Ziel erreicht: Handicap

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Es ist ein bisschen herbstlich geworden, aber wir stehen bei 10, 11 Grad relativ entspannt morgens halb neun auf der Driving Range. Die beiden Karlsruher – Ellen und Helmut – sind schon fit und schwingen, was der Zeug hält. Unsere grundrelaxten Schweizer – Marco und Bruno – lassen es etwas gemütlicher angehen. Allerdings haben sie bei aller Gelassenheit auch ihren Ehrgeiz. Gut so!

 

Marco ist ohnehin der Crack unserer Truppe. Handicap bei 30, aber dafür hat er sicher noch nicht richtig aufgedreht. Wenn der neben einem den Driver schwingt, muss man sich ernsthaft überlegen, was man sportlich jemals hinbekommt – das sicher nicht. Allerdings macht Marco nichts draus, gibt nicht an und spielt einfach gut. Bruno, wie sein Landsmann zumindest in diesen Tagen immer strahlender Laune, kämpft unverdrossen mit seinem nagelneuen Hybrid und badet die neuen Golfschuhe im morgenfeuchten Gras. Er hat zwar ein Handicap von 45, aber das interessiert ihn überhaupt nicht. Bruno spielt – wie Marco – einfach gern Golf. Die beiden sind wirklich lustig – auch wenn man sprachlich nicht immer dahinterkommt, worüber sie sich gerade so freuen. Aber beide sprechen gutes Hochdeutsch mit uns, darum gibt es auch zu viert und sechst viel zu lachen. Die zwei amüsieren sich bestimmt auch auf ihrer jährlichen Golfreise nach Djerba. Die machen sie seit über 20 Jahren mit zwei weiteren Freunden. Immer ohne ihre Frauen. Immer dieselbe Truppe, immer derselbe Golfplatz (was auch daran liegt, dass es auf Djerba nur einen gibt), mal in diesem, mal in jenem Hotel. Und immer so im April, wenn die Saison in Tunesien so gut wie vorüber ist, in der Schweiz aber noch die graue Jahreszeit herrscht. Da wäre ich gern einmal Mäuschen – sicher ein fröhlicher Freundeskreis und richtig gut gepflegte Männerfreundschaften!

 

Aber nun mal nicht abschweifen, heute steht ja ein, äh, wichtiges Turnier auf dem Plan: Marco und Bruno bilden wie schon gestern ein Flight mit Helmut und starten um 9:20 Uhr, also zehn Minuten vor Ellen, Juan und mir. Die beiden Karlsruher sind auf die zwei Flights gut aufgeteilt, kennen alle Regeln und deren Umsetzung in Perfektion. Wir anderen sind zwar auch nicht völlig unbehauen, aber vielleicht nicht ganz so textsicher.

 

Unser zweites Turnier überhaupt läuft um einiges besser als das gestrige; es bedarf nur wenig kreativer Rechnerei, um uns ins Handicap zu befördern. Nach zwei, drei Loch fängt es leicht an zu regnen. Marco und Bruno vor uns spannen ihre Schirme auf – den knallbunten von Bruno will ich auch! -, während wir uns durchs Nass trollen. Ist aber alles nicht schlimm; ich bin froh, die Jacke wieder auszuziehen. Ist doch ein bisschen wie in der Sauna. Weiter geht’s. Ellen ist unser Argusauge. Den Ball, den sie im Rough, in Büschen oder auch im Wasser nicht findet, gibt es nicht. Sobald einer von uns sich ein bisschen verdaddelt, düst sie los, guckt, späht und findet. Juan macht richtig gute Abschläge, ich bin auf Kriegsfuss mit meinem Hybrid, Ellen ärgert sich, wenn die tückischen Bälle nur rollen, anstatt zu fliegen. Aber wir spielen uns insgesamt gut gelaunt über die Bahnen. Nach der Runde werden die Karten noch mal eben verglichen, unterschrieben und im Sekretariat abgegeben. Nach uns die Berechnungen…

 

Auf der Terrasse warten schon die anderen drei. Helmut ist unzufrieden, weil er über seinem Handicap liegt, Marco und Bruno scheinen dagegen ganz happy zu sein. Der bis dato vereinslose Bruno hat sich nun zu einer Fernmitgliedschaft in der Sagmühle entschlossen – auch schön. Dann kommt Pro Mathias Probst an unseren Tisch. Wir hätten es nicht besser treffen können! Ein Pro mit Humor, Manieren und fundierter Sachkenntnis. Und dazu ein gut gelaunter Typ, der immer gern lacht und dadurch auch theoretisch unentspannte Trainingseinheiten genussorientiert steuert. Er bringt jetzt die Ergebnislisten mit. Juan und ich freuen uns natürlich sehr. Juan spielt fortan mit Handicap 48, ich mit 52. Da lacht das Herz! Was dazu bemerkenswert ist: Es gibt für alle vom Club ein Abschiedsfoto als Dankeschön, vor allem aber von Mathias eine individuelle Trainings- und Tippliste, damit wir auch künftig am Spiel feilen. Das ist wirklich ein guter Zug unseres Pros! Der muss dann aber auch weiter, weil er eine Jugendmannschaft trainiert.

 

Unser Team bleibt noch ein bisschen auf der Terrasse. Marco und Bruno brechen nachbeinem kleinen Lunch als Erste auf, weil sie heute noch vier, fünf Stunden zurück nach St. Gallen fahren. Von Ellen und Helmut erfahren wir dann noch viel über deren Segelfliegerkarriere. Über einige Jahre hatte der Schwabe ein riesiges Wohnmobil in den USA, auf dem Hänger sein Segelflugzeug. Monatelang ist er den Wellen – heisst so in der Segelfliegerei, wie wir erfahren, nix Thermik – gefolgt, hat in seinem höchst komfortablen Wohnmobil gelebt und ist ab und zu mal nach Europa gekommen. Oder auch nicht:  Ellen, die ihre Zahnarztpraxis nicht monatelang schliessen konnte, ist oft hin- und hergeflogen und hat ihn besucht, bzw. ist auch selbst geflogen. Erst vor zwei Jahren wurde das Mobil verkauft. Helmut hat zwar immer noch ein Segelflugzeug – gross, mit einer Spannweite von 26 Metern -, sich aber kürzlich mit seinem 70. Geburtstag von der Fliegerei verabschiedet. Auch Ellen fliegt nicht mehr, aber nun haben sie ja das Golfspiel, das Helmut nahezu täglich fünf, sechs Stunden auf den Platz zieht. Wir verabschieden uns herzlich voneinander und sind ganz fröhlich, dass wir in einer so netten Truppe gelandet sind.

 

Für heute sind unsere weiteren Pläne überschaubar: Wir haben nichts vor. Morgen früh geht es 120 km noch Nordosten nach Cham zum Autotausch, und dann… Ja, und dann? Mal gucken. 

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