Zu Gast bei den Gastgebern

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Heute ist ein wichtiger Tag für den deutschen Fussball – das Schicksalsspiel gegen Ungarn um 21 Uhr. Um uns darauf gut vorzubereiten, machen wir vorsichtshalber gar nichts und lümmeln zwischen Pool und Porch herum.

 

Gefrühstückt werden die frischen Eier vom Hof, für den Abend planen wir wieder einmal, den Grill anzuwerfen. Nicoletta bringt einen Korb mit frischer Leinenbettwäsche vorbei, ich spiele ein bisschen Hausfrau und schnibble aus dem Basolikum mit Knoblauch, einer Handvoll Nüsse und Olivenöl ein Pesto, das es zum Nachmittagsdrink gibt. Den Parmesan habe ich vergessen. Der ganze Tag ist damit durchfeplant.

 

Und dann kommt alles anders. Um sieben klopft Vanni an die Tür und lädt zum Grillabend ein. Juan ist so verdattert, dass er das Fussballspiel vergisst und für acht Uhr zusagt. Ich maule auch nur einen Moment – was soll es? Zur zweiten Halbzeit sind wir sicher wieder in der Hütte… Nein, das sind wir nicht. 

 

Wir verbingen einen ausgesprochen unterhaltsamen Abend mit Nicoletta (77) und Vanni (80). Irgendwann kommt auch noch Michele dazu, bei dem sich herausstellt, dass er hervorragend spanisch spricht und ein Haus in der Nähe von Cadaques hat. Michele bringt neue Schirme für den Pool, weil er die gegenwärtigen inzwischen schäbig findet. Ausserdem Anti-Mücken-Kerzen und einen Adapter für uns – rührend!

 

Vanni ist der Grillmeister, Nicoletta ein bisschen entsetzt, weil er uns so spontan eingeladen hat. Sie habe ja garnichts vorbereiten können. Wir genießen genüssliche Stunden. Es fliesst Wein vom eigenen Berg, gegrillt werden Würstchen und Huhn, Lamm und Beef. Der Rucolasalat ist ganz klein geschnitten und fast 1:1 mit Knoblauch versetzt und mit eigenem Öl aromatisiert – das muss ich mir merken. Auch die fritierten Artischocken sind grossartig.

 

Vor allem aber die Gespräche. Nicoletta lehrte in den späten 60er Jahren an der Berkeley University in Kalifornien Italienisch und Französisch, Vanni war als Astrophysiker weltweit unterwegs, hat viel seiner Arbeitszeit bei CERN in der Schweiz verbracht. Die Calamais reisen gern und erzählen von einer Tour nach Sizilien mit der Nachtfähre von Civitavecchia nach Palermo. Interessante Idee. Wir reden über schwarze Löcher und kurze Röcke, Spanien und das Universum, Gott und die Welt – einfach grossartig und völlig ungezwungen. Es ist fast Mitternacht, als wir wieder zuhause sind. Ach ja: Deutschland ist nach einem 2:2 gegen Ungarn im Achtelfinale. Das hatten wir ganz vergessen…

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