Der Kreis schließt sich

Alexandria, die Stadt südlich von Washington D.C., ist wirklich niedlich. Direkt am Potomac gelegen, ist sie auch ein beliebtes Ausflugsziel. Das Schöne daran: Der Tourismus konzentriert sich auf ein kleines Stück Flussufer, die King Street mit Gratis-Trolley, Restaurants, Boutiquen und ein paar Querstraßen. Das ist uns schon gestern Abend aufgefallen, als wir kurz zum Essen in die Stadt gefahren waren. Im Restaurant war man kurz vor neun schon wieder hektisch: die Küche schließt… Wir bekommen zwar noch etwas, aber Glück sieht anders aus. Auch der anschließende kleine Rundgang war typisch: Man rüstet sich für die sofortige Heimkehr, es ist schließlich schon zehn 🙂

 

Heute Morgen, bei brütender Hitze, gucken wir uns den historischen Kern noch mal bei Tageslicht an, bevor es über den Fluss geht. Wir landen auch gleich in einem kleinen Stau: Präsident Obama ist von der Kranzniederlegung auf dem Friedhof von Arlington auf dem Weg nach Hause, ins Weiße Haus. Also wird die Straße hermetisch abgeriegelt, der Konvoi einschließlich Ambulanz rast vorbei, wir nach Öffnung der Brücke hinterher. Am Lincoln Memorial ist erwartungsgemäß schon viel los. Am frühen Nachmittag soll auf der Constitution Avenue vom Capitol hierher die große Memorial Day Parade stattfinden.

 

Die kümmert uns zunächst noch nicht, wir wollen erstmal ins Hotel, die Georgetown Suites Harbor auf der 29th/ Ecke K Street. Erwartungsgemäß kommen wir jetzt, um 12, noch nicht in unser Zimmer, aber wir können den blauen Frosch in der Tiefgarage lassen. Für 35 Dollar pro Tag. Auf dem Weg zum Bus Richtung Weißes Haus trinken wir ein Wässerchen und werden von Schippi angerufen: die beiden sind in Sorge, weil wir stundenlang offline sind. Nun ist alles wieder gut. Hinnis toben nordwärts in Kroatien, wir westwärts für 1 Dollar mit dem Circulator Bus Richtung Capitol. 

 

Es ist wirklich sehr, sehr warm, dennoch picknicken die Massen schon auf den Wiesen links und rechts der Constitution Avenue. Wir plumpsen mittendrin ebenfalls ins Gras. Überall Polizei, schwer bewaffnet, zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Bike, dem SUV oder Pkw, Hubschrauber in der Luft. Besonders gefallen hat uns ein Fahrradfahrer mit dem Schriftzug Secret Service auf der Brust. Geheimagenten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren… Nur unsere Harleys sehen wir nicht: Die hatten ihren großen Auftritt bereits gestern, am Sonntag.

Die Memorial Day Parade in Washington ist die größte in den USA. Aus jedem Bundesstaat ist eine Delegation vor Ort, uniformiert, mit Kapelle und cheerleading Girls. 50 Gruppen, dazu noch verschiedene Waffengattungen: Ein bisschen Karneval… Dazwischen immer wieder Plakate, die an die verschiedenen Kriegsschauplätze erinnern.

Wir gucken uns das zwei Stunden an und sind in der Chronologie immer noch bei den Sezessionskriegen… In der Washington Post hat sich ein Veteran Luft gemacht: Viel Show, viel Party, kaum jemand macht sich Gedanken über den Anlass, das Gedenken an gefallene Soldaten. Also genau wie bei uns Ostern oder Weihnachten- da weiß ja auch niemand mehr, was da eigentlich los war. „Irgendwas mit Truthahn…“ bleibt mir zu Ostern eine unschlagbare Vermutung, geäußert im Bildungsprogramm RTL. Hier wäre es wahrscheinlich „irgendwas mit Discount“…

Wir schlagen uns frühzeitig in die Büsche, schnappen ein Taxi und sind um vier endlich im Hotel. 74 Quadratmeter, zwei Zimmer jeweils mit Fernseher, Küche, Bad. Warum waren wir nicht gleich am Anfang unserer Reise hier? Kostet fast die Hälfte vom Normandy. Mit Frühstück!

Jetzt,  nach einem Monat im Süden und Südosten der USA und knapp 6500 Kilometern auf Highways, Interstates und Landstraßen, lassen wir uns einfach in die Sitzlandschaft fallen, schmieren aus letzten Beständen Sandwiches – und tun erst mal nichts. WUNDERBAR!

 

Einen Moment raffen wir uns noch auf, um bei Safeway auf der Wisconsin Ave einzukaufen. Die Preise sind abenteuerlich hoch, aber es gibt einen Spartrick: Man muss Mitglied im Safeway Club werden. Ich frage die Kassiererin, wie das funktioniert: Man müsse nur seine Mitgliedskarte zeigen. Diesen Aspekt hatte ich auch schon bedacht. Aber wie werde ich Mitglied. Mit der Karte… Ich komme mir vor wie auf einer funny Ranch. Und die Karte…? Die könnte sie mir geben. Ja??? Sie rückt das kostenlose Plastikstück raus, wir kaufen unter anderem 2 Avocados für zwei, statt für drei Dollar ( membership!), bezahlen bei meiner neuen Freundin. Do you have a member card? Äh, ja… Völlig desinteressiert zieht sie 15 Dollar von der Rechnung ab und wir trollen uns. Abendbrot mit Malbec zu Hause. YES!

 

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