„Sie sind nicht aus Merseburg!“

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Vor uns liegt ein Reisetag. Nach intensivem Studium der Wetterkarten haben wir uns gegen Italien und Kroatien entschieden, auch Österreich und Tschechien sind aus der Kurve geflogen. Wir fahren nach Nordosten, grobe Richtung Ostsee.

 

Das soll natürlich möglichst gemütlich vonstatten gehen: Kulmbach, Saalfeld. Wir waren doch noch nie in Jena?! Die Universitätsstadt lässt unseren Pulsschlag im unteren Bereich. Nicht einmal Schillers Gartenhaus bringt das Blut in Wallung. Wir gucken zwar hier und dort, entscheiden uns dann allerdings sehr schnell, wieder abzuhauen. Naumburg ist unser nächstes Ziel. Wieder geht es über kleinste Strassen dorthin. So sind wir heute schon durch Bayern, inkl. Oberfranken und der Oberpfalz, Thüringen und nun Sachsen-Anhalt geschlichen. Lustigerweise sehen wir kurz vor Naumburg an der Saale die ersten Weinberge. Unsere Strecke durch Franken führte nur durch immense Wälder und riesige Maisfelder.

 

Je weiter wir nach Norden kommen, desto besser wird das Wetter. Das kann man allerdings von der Landschaft nicht unbedingt sagen. Rund um Leuna ist es schon ziemlich gruselig. Statt direkt nach Halle zu gehen, haben wir uns in ein Best Western in Merseburg  eingecheckt. Die Bude läuft unter 4 Sterne – wie auch immer das zustande gekommen sein mag. Will man für den Pool einen Bademantel, muss man 5 Euro „Reinigungsgebühr“ bezahlen. Die kleine Flasche Wasser im Zimmer kostet vier Euro, das Restaurant Azado mit viel Fleisch aus Argentinien ist so teuer wie in Hamburg ein vergleichbares Restaurant. Vier Sterne Merseburg. Naja…

 

Also los Richtung Innenstadt, natürlich zu Fuss. Irgendwie ziemlich deprimierend… Unser Ziel ist das „Dynasty“, ein Chinese am Stadtsee, den wir natürlch aus dem Internet haben. Das war genau die richtige Entscheidung. Es gibt ein umfangreiches Büffet mit vielen knackfrischen  Salaten, Ente, Huhn, Schwein, unterschiedlichsten Röllchen, Fisch, Gemüse… All you can eat zu 9,90 Euro. Überzeugend war aber keineswegs nur der Preis, sondern vor allem die Qualität. Wir werfen zudem einen tiefen Blick ins Lokalkolorit: Ohne Tätowierungen sind wir hier schon mal ganz weit aussen vor. 

 

Nach dem Essen reden wir noch ein bisschen mit der Kellnerin. Wie vermutet, ist sie keineswegs Chinesin, sondern Vietnamesin. Wie wir liebt sie Hanoi, im nächsten Monat fliegt sie nach Vietnam: 25-Jahre-Treffen mit ehemaligen Schulkameraden. Und dann will sie es auch noch von uns genauer wissen: „Sie sind doch nicht aus Merseburg? Ich kenne alle meine Kunden.“ So nett sie ist – wir sind morgen wieder weg. Und zwar zügig!

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