Museum. Wir jedenfalls tun das.

Abgesehen von der bemerkenswerten Architektur begeistert uns die Ausstellung, die die Geschichte der Maya als lebendige Kultur, die bis heute existiert, erzählt. Wir bestaunen Miniaturen, die über 1500 Jahre alt sind, sehen Videos, die uns die glorreiche Geschichte dieses Millionenvolkes erzählen, und sind fasziniert von Schriftstücken, die in einer bildhaften Sprache eine Art Tagebuch der Maya darstellen. Sehr, sehr beeindruckend. Natürlich: Viele, viele tote Steine. Aber sie erzählen uns eine sehr lebendige Geschichte. Das ganze Haus hat etwas Mystisches, fühlt sich an wie ein Übergang: von der Hitze in die Kühle, vom Lärm der Stadt in eine andere Zeit, von der Oberfläche in die Tiefe einer Zivilisation, die Mérida bis heute prägt. Wir freuen uns, dass wir den langen Weg hierher gemacht haben.

Nur ein paar hundert Meter weiter zeigt sich wieder eine ganz andere Welt. Wir schleppen uns durch die Hitze zur Gallería, der größten Mall Yucatáns. Als Erstes erschlägt uns fast die Vielfalt des Kaufhauses Liverpool: Ein richtiges, luxuriöses Kaufhaus und der Auftakt zu der Mall mit weit über 100 Geschäften. Was wir da wollen? Och, mal gucken… Bald haben wir vom Window-Shopping die Nase voll und lassen uns zu einem sehr späten Lunch nieder. Bei Chang, einem Chinesen. Wir hatten richtig Lust auf eine asiatische Abwechslung und wurden mit Variationen vom Huhn keineswegs enttäuscht.

Es ist schon wieder nach sechs, Zeit für eine Pause im Hotel. Wir müssen noch das Gepäck klarmachen, denn morgen beginnt ein neuer Abschnitt unserer großartigen Reise, die sich langsam bedenklich dem Ende zuneigt.

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