Alle Würfel in der Luft

Mal angenommen, irgendjemand wollte überprüfen, ob wir die Nacht vom 1. zum 2. Oktober 2015 wirklich im Eko Residence Hotel in Porto Alegre verbracht haben – er würde nicht fündig und wir würden bestimmt für ewig in dunklen Gemäuern verrotten. Denn bekannt sind wir in diesem 4-Kicher-Sterne-Hotel als Juan Carlos und Birgit Deutsch. Beide geboren am 1.10.1970. Beide holländischer Staatsangehörigkeit. Das hat das 15minütige Studium unserer Pässe ergeben und so hat’s der weltgewandte Herr an der Rezeption niedergeschrieben. Was er sich dabei gedacht hat? Sicher nichts. Wir machen ihn noch darauf aufmerksam, dass nichts, aber auch gar nichts von dem, was er so vermerkt hat, stimmt, aber das kümmert weder ihn noch die beiden interessiert glotzenden Kollegen: Was im Computer steht, stimmt. Basta. Auch gut… Dafür hat er wenigstens erkannt, dass wir aus Kolumbien kommen. British Columbia, messerscharf geschlossen… Und Kolumbien ist möglicherweise in seiner Vorstellung – holländisch? Wir diskutieren das mal nicht und verbringen eine ruhige Nacht in unserer Öko-Bude. Uns wundert auch nicht, dass gesuchte Verbrecher in diesem Land so einfach untertauchen können. Sogar mit ihren echten Pässen hinterlassen sie keine Spur 🙂

 

Es ist grau und kühl, deshalb trödeln wir morgens nach dem Frühstück noch ein bisschen rum und lassen den ersten Würfel fallen: Wir fahren nach Westen. schenken uns zunächst Punta del Este, Montevideo und Colombia und legen vorerst auch keinen neuen Stop in Buenos Aires ein. Alles noch ein bisschen kalt im Süden. Stattdessen geht es genau nach Westen. Kaum fahren wir auf eine der vier großen Brücken von Porto Alegre, geht es auch schon los: Blitz und Donner, Regen, dass man die Hand vor Augen nicht sehen kann.

Langsam, langsam schieben wir uns weiter auf die Ruta 290. Sind wir gestern noch auf der bemerkenswerten Ruta Alpenstrasse (no comment, please…) durch ein Alternativ-Deutschland gejuckelt, zieht es uns nun ins Reich der Großgrundbesitzer im Südwesten Brasiliens. In Rio Grande do Sul wird Getreide angebaut, Reis in großen Mengen, Holz. Wir ziehen an tausenden von Kühen vorbei, sehen große Pferdeherden und hier und da auch mal ein Huhn mitten auf der Straße. 

 

Der fiese Regen verdirbt ein bisschen den Genuss der wechselvollen Landschaft, aber richtig nervig auf der meist schnurgeraden Straße mit ihren Höhen und Tiefen sind die dicht auffahrenden Autos, die geisteskrank Überholenden, die Fernfahrer, die wie wir versuchen, den Schlaglöchern auszuweichen und deshalb oft ein Überholen auch auf erlaubter Strecke verhindern. Diese Ader quer durchs Land ist ausgebaut wie eine miese Landstraße im Norddeutschen. Es herrscht aber zeitweilig Verkehr wie auf der Autobahn zu Ferienbeginn.

 

Als endlich der Regen aufhört, haben wir ungefähr die Hälfte der 620-km-Strecke von Porto Alegre nach Uruguaiana hinter uns. Irgendwo an einer Tankstelle essen wir in einer Churasqueria jeder zwei gegrillte Würstchen, ein paar Pommes, dazu eine Zweiliterflasche  Wasser. Ach ja, Juan hat auch noch ein hervorragendes Stück Huhn, natürlich auch vom Grill. Alles zusammen kostet dann 19 Reales. das sind nicht mal 5 Euro… Gespannt sind wir auf das Hotel, das uns bekommt. Es liegt in São Gabriel, heißt São Luiz und ist ok, aber mit 50 Euro viel zu teuer verglichen mit anderen Hütten, in denen wir genächtigt haben. Aber sooooo viele Alternativen gibt es auf dieser Strecke nicht, also: Augen zu und durch. Zumindest sind alle sehr nett, es gibt wifi, das zwar nicht auf dem Zimmer, dafür aber in der Lobby funktioniert. Grauchen hat ein feines Plätzchen und fürs Dinner müssen wir uns keinen Millimeter aus dem Haus bewegen.

 

Morgen, das ist der grobe Plan, fahren wir erst einmal nach Uruguay, weil wir uns dort mit Dollars bevorraten wollen. Der Kuts des Dollar Blue ist inzwischen auf über 16 Pesos hochgeschossen. Der Wahnsinn! In Uruguay dürfen wir pro Tag und Nase, bzw Karte 300 US aus dem Automaten ziehen. Mal sehen, ob das klappt. Danach soll es weitergehen nach Argentinien, Richtung Nordwest, grobes Ziel Salta. Dazwischen liegen aber noch viele, viele Meilen; wir werden berichten. Im Moment trinken wir ein Bier uns schnabbeln etwas Schinken und Käse, kümmern und um unsere elektronischen Geräte und sind froh, dass Horst auf dem Weg der Besserung ist.

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