Elsass, Spargel inkl.

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Hunsrückhöhenstraße. Das Wort muss man sich mehrfach auf der argentinischen Zunge zergehen lassen. Wir üben tapfer, während wir diese pintoreske Strasse auf 400 Höhenmetern überqueren, um in die Pfalz zu kommen. Wenn man den Harz in letzter Zeit besucht hat, weiss man den gesunden Baumbestand dieser Gegend zu schätzen. Manchmal kommen wir uns vor wie im Miniatur Wunderland: Winzige, hutzelige Häuser an den Strassen, es wird auch im Saarland nicht besser. Nur, dass ab und zu ein paar puschelige Alpakas auftauchen, die hier offenbar als Haustiere gehalten werden. Kann man mögen.

 

Eigentlich hatten wir vor, die rund 250 Kilometer nach Strassburg recht zügig hinter uns zu bringen, aber dann haben wir uns wieder vertrödelt. Zum Glück war das Frühstück im Weinhaus in Koblenz richtig gut und üppig – auf unseren winzigen Landstrassen gab es keinen Bissen weit und breit.

 

Dann haben wir kurz vor der „Hauptstadt Europas“ noch eine schicke Autobahn gefunden, die Uschi, unser Navi, gar nicht kannte. Ziemlich blöd, denn gegen eine Maut von 5 Euro hat sie uns im grössten anzunehmenden Bogen nach Strassburg geführt. Dass wir dort kurz hinter der Kathedrale einen Parkplatz gefunden haben, hat die Laune nur minimal verbessert. Nach einem Bierchen Marke Grimbergen im schicken Glas direkt gegenüber dem monströsen Bauwerk hauen wir wieder ab. Keine Lust auf Strassburg.

 

Also kurven wir Stunde um Stunde durch Rheinauen und Industriegebiete auf der Suche nach einem Hotel, möglichst auch noch mit Restaurant im Haus. Das ist an einem Sonntag nicht eben leicht. Wobei: Da, wo wir sind, gibt es sowieso weder das eine noch das andere.

 

Schmallippig wälzen wir booking und google maps, verbrauchen Kraftstoff und Energie und murren. Irgendwo links in Itterswiller finden wir dann das feine Hôtel Kieffer, das ein Zimmer für uns hat, aber nichts zu beissen: Im Keller könnten wir uns zwar probierend sinnlos am hauseigenen Wein betrinken, aber das tun wir dann doch nicht. Genau gegenüber gibt es hingegen ein Restaurant, das schon mal mit hausgemachter foie gras wirbt. Das kann so falsch nicht sein.

 

Die Rucksäcke werden schnell im Zimmer abgeworfen, das rundherum betuchte Himmelbett nur aus den Augenwinkeln zur Kenntnis genommen: Wir haben Hunger!

 

Es ist nicht allzu viel los im Restaurant, aber eine spiddeldünne Serveuse jenseits des besten Alters quatscht uns in einen hauseigenen Gewurztraminer als Aperitif – deliziös, muss man anerkennen. Dazu passt nun mal nichts besser als die Stopfleber, die wir teilen. Juan bestellt anschließend Nierchen mit frischen Champignons in Sahnesauce, dazu hausgemachte Spätzle, ich entscheide mich für den Spargel mit drei Saucen und zwei Schinken. Dazu gibt es Wasser und Riesling – alles sehr gut. Die Beflissene bringt noch je eine Kugel Eis zum Dessert – wir sind satt und zufrieden und die Schmallippigkeit wird auch langsam via Schmoll zum wieder Normalzustand zurückentwickelt.

 

Möglich, dass wir ein paar Tage im Elsass bleiben. Vielleicht aber auch nicht.

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