Hongkong zum Eintauchen


Eine der Konstanten Hongkongs ist die historische Strassenbahn, mit der wir heute x-mal irgendwo hin- und irgend hergefahren sind. Pro Trip zahlen wir als Rentiere mit unserer grünen Octopus card 15 Cents, da kann man schon mal spontan stoppen. Aber zunächst müssen wir mal sehen, dass wir die gekaufte Telefon-sim card aktivieren. Der Bengel im 7Eleven von gestern ist wahrscheinlich in der Schule, die Dame an der Kasse spricht kein englisch, und auch die Oma, die hinzugezogen wird, weiss nix. Also zum  nächsten  7Eleven. Die können zwar die Karte nicht aktivieren, sagen uns aber, wo die nächste China mobile-Bude ist. Kein Problem mit der Strassenbahn.

 

Doch. Wenn man wieder mal vergessen hat, dass Hongkong Linksverkehr hat. Wir stehen an der falschen Haltestelle, aber der Junge aus dem 7Eleven kommt schon angerannt, um uns den Weg zu weisen. Entzückend! 

 

In Kennedy City finden wir den Laden und eine Dame, die die Karte mit mehreren Anfangsschwierigkeiten zum Laufen bringt. Danach erholen wir uns kurz in einer winzigen … ja Bar. Zwei Kaffee (wieder vergessen zu sagen, dass er schwarz sein soll; standardmässig gibt es hier Milchkaffee), ein Sandwich ham and cheese und den irrsten mir bekannten Frenchtoast. Zwei fritierte Scheiben, dazwischen ein Ei geklemmt, das flüssig bleibt, obendrauf einen Schlag Butter. Juan findet es gar nicht mal so schlecht.

 

Genau entgegengesetzt von Kennedy und nach einer halben Stunde Fahrt mit der Strassenbahn – das Publikum ist einfach grossartig, Langnasen, also Weisse, haben wir nicht gesehen – steigen wir an der Jubilee Street aus und laufen Richtung mid escalator, der längsten Rolltreppe der Welt.

Benjamin Eysser von der ARD Peking schreibt:  Frühmorgens rollt sie gemächlich bergab, Hongkongs bekannteste Rolltreppe – von den Wohnvierteln auf dem Berg in den Mid-Levels zum Bezirk Central mitten ins geschäftige Zentrum der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Daher auch der offizielle Name „Central-Mid-Levels-Escalator“.

Ältere Leute und Haushaltshilfen auf dem Weg zu den Märkten, schick gekleidete Geschäftsleute unterwegs ins Büro: Hongkongs ungewöhnlichstes Verkehrsmittel wird von allen Gesellschaftsschichten genutzt und geschätzt.

Genau genommen handelt es sich nicht um eine einzige Rolltreppe, sondern um ein System verschiedener Rolltreppen und Laufbänder. Diese sind miteinander verbunden, damit man zwischendurch zu- oder absteigen kann. Häufig verlaufen sie über den Straßen, ein Niveau erhöht.

Mit über 800 Metern Länge handelt es sich um das längste überdachte Rolltreppensystem der Welt. Insgesamt können damit 135 Höhenmeter bewältigt werden – kostenlos. 

Auf dem Weg dahin fällt uns der Central Market auf, der ist inzwischen aber eine reine Fressbude, also ein Foodcourt.

 

Die Rolltreppe bringt uns in Etappen aufwärts. Wir gucken von aussen eine Moschee an, stoppen danach beim alten Gefängnis. Da stolpere ich mal kurz und lege mich lang hin. Nichts passiert, kurzes Aua und weiter.
Da oben hat sich viel getan. Rund um den Knast sind feine Cafés und Bars entstanden, aus klapprigen Häusern wurden feine Lofts. Ursprüngliches finden wir eher noch einige Meter höher, aber auch da gibt es schon Baukräne. Die guten, alten Antiquitätengeschäfte in der Hollywood Road sind italienischen Restaurants gewichen, aber eine Ecke weiter stehen wir in einer Gasse, in der sich offenbar nur Chinesen ernähren. Und wir natürlich wieder. Es gibt es bisschen Huhn, ein bisschen Schwein und tausend grossartige Gesichter um uns herum.

 

Weil wir schon wieder einige Kilometer gelaufen sind, entschliessen wir uns für die wohl günstigste Sightseeing Tour von Hongkong und springen wieder in unsere Strassenbahn. Diesmal geht es zur Endstation ins Happy Valley, für viele Pferdewetter das Tal der Tränen, vor allem aber eine gute Wohngegend. Vom oberen Deck der zweistöckigen Strassenbahn haben wir einen guten Überblick auf Rennbahn und Sportstätten, ziehen vorbei am berühmten Jockey Club, machen mit dem Fahrer eine Pause und trödeln wieder Richtung downtown.

 

Auf dem Hinweg hatten wir von unserem Ausguck schon Märkte in den Seitenstrassen gesehen. Also aussteigen, angucken, begeistert sein. Zufällig stolpern wir auch über den Wanchai Markt – Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, nur für private Haushalte und überhaupt kein Schickimicki. Das gefällt uns richtig gut.

Wieder schlendern wir Meile um Meile durch die engen Strassen und freuen uns einfach, dass wir in Hongkong sind. Einen Moment legen wir im Hotel die Füsse hoch und kochen uns einen Tee – der lange Tag ist ja noch nicht zuende.

 

Eine super Nachricht erreicht uns per Mail aus China: Die Zugtickets von Kunming nach Vientiane sind da. damit haben wir erst einmal alles zusammen. Ist ja doch immer eine Zitterpartie, ob das alles so klappt.

 

Damit können wir beruhigt noch mal vor die Tür. Zwar klappt‘s nicht mit dem Bus zur Star Ferry, also winken wir ein Taxis heran. Bisher haben wir noch keinen einzigen Fahrer getroffen, der ein Bröckchen Englisch spricht, aber Ferry Kowloon in unterschiedlichen Betonungen bringt Erfolg.

 

Die Kurze Fahrstrecke ist in der Dunkelheit wie immer ein Erlebnis. Lichtermeer in Central, Lichtermeer in Kowloon, sanft schaukelndes Boot und viele schnatternde Teenies.

 

Gegen halb acht stehen wir auf der Promenade unterhalb des Península Hotels und warten mit Tausenden auf den Beginn der berühmten 20-Uhr-Lightshow. Unter Musikbegleitung werden die beidseitigen Skylines in farbenfrohe Lichter getaucht. Apostrophiert als größte Show dieser Art weltweit. Wir haben Zweifel. Shanghai schien uns aufwendiger. Aber gewaltig ist Hongkong natürlich auch.

 

Schon vor Ende des Spektakels und bevor sich die Massen auf die Straße ergießen sitzen wir im Bus Nathan Street nordwärts. Ziel ist der Nachtmarkt auf der Temple Street. Eine Hälfte Kitsch und Klamotten, die andere Fressalien aus winzigen Ständen. Da uns die Füße brennen, suchen wir lieber ein Restaurant.

 

Statt uns einfach in den nächsten Laden zu setzen, machen wir auf wählerisch. Mit dem Ergebnis, dass wir ohne Ergebnis, aber fix und fertig zu Fuß zurück zur Star Ferry latschen und beschließen, Richtung Hotel zu fahren.

 

Ganz in der Nähe des Best Western haben wir auf Google maps ein Restaurant in einem Hinterhof entdeckt, das erstens jetzt um zehn noch offen ist, zweitens nicht einmal einen englischen Namen hat. Das wird es! Ein Halbwüchsiger findet irgendwo eine Karte mit englischen Übersetzungen. Juan bestellt gekochtes Huhn, das sehr gut schmeckt. Das mitgekochte Köpfchen lassen wir links liegen. Ich wage mich an süß-saure Spareribs mit Hot Sauce – eine köstliche Sauerei. Dazu gibt’s ein Bier für Zwei und Tee.

 

Was für ein Tag! Einfach toll und so anstrengend, dass wir zu überdreht sind, um sofort einzuschlafen.

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