Shades of Grey

Der Himmel hat heute wesentlich mehr zu tun als wir. Kämpfte sich früh morgens noch die Sonne durch, zieht er anschliessend zu. Und zeigt uns sämtliche Schattierungen von Grau.

Dabei haben wir ihm zunächst mit Rühreiern und Toast vom Balkon voller Zutrauen zugesehen, anschliessend bei einem Spaziergang am Strand, der nach einigen Kilometern vom Fluss Ter gestoppt wird. Umdrehen, durch den schweren Sand zurück. Das ist so anstrengend, dass wir uns erst einmal ausruhen. Und so geht der Tag auch weiter. Aufs Meer gucken, Quizduell spielen, meinem Bruder für die OP morgen die Daumen drücken, lesen, wieder ausruhen.

Wahrscheinlich als einer der letzten deutschsprachigen Menschen überhaupt lese ich 15 Jahre nach allen anderen Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“; dazu haben mich die Pilger in La Rioja inspiriert. Ist nicht so, dass ich nun sofort auf den Jakobsweg müsste, aber ich verstehe, dass Tausende es Hape gleichgetan haben. Möglicherweise ist ihnen bei all dem Humor die Anstrengung, die er natürlich auch schildert, entgangen.

Irgendwann gibt’s eine Bemme – Vollkornbrot von Lidl, bzw. Toast vom Rost -, danach noch einen Spaziergang am Meer entlang in die andere Richtung. Nach Norden. Kaum am Strand, flieht ein nackter Mann im Laufschritt. ? Ein zweiter lässt sich im Sand nieder, wirft alle Plünnen von sich und wirft sich für maximal drei Sekunden splitterfasernackt in die Fluten. Offenbar laufen wir gerade über einen Mini-Nudisten-Strandabschnitt. So, so. Rührend. Das Wasser des Mittelmeers ist auch mit Badebüx fix frisch. Ohne Sonne ist sogar der Pool zu kalt. 

Also verziehen wir uns zurück auf die Terrasse und gucken dem Himmel zu, wie er sich umzieht. Nun packt er sich in Hellblau mit leichten Rosénuancen. Kleine Fischerboote dümpelt am Horizont, die Schwalben veranstalten mit den Möven eine Rallye. Sehr schön und passend zu dem Weisswein, den wir als Apéritif trinken.

Gleich gehe ich in die Küche und überlege, was ich mit den Hühnerbeinen, aber ohne Backofen mache. Zwischendurch informiert die New York Times per Eilmeldung, dass Angelina Jolie die Scheidung von Brat-Pit eingereicht hat. Kiffen soll er, und ab und zu auch mal einen trinken. Das könne sie nun ihren sechs Kindern nicht mehr zumuten. Ich kuschle mich gemütlich in mein Jäckchen und freue mich schon auf all die Spekulationen zu diesem Thema, die eigentlich nur von der Meldung getoppt werden könnten, dass Pitt wieder zu Jennifer Aniston zurückkehrt. Dann werde ich einfach ohnmächtig. Einfach so: Peng…

 

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