Oh, Savannah!

Morgens um zehn habe ich Kopfschmerzen und den Eindruck, dass diese an einer besonderen Reizüberflutung liegen. Wir sind sehr früh aufgestanden und haben uns von Brunswick auf den ungefähr 20 km langen Weg nach St. Simon Island, eine weitere der Golden Isles nach Jeckyll, gemacht. Durch Marschlande, über riesige Brücken und durch dichte Wälder landen wir schließlich in der Nähe des Leuchtturms. Ein gepflegter kleiner Ort mit dem Charme der Atlantikküste. Wir sind begeistert! So ein bisschen Cape Cod in warm, eher Klasse als Masse, weniger Tattoos und weniger richtig dicke Menschen als anderswo. Eine entzückende Dame lädt uns zu einem Chorkonzert ihrer Kirche ein, das in einem Park am Meer stattfinden soll, aber wir wollen lieber ein bisschen bummeln. Der Leuchtturm ist schön, traumhafte Häuser und Mansions säumen die Straßen. Es ist einfach alles bezaubernd! Trotz der Ebbe, die gerade herrscht.

 

Dennoch beschliessen wir nach kurzer Überlegung, weiter nach Norden zu fahren. 80 km Interstate 95, dann die I 16 nach Osten, die letzten Kilometer auf einem Highway bis ans Meer. Auf Tybee Island nahe Savannah warten ursprüngliche Strände, aber auch am Sonntag viel Ausflugsverkehr auf uns. Sehr schön alles, natürlich auch hier wieder die riesigen Eichen mit Irischem Moos. Wir können uns gar nicht sattsehen. Am Strand gibt es dazu eine Festung aus dem späten 19. Jahrhundert, sehr malerisch… Aber nichts hält uns hier wirklich. St. Simon, vor allem Jekyll haben uns noch viel besser gefallen, also ab nach Savannah. Das sind auch nur 20, 30 Kilometer.

 

Online checken wir Hotels im historischen Distrikt: Es wird das Quality Inn Heart of Savannah. Es liegt perfekt direkt über dem Savannah River und am nördlichen Ende des historischen Viertels. Das Zimmer ist groß – alles in Ordnung. Wir schlingen ein hausgemachtes Sandwich zu eiskaltem Wein und sind auch schon bei Gluthitze auf der Straße.

 

Ach, ist das schön hier! Filmreif und seltsam vertraut, vielleicht, weil hier die meisten Szenen des Films Forrest Gump gedreht wurden. Naja – live und hautnah ist es hier noch viel besser! Interessanterweise haben die Planer in ihren schachbrettartig gestalteten Straßenzüge Korridore aus kleinen, beschatteten Plätzen vorgesehen. Gesäumt von nunmehr historischen Häusern, Kirchen, Kneipen, Bars und Boutiquen macht uns das leichter, diese entzückende Stadt trotz der hohen Temperaturen zu erforschen. Der Schweiß läuft uns in Strömen aus allen Poren, aber:“Lass uns doch noch mal eben die Kahedrale gucken.“ Oder die Musiker auf der Market Street. Oder die Herrenhäuser eine Ecke weiter. Jeden Luftzug nehmen wir dankbar an, schlendern aber fröhlich durch die hinreißenden Strassen. Stundenlang sind wir mal wieder unterwegs.

Im Grunde ist das Zentrum, das etwas über dem Fluss liegt, klein und überschaubar. Vielleicht so wie Greenwich Village in New York. Gelesen hatten wir von der Promenade am Fluss, die über Treppen zu erreichen sei. Und dass man sich überlegen sollte, dort zu essen, wenn man im historischen Viertel wohne, man müsse schließlich den ganzen Weg wieder zurück. Wir dachten an etwas Ernstzunehmendes wie Lissabon, fanden aber etwas ganz anderes vor: eine Treppe mit vielleicht 20 Stufen… Die schafft man in jedem Zustand! Auf jeden Fall haben wir uns den Hafen und die Promenade mit den Schaufelraddampfern und Boutiquen in den alten Baumwollspeichern angesehen, bevor wir zurück in die Market Street gelaufen sind. Ein lokales, süffiges Bier in einem schicken, klimatisierten Restaurant – wunderbar!

Es ist fast sechs und um uns herum bestellen bereits alle das Dinner. Das stehen wir wirklich nicht durch, machen also ein Päuschen im Hotel und werden uns etwas später auf die Suche nach einem Restaurant machen. Das Elizabeth in 37th, das die Mittelsteiners seit ihrer Reise vor über 25 Jahren nicht vergessen haben, ist keine Option: Es gibt dort heutzutage keine Karte mehr, sondern ausschließlich ein 8-Gänge-Menü für 90 Dollar pro Person. Ohne Getränke, versteht sich. Unter 400 kämen wir also kaum raus – ist uns zu teuer, wir verzichten. Und gucken mal, was es sonst Schönes gibt in dieser tollen, tollen Stadt.

Auch das Savannah Sushi ist nix für uns. Erstens, weil wir sowieso kein Sushi mögen, zweitens, weil in diesem special Grits statt Reis verwendet wird. Das will ich mir gar nicht vorstellen 🙂

 

Wir schwanken zwischen Burger und Pizza, der Burger gewinnt, weil wir keine Lust haben, 25 Minuten auf den Pizzatisch zu warten. Tatsächlich sind wir platt: Müde, bisschen hungrig, durstig. Der Burgerladen ist großartig! Local beers, mindestens 10 verschiedene Burger, dazu eine Karte zum Selbst-Zusammenbasteln. Angus, Bison, Elk, Alligator oder vegetarisch? Alles möglich, dazu alle nur denkbaren Zutaten und Zubereitungsarten. Wir stellen uns vor, dass liebste Freunde darum bitten würden, die laute Musik abzustellen – keine Chance.

Musik liegt überall in der Luft und auf den Strassen, da werden wir sicher etwas. Ray sings, Basie swings:

Georgia, Georgia
The whole day through
Just an old sweet song
Keeps Georgia on my mind

 

Nun beugen wir uns noch mal über Karten, um eine grobe Planung für morgen zu machen. Vielleicht machen wir das auch erst morgen früh…

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert