St. Tropez – die Welt geht unter…

Bormes-les-mimosas – bei diesem Ort dreht der Korrektor völlig durch. Wir haben auch noch nie davon gehört. Aber genau dort sind wir, sitzen auf einem Berg und gucken von einem Balkon Richtung Mittelmeer, das so weit entfernt ist, dass man nichts mehr hört.
Wie hat es uns bloß hierher verschlagen?
Der Tag beginnt mit einem Frühstück – zugegeben: wir können es nicht mehr sehen – im Hotel Marcellin in Beaulieu. Und dann ist es Zeit, den schönen Ort (= Beau lieu) zu verlassen. Wir wissen ja, dass die Küstenstrasse in Nizza wegen des Ironman gesperrt ist, aber wir stürzen uns trotzdem in die Umleitungen und sind kurz hinter der Stadt wieder auf der Küstenstrasse Richtung Cannes. Von da an geht es im wahrsten Sinne des Wortes rund: Wir kurven durch Antibes, touchieren das Eden Roc mit seinem großartigen Ausblick über die Bucht von Cannes und cruisen über die Croisette in Cannes, freuen uns über die immer noch so schöne Fassade des Hotels Carlton, sind ein paar Kilometer weiter entsetzt über die eine oder andere bauliche Sünde, die Investoren sicherlich viel Geld eingebracht hat, die man aber eigentlich sprengen sollte.
Irgendwo machen wir eine Pause, wollen eigentlich eine Kleinigkeit essen, aber alles Restaurants bestehen auf Menüs. Da fällt uns eine Art mangia e bevi à la française ins Auge: es gibt zwei Scheibchen Paté, eine à la provençal, die andere ein Mousse au Canard, dazu einen Weißwein und zwei strahlende Gesichter. Unsere.
Etwas später sind wir wieder mal in St. Tropez.
Klar, die dicksten Yachten liegen direkt an der Promenade. Damen mit geschnitzten Gesichtern und zu großen Köpfen zum abgehungerten Körperlein, aber in edlem Ibiza-Look, huschen durch die Boutiquen: hier ein Blüschen bei Armani, da ein Kleidchen von Dior, dazu ein Täschchen von Louis Vuitton, ein kleines Glitzerchen von Van Cleef & Arpels oder Cartier – man lebt nur einmal. Die Strafe folgt auf dem Fusse: Von Westen her ziehen pechschwarze Wolken auf und wir sitzen gerade mal im Auto, als es beginnt, aus allen Eimern zu schütten. Die Welt geht unter ! Unwetter, ein anderes Wort fällt einem dazu nicht ein. Selbstverständlich ist die Kanalisation von St. Tropez damit überfordert und es gibt sofort Überschwemmungen, aber wir hauen trotzdem ab.
Das fällt uns leicht: St. Tropez ist zwar lange nicht so gruselig wie Monaco, aber sie arbeiten dran…
Etwas schwieriger als der Abschied aus der putzigen Scheinwelt gestaltet sich die Hotelsuche. Vieles ist unsäglich teuer, anderes unsäglich verrottet.
Die Sonne scheint schon wieder, als wir durch Gossin und Ramatuelle fahren, Kurs immer auf Le Lavandou, weil wir hoffen, dort ein Hotel avec vue zu finden. Aber irgendwann haben wir die Faxen dicke, landen in einem Krähennest, das sich grosskotzig Domaine de Mirage nennt. Hier tut man zwar auf fein, aber das klappt nicht so prima. Das Restaurant ist noch geschlossen, die Bar ebenso. Der Lady an der Rezeption ist der Aufwand zu groß, unsere Personalien aufzunehmen: steht doch alles bei booking, das wird schon reichen. Mais oui…
Wir toben hungrig und eine Spur genervt wieder downtown und finden einen Sizilianer, dessen Familie sich hier vor 60 Jahren niedergelassen hat. Der Kellner ist Kind eines spanischen Paares; wir stellen wieder einmal fest, wie multikulti wir doch alle sind. Nach ein paar Nudeln, einer Pizza und einem guten Wein kraxeln wir wieder zurück auf den Berg. Morgen soll es alles ruhiger werden, morgen fahren wir in die Provence. Wahrscheinlich…

Kommentare (3)

  1. Jutta starke

    euch zu folgen macht ganz schön atemlos…wir schalten dagegen ganz langsam in den reisemodus, verabschieden uns
    vom faulen leben in griechenland und „fähren“ bald gemütlich richtung venedig. Genießt die schönen provence-dörfchen, die wunderschönen märkte und überhaupt…eine gute zeit euch beiden. Besitos von uns

    Antworten
    1. admin (Beitrag Autor)

      Inzwischen hat die Atemlosigkeit uns auch erreicht. Wir bleiben jetzt erst einmal ein paar Tage in der Provence. In und an einem Ort!!!! kommt gut und gemütlich wieder nach Hause; wir hören voneinander. Dicke umärmelung

      Antworten
  2. Jutta starke

    Ja,ja,ja…atem holen, schreiben,lesen, essen,lavendel schnuppern und im mohn baden….ruht euch aus und fühlt euch gut. Beso

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert