Besuch in Peñiscola

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Nicht zu glauben, wie umständlich sich das Personal des 4-Sterne Hotels Augustus in Cambrils aufführt: Vor der Nase haben sie einen Computer, daneben eine gekrickelte Liste, in der in bunten Farben das gemarkert ist, was sie den Durchblick kostet. Wir wollen nichts anderes, als noch eine Nacht länger hier in Cambrils bleiben. Das Mädel an der Rezeption kann da nichts für uns tun: Diejenigen, die Ahnung haben, sind in der Frühstückspause. Aber in einer Stunde oder zwei…

 

Wir gehen zum Frühstück, aber bleiben an der Lösung des Problems dran… Bei Versuch vier oder fünf (die Rezeption ist immer noch geschlossen beim  Frühstück) bietet uns die arme, hilflose Person an, aus unserem Zimmer auszuchecken, das Gepäck in der Rezeption zu lagern, dann wieder in irgendein anderes Zimmer einzuchecken – wenn alles gut geht… Ich habe bereits mehr als vier Sterne vor Augen. Kurzum: Wir hauen ab. Das ist uns dann doch zu doof.

 

Gemütlich schleichen wir bei Sonne und 23 Grad südwärts, haben den Tipp unseres Freundes Jo vor uns: Deltebra, ein Örtchen im Delta des mächtigen Ebro. Das ist schon etwas sehr besonderes! Statt Bergen und Hügeln plötzlich plattes Land. Hier wird Reis angebaut und man züchtet Crevetten. Wir gucken uns im Delta um und kichern über die Ausflugsschiffe, die über den Ebro tuckern. Den Blick auf Flamingos haben wir uns längst geschenkt. Juan fragt in einem kleinen Laden nach der Richtung – der Typ lacht: „Du bist Argentinier, oder? Fahr mal da vorn geradeaus, aber vergiss die Flamingos, wir haben vielleicht vier…“ Ok, wir sehen hier keinen. Dafür aber wieder abenteuerlich winzige Strassen durch geflutete Felder, Piepmätze und ein paar Vogelscheuchen. Sehr speziell hier! Sehenswert!

 

In den nächsten Ort fahren wir nur, weil auf google maps eine interessante Bude direkt am Strand erscheint: Peñiscola! Wer hat je davon gehört? Zumindest die Römer, die 1000 Jahre v. Chr. hier aufgeschlagen sind. Es gibt noch Rudimente, vor allem aber Touristen aus Spanien. Sie haben diesen Badeort längst in Beschlag genommen. Erst ganz, ganz langsam kommt der internationale Tourismus an. Wir buchen via booking.com ins Grand Hotel Peñiscola und bekommen ein wunderbares Zimmer mit direktem Meerblick im dritten Stock. Die Bude kostet einschliesslich Frühstück und Abendessen knapp 50 Euro. Da könnten wir doch länger bleiben? Die Rezeptionisten sind genauso helle wie in Cambrils. Letztlich buchen wir unter Schmerzen eine zweite Nacht, danach fahren wir dann eben weiter Richtung Almeria.

 

Die Promenade von Peñiscola ist bemerkenswert: Wir wandern ein paar Kilometer direkt am Strand entlang und sind ausgesprochen fröhlich, hier angekommen zu sein.

 

Das sind auch gefühlte 500 andere Gäste, die wir beim Abendessen treffen. Die kleine Hausfrau in mir hat im Keller des Etablissements vorher schon mal ein Kessel Buntes gewaschen, aber kurz nach acht stehen wir am Buffet. Ungeheuer, was die kleinen Spanier in sich hineinhauen! Es gibt Salate und Paté, Paella und gegrillten Hühnerbusen, Nudeln mit Sosse, Süppchen und, und, und… Natürlich auch frische Früchte und Desserts. Wir sind ja ziemlich diszipliniert, aber um uns herum wird hemmungslos gefressen. Übrigens kostet eine Flasche Wein hier zwischen sieben und zwölf Euro… Sogar die Franzosen, die den 8. Mai, den nationalen Feiertag zum Gedenken ans Kriegsende nutzen, ein paar Tage Spanien unsicher zu machen, sind zufrieden.

 

Ein kleiner Drink unterm Sternenhimmel, dazu singt eine bedauernswerte Person live und textunsicher „New York, New York“. Wir sitzen bei Cognac und Cointreau auf der Terrasse, können den Takt auch nicht halten, sind aber wesentlich fröhlicher als der Künstler…

 

In unserem grosszügigen Zimmer gucken wir noch mal eben aufs Meer. Dessen Rauschen wird uns durch die Nacht begleiten. Zum Weinen schön…

 

 

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