Camargue spezial

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Was verbindet man mit der Camargue ausser gutem Wetter bei mediterranem Klima? Natürlich: halbwilde Schimmel, wilde schwarze Stiere, elegante Flamingos, romanische Architektur und südfranzösische Genüsse. All das haben wir in den heutigen Tag gepackt.

 

Nach einem schnellen Frühstück und fröhlichen Mutes, weil der HSV gestern das erste Relegationsspiel gegen Hertha BSC gewonnen hat, sind wir schon wieder auf holprigen Strassen unterwegs. Längs der Routen überall Kanäle, Marschlande, wüstenähnliche Abschnitte, Reisfelder und Salzlagunen. Mal eine Pferdeherde, mal ein paar eher dösig wirkende Stiere, dann wieder flatterhafte Flamingos. Uns begegnet eine Reitabteilung, in der jeder auf dem Helm eine Action-Kamera hat – der Ritt durch die Camargue muss ja dokumentiert werden. Ob jemand reiten kann oder auch nicht, spielt keine Rolle. Die Pferdchen sind so neben der Spur, dass sie einfach im Schritttempo dem Leittier hinterhertrotteln, selbst wenn sich der Reiter wie Django fühlt.

 

Unser erstes Ziel ist der 60 Hektar grosse Parc Ornithologique du Pont de Gau, der Vogelpark von Gau naheSaintes Maries-de-la-Mer. Auf sieben Kilometern gut ausgebauten Wanderwegen hat man in purer Natur und ohne Käfige, Volièren oder ähnlichem Unfug Nahkontakt zu Hunderten Flamingos, einer Schar Reiher und viel weiterem Fluggetier.

 

Ausserdem darf man französische Pädagogik bewundern: ein paar hundert Knirpse zwischen acht und zehn bevölkern ein Picknickgebiet. So diszipliniert, dass man es sich kaum vorstellen kann. Die Gören unterhalten sich miteinander, malen, essen und trinken etwas, und wer aufs Klo muss, gibt einer Aufsichtsperson das Händchen und wird dorthin gebracht und auch wieder zurück. Es geht ruhig zu, sehr, sehr ruhig…

 

Das kann man von Saintes Maries-de-la-Mer beim besten Willen  nicht behaupten. Unzählige Wohnwagen, Wohnmobile, Holzkarren bevölkern die Plätze, rund um die Kathedrale findet ein Markt mit lauter Gypsymusik statt.

Am 24. und 25. Mai eines Jahres findet die vielbesuchte Pélerinage des Gitans statt. Nach einer Überlieferung sollen im Zusammenhang mit der Christenverfolgung die Heiligen Maria Jakobäa und Maria Salome mit ihrer dunkelhäutigen Dienerin Sara auf einem Schiff aus dem Heiligen Land geflohen und in Saintes-Maries-de-la-Mer gelandet sein. Im Mai pilgern aus der ganzen Welt Roma, Sinti und Zigeuner nach Saintes-Maries-de-la-Mer, um ihre Schutzheilige, die schwarze Sara (Sara la Noire, Sara-la-Kâli), zu verehren.Die bunt gekleidete Statue wird am 24. Mai in einer Prozession feierlich ans Meer getragen und mit Meerwasser benetzt. Die Prozession kehrt dann unter Musikbegleitung und Kirchengeläut in die Kirche zurück.

Der 25. Mai ist den Heiligen von Saintes-Maries-de-la-Mer gewidmet. Nach der feierlichen Morgenmesse wird die Reliquie, das Boot mit den Statuen Maria Jakobäa und Maria Salome, von Pilgern, Zigeunern und Gardians zu Pferd und den in traditionellen Trachten gekleideten Einwohnern zum Meer getragen. Die Träger marschieren in das Meer und symbolisieren die Ankunft der Heiligen Maria Jakobäa und Maria Salome. Der Bischof segnet an Bord eines traditionellen Fischerbootes das Meer, das Land, die Pilger und die Roma. Die Prozession kehrt danach zur Kirche zurück. Am Nachmittag wird während des Gebets die Reliquie in die obere Kapelle, die Chapelle haute, der Kirche Notre-Dame-de-la-Mer zurück gebracht.

Eine zweite Wallfahrt findet am Sonntag, der am nächsten zum 22. Oktober liegt, statt. Der 22. Oktober ist der Tag der Heiligen Maria Salome.

Alles angelesenes Wissen: Die Roma pilgern zwar aus ganz Europa und der Welt an, um der schwarzen Madonna zu huldigen, aber das müssen sie ohne uns erledigen. Die Madonna besichtigen wir jetzt schon mal vorab in der Katakombe der Kathedrale, trinken anschliessend einen vin du sable in irgendeinem Café und hauen schnellstens ab. Das hier war noch nie unser Ort, das wird er auch nicht werden. Zuviel Getöse und Gerenne, Tourismus und Gegaffe. Kurz hatten wir überlegt, bis zum Fest der Gitanes in der Gegend zu bleiben – nein, keine Option.

 

Über winzige und mittlere Strassen geht’s wieder nach Aigues-mortes. Die Füsse glühen, die Eindrücke müssen alle mal wieder sortiert werden. Einige Zeit verbringen wir damit, nächste Ziele auszubaldowern, aber es fehlt an jeglicher Entschlusskraft. Ziemlich sicher: Wir kehren dem Mittelmeer den Rücken und krabbeln mit Trippelschritten nördlich. Aber was heisst schon „ziemlich“?

 

Juan schiebt scharf gewürzte Hühnerbeine in den Ofen, dazu gibt’s Tomaten und Burrata. Und Let‘s dance. Das Finale mit Jan Köppen statt Daniel Hartwich: der kränkelt.

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