Lima. Miraflores.

Morgens um fünf liegt eine dicke Nebelschicht über dem Meer und den Häusern am Ufer. Nur ganz, ganz langsam zeichnen sich wieder Konturen ab. Eigentlich sollte ich ja noch schlafen, aber das faszinierende Schauspiel lässt mich nicht.

Gegen acht sind wir beide munter und bereit für neue Erkundungen. Das Nachbarviertel soll es sein. Leider geht man da nicht zweimal um die Ecke und ist mittendrin – Lima ist richtig gross, und wir brauchen einen Plan für Expeditionen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln haben wir uns noch nicht in dieser Stadt befasst. Hat sicherlich damit zu tun, dass die Fahrten mit Uber extrem günstig sind.

Heute also Miraflores. Wir beginnen den Tag mit einer Uber‑Fahrt zum Kennedy‑Park, einem jener Orte, an denen sich die Stadt in Miniatur zeigt. Nicht nur die Architektur rund um den Platz gefällt uns, sondern auch die Vielzahl der Katzen, die hier leben. Zwischen Blumenbeeten stehen kleine Häuschen, an einem winzigen Kiosk wird Futter verkauft, und die Tiere bewegen sich mit der selbstverständlichen Eleganz von Wesen, die wissen, dass sie hier geduldet, fast verehrt werden.

Was in diesem sehr modernen Stadtteil sofort auffällt: Es gibt viele Touristen. Wir hören britisches und amerikanisches Englisch, etwas Chinesisch, und erstaunlich oft brasilianisches Portugiesisch. Miraflores ist ein globales Drehkreuz mit nahezu allen internationalen Hotelketten und klingt auch so.

Vom Platz aus ist es ein gutes Stück bis zum Meer, aber wir schlendern bei 28 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit vorbei an Hochhäusern, eleganten Hotels und vielversprechenden Restaurants einfach Richtung Westen.

Der Ozean zeigt sich heute wieder ganz anders: dicke Nebelschwaden lassen den Horizont verschwinden, ziehen sogar über die oberen Stockwerke der Apartmenthäuser direkt über der Steilküste. Unter uns schiebt sich das Band der Küstenautobahn an den Felsen entlang, im Wasser warten Surfer geduldig auf die nächste brauchbare Welle. Auch von hier oben sieht man gut, dass die Strandqualität von Lima eher… funktional ist.

Aber wir sind ja nicht zum Baden hier, sondern zum Gucken. Direkt an der Küste wurde ein Shopping‑Center gebaut, und mir fällt fast die Sonnenbrille aus der Hand, als mir jemand mit einer H&M‑Tüte entgegenkommt. Das ist Miraflores in einem Bild: globalisiert bis zur Austauschbarkeit, und doch irgendwie faszinierend, weil es so unangestrengt dazugehört.

Wir laufen weiter über die Uferpromenade bis zum Parque del Amor. Rund um die berühmte Kuss‑Skulptur wird jede erdenkliche Sprache gesprochen. Wir ruhen kurz aus, aber eigentlich ist es zu schwül, um wirklich zur Ruhe zu kommen. Außerdem haben wir ja einen Plan: Huaca Pucllana.

Die Geschichte Limas beginnt nicht, wie viele glauben, mit Francisco Pizarro im Jahr 1535. Huaca Pucllana in Miraflores ist der Beweis dafür. Die Pyramide, rund 1500 Jahre alt, steht mitten im modernen Stadtviertel und erzählt von den Kulturen, die lange vor den Spaniern den schmalen Wüstenstreifen zwischen Pazifik und Anden in eine bewohnbare Oase verwandelten.

Mehr können wir dazu leider nicht berichten. Ein Uber hatte uns zwar bis zum Eingang gebracht, aber dienstags ist das Museum geschlossen. Unser Uber ist natürlich längst weg, also bestellen wir den nächsten.

Der bringt uns ins Restaurant Punto Azul. Vor dem für seine Ceviche hochgelobten Tempel der Meeresfrüchte hat sich zur späten Mittagszeit eine Schlange gebildet. Wir warten fast eine Stunde auf einen Platz. Drinnen ist es laut, alle reden durcheinander, irgendwo läuft Musik, und trotzdem wirkt alles erstaunlich stimmig. Das Essen hält, was versprochen wurde: Juans Ceviche mag sogar ich, und meine Langostinos auf einem kalten, mit Limettensaft gewürzten Kartoffelpüree, getoppt mit ein paar Scheiben Avocado, sind wunderbar.

Unser Fehler: Wir dachten, die Vorspeise wäre kleiner. Juans Garnelen a la parmigiana und mein Reis mit Langostinos – köstlich, aber viel zu viel.

Also beschließen wir, die knapp zwei Kilometer nach Barranco zu laufen. Wieder mal eine anstrengende Angelegenheit. An der letzten Kreuzung trennen sich unsere Wege: Juan holt die Wäsche aus der Lavandería, ich ein paar Dinge aus dem Supermarkt. Treffpunkt: zuhause. Pläne: keine mehr für heute. Langsam merken wir, dass wir einen Kurzurlaub vom Reisen gut gebrauchen könnte .

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