Washington Countdown…

Klar, manchmal geht einem die Klimaanlage ordentlich auf die Nerven: wenn sie anspringt, während man gerade einnickt, zum Beispiel. Aber ein Blick aufs Thermometer – und schon ist jede Nerverei verschwunden. 33 Grad, gefühlte 35 Grad. Das ist für einen Nordeuropäer schon heftig… Und für einen Argentinier mal sowieso. Der Blick aus dem Fenster ist dazu allzu trügerisch. Graue Wolken vermitteln den Eindruck von erfrischender Kühle. Eine böse Falle!

 

Aber kein Grund, den letzten Tag komplett auf der faulen Haut zu liegen. Ich möchte mal zu Macy’s, jahaaaaaaa: Schuhe gucken 🙂 Der Circulator, unser zuständiger Bus, hält ja vorm Haus. Das tut er auch, ist aber nicht zuständig. Man kann den Kreis nicht schließen, sich einfach in den Bus setzen, bis zur Endstation und wieder zurück fahren. Solche circles sind nicht vorgesehen. Die freundliche Busfahrerin rät zu einem kleinen Spaziergang zur K Street, denn da würde der richtige Bus Richtung Union Station alle zehn Minuten abfahren. Doofpunkt geht klar an mich… Wir schleppen uns das Strässchen hoch, warten mit einer Handvoll Engländern, die wir schon im Hotel gesehen hatten, auf das Verkehrsmittel. Die wollen mit dem Big Bus eine Stadtrundfahrt machen. Genau wie wir nach unserer Ankunft in Washington… Wielange ist das her? Monate? So vieles haben wir erlebt, gesehen. Die Zeit war ungeheuer intensiv.

Das ist sie auch noch. Downtown steigen wir an der 14. aus und bewegen uns diagonal durch einen Park Richtung Macy’s. Hier sieht man dann ganz genau, dass in Washington nicht alles Gold ist, was glänzt. Der Park wird bevölkert von Obdachlosen, die hier etwas Schatten suchen oder einfach nur irgendwo schlafen wollen. Trostlos, trostlos… Sicher sind auch einige unter ihnen, für die es eben keinen Memorial Day gibt. Veteranen, die deshalb nicht gefeiert werden, weil sie am Leben geblieben sind. Mannomann.

 

Wir schlendern weiter durch die Hitze. Walk like an Egyptian… Nicht so graziös, sondern so langsam. Das können wir inzwischen prima. Wir stoppen in Shops, die uns nicht eine Millisekunde interessieren, die aber prima Klimaanlagen haben. Bei Macy’s ist es natürlich auch frisch. Nelly, eine mächtige Schwarze mit strengem Blick, stürzt sich in der Schuhabteilung sofort auf mich (nicht Andrew, Natzilie!) und will helfen. Das tut sie, indem sie mir erklärt, dass ich einfach aus allen Regalen die Schuhe herausnehmen soll, die ich gut finde. Dann möge ich mich vertrauensvoll nach ihr umsehen… Das tue ich mit einem Arm voller Schuhe, aber von der Servicekraft ist nichts zu sehen. Nelly taucht schließlich wieder auf, nimmt mir alles ab und verschwindet in hinteren Gelassen, um alles in meiner Größe zu suchen. Juan sitzt in buddhistischer Gelassenheit auf einem Bänkchen und guckt ein bisschen im Internet herum. Nelly bringt mir schöne Sandalen von Steve Madden und Pumps von Ralph Lauren; mit leichtem Gepäck stehen wir bald wieder auf der Straße und quälen uns ostwärts nach Chinatown. Da finden wir dann ein Restaurant ganz nach unserem Geschmack: räudig und lustig. Die Jaotse sind großartig, die Ente offenbar am eigenen Fett erstickt. Aber worüber sollen wir uns aufregen? Uns geht es richtig gut! Auch der Weg bis zur imposanten Public Library ist noch machbar, doch als der Bus kommt, sind wir selig. Ordnungsgemäß bringt er uns vor die Tür der Georgetown Suites. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Hütte heute noch verlassen, ist gering. Es sind noch ein paar Reste da, zwei Avocados, Toast, Schinken und Weißwein. Und dann müssen wir ja auch noch Koffer packen 🙂

Gestern Abend sind wir noch kurz im Hafen bei der Farmern von South Dakota gelandet, haben uns eine Pizza geteilt und ein Bier getrunken. Heute wird es dann wohl häuslich. Und wenn wir Glück haben, können wir morgen etwas länger im Hotel trödeln: Gegen halb zwei muss dann ein Taxi ran, das uns die 45, 50 Minuten zum Dulles Airport bringt…

 

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