Wir beobachten ihn seit Tagen: Er ist etwa 20 cm groß, hat braune Flügel, der Rücken ist etwas dunkler. Der schwarz‑weiße Kopf fällt durch einen markanten Augenstreif auf. Das Auffälligste aber sind Brust und Bauch: knallgelb. Manchmal ist er ganz stumm, dann wieder ruft er „kis‑ka‑dee!“.
Es ist ein Schreivogel (Pitangus sulphuratus), der manchmal aus den Palmen flattert und sich auf der Mauer neben unserem kleinen Pool niederlässt. Ziemlich weit verbreitet dieser Piepmatz hier in Yucatán an der Riviera Maya. Er tut nichts, wir tun nichts. So ist das Leben gerade nach unserer großartigen, in Phasen durchaus anstrengenden Reise.
Weder haben wir Lust auf Ausflüge nach Tulum oder Chichén Itzá oder sonstwohin, noch sind wir gelangweilt. Nach einem kompletten Regentag – und es hat richtig, richtig geregnet – zeigt sich ab und zu die Sonne wieder, brennt sich durch die Wolken. Ein kurzer Sprung in den großen Pool, dann schnell wieder Rückzug auf unsere Terrasse mit der Badewanne vor der Nase.
Ganz in der Nähe tobt das Leben in Playa del Carmen, bilden sich Schlangen vor den Fähren nach Cozumel oder dösen Autofahrer im ständigen Stau auf der Hauptstraße. Machmal nölen sicherlich auch Touristen, die sich die Karibik ganz anders vorgestellt haben. Heisser, blauer, ohne Algenteppiche an den Stränden. Davon sehen und hören wir nichts. Das haben wir uns alles mal angesehen, das reicht dann auch.
Jeden zweiten, dritten Tag bequemen wir uns mal, springen in unseren kleinen Nissan und fahren in den nahen Supermarkt, der sieben Tage die Woche rund um die Uhr geöffnet ist. In diesem riesigen Laden gibt es alles, was man sucht, sogar die beiden einfachen Weingläser, die in unserem luxuriösen Apartment in der gated community fehlten. Juan hat einen ebenso guten wie bezahlbaren Roten aus Chile entdeckt, den gönnen wir uns zum Abendessen.
Restaurants? Gerade keine Lust. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: Die mexikanische Küche ist und wird nicht unser Favorit. Also schnibbeln wir Tomaten und anderes für den Salat, werfen ein Stück Fleisch in die Pfanne und ärgern uns, weil die Pfanne so albern leicht ist, dass das Fleisch nicht plan liegt. Doof. Aber problematisch? Mitnichten.
Morgens dösen wir, warten, bis der Poolboy kommt und ein paar Blätter aus dem Poolchen fischt, dann frühstücken wir. Frisches Obst – Papaya, Mango, Banane – unter griechischem Joghurt und einem Löffel Granola. Unspektakulär, großartig. Dann eventuell in den großen Pool oder einfach hier herumlümmeln. Auch unspektakulär, auch großartig.
Heute habe ich mit British Airways telefoniert, weil wir befürchten, unseren Anschlussflug am 26. nach Hamburg nicht zu bekommen. Wir landen in Gatwick, müssen nach Heathrow, haben genau drei Stunden Zeit. Der Typ aus dem Callcenter war sehr zuversichtlich, wir sind es nicht. Mal sehen, wie das alles funktioniert.
Oh, da ist er wieder: der Schreivogel. Sehr hübsch. Und da krabbelt auch ein Käferchen gemächlich in Richtung auf meinen Fuss. Den werde ich mal im Auge behalten.