Nach Osten

Es ist mausgrau in Wackerballig an diesem Morgen. Die Hütte des Hafenkapitäns am Ende des Stegs ist kaum zu erkennen, so schwer hängen die Wolken über der Geltinger Bucht. Käffchen gegen acht, ordentliche Dusche vis-à-vis im Sanitärhaus.

Schön wären jetzt Brötchen zum Frühstück. Ich frage eine Frau mit Dackel, und sie weiss Rat: „Da drüben im Yachthafen auf der anderen Seite der Bucht gibt es Brötchen. Aber nur im Sommer.“ „?“ Die Alternative: „Am besten gehst du zum Lidl. Ich kenne eine Abkürzung.“ Querfeldein durchs Feld soll ich laufen, dann komme ich direkt vorm Discounter an. Wie weit? „Bummelige sechs Kilometer. Aber hin und zurück.“ Schwarzbrot ist auch etwas Schönes…

Aber ich habe noch Plan B, während Juan schon Spiegeleier und Kaffee vorbereitet: Der Kiosk des Campingplatzes nebenan. Im einzigen Raum ist der Tisch für zehn Personen gedeckt. Heringssalat in rot und weiss und in grossen Mengen, Schlimme-Augen-Wurst (grobe Blutwurst), Käse, der sich auch im Warmen nicht krümmt. Und mittendrin: ein Korb mit Brötchen. Der Frau, die den Kiosk betreibt, ist offenbar Schreckliches widerfahren, schief und beulig, wie ihr Gesicht ist. Ich lege trotzdem meinen gesamten Charme in die Waagschale: „Haben Sie vielleicht ein paar Brötchen für uns?“ „Nö.“ Alles für die Geburtstagsgesellschaft. Ich mache Komplimente, lobe das Arrangement und leiere ihr tatsächlich zwei Schrippen (für 80 Cent) aus dem Kreuz. 

Auf dem Rückweg bremst mich eine Dame in Beige mit Spitz aus. „Haben Sie Brötchen?“ fragt sie mich streng. Ich stottere ein bisschen rum. „Der Mann, der die verkauft hat, ist doch tot. Letztes Jahr schon.“ Da lass ich mich auf keine Diskussion ein und verschwinde Richtung Wohnmobil.

Nach dem Frühstück und nachdem wir dem Hafenmeister den Badschlüssel zurückgegeben haben, machen wir eine Art Plan: Richtung Plön.

Wir zuckeln los, das Wetter bleibt mies. Neun Grad, ein paar Regentropfen. Das Plöner Schloss sehen wir nur durch einen Schleier. Hier ist Juans Grossvater mit dem Kronprinzen, also dem Sohn des letzten Kaisers, zur Schule gegangen. Jawoll. Mit dem Lidschlag der Erinnerung ziehen wir weiter.

Timmendorfer Strand. Doof. Travemünde. Doof. Bevor wir verloren gehen, setzen wir mit der Priwallfähre für 6,50 Euro (gaga!) in drei Minuteb über die Trave und fahren Richtung Boltenhagen. Unser Ziel dort in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Stellplatz direkt am Golfplatz. Und ja: Wir haben den ganzen Krempel dabei. Vielleicht ist das Wetter morgen besser und wir können eine Runde spielen.

Die Trine im Café hat die totale Leere im Blick. Golf kostet 11 Euro pro Person (extrem günstig!), wegen des Stellplatzes hier am Rande von Nirgendwo muss sie telefonieren. Nein, muss sie nicht, denn zufällig (weil wir uns nach Tee 1 erkundigen und die Leblosigkeit im Auge damit noch vertiefen) erfragen wir eine richtige Antwort: der Golfplatz ist gar kein richtiger Platz. Man bekommt eine Art Schläger in die Hand und ballert drauflos. Swingolf eben. Nie gehört und hoffentlich auch so bald nicht wieder.

Wir zittern über einen holprigen Weg wieder ab und landen auf einem Wohnmobil-Platz in Boltenhagen. 20 Euro mit Strom. Gegenüber eine Kneipe mit sky, in der wir kurz das tragische Spiel Hoffenheim – HSV gucken. Nicht so schön…

Nebenan gibt es eine weitere Kneipe, in der für den Abend Party angesagt ist. Wir hören schon die Bässe wummern. Das kann ja was werden!

In der rollenden Heimat gibt es auf den Schrecken einen Apéritif, später wohl ein Schnitzel im „Landhaus“, ein dem Campingplatz zugehöriges Etablissement. Wir hoffen auf gutes Wetter morgen. Mal sehen, wohin es uns dann treibt…

 

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