Tschakka in Chaco

Wir sind extra früh in Corrientes aufgestanden, weil wir wissen, dass ein harter Tag vor uns liegt. Knapp 850 km bis Salta, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, über die Ruta 16. Eine berüchtigte Straße, Unfälle am laufenden Band, Strassenschäden überall, übelste Verhältnisse. Aber das hält uns nicht davon ab, nach dem Tankstop über die Paraná-Brücke aus unserem èntzückenden Städtchen Corrientes unter Auslassung der Hauptstadt Residencia in die Provinz Chaco einzurollen. Und die ist berüchtigt für Ihre Strassenverhältnisse. Juans Bruder Federico hat uns auch noch mal gewarnt und einen 250-Kilometer-Umweg vorgeschlagen.
Och nö, wir versuchen es. Hart auf hart schleichen wir eben nach Westen. Wasser und Kekse haben wir mit, der Himmel ist leicht bedeckt, aber 25 Grad am frühen Morgen – das lässt einiges erwarten.
Auf der Strecke gibt es wenige Tankstellen und noch weniger Hotels. Wir hatten schon eine 200-Kilometer-Etappe überlegt – aber dann wäre das nächste Ende unendlich lang. Mal sehen, wie sich das alles entwickelt. Aber dann hat uns Chaco überrascht: Die Straße sind ausgezeichnet, Cruise Control bei 110 km fast über 300 km. Sehr gut! Mittags halten wir – mittlerweile ist es konstant 38 Grad warm – mit kleinen Ausreißern nach oben, in der Spitze 44 Grad – in einem Truckstop wie aus dem argentinischen Bilderbuch, essen eine Kleinigkeit und trinken Unmengen Wasser. Der Ort heißt Monte Quemado, verbrannter Berg. Es gibt hier viele Orte mit merkwürdigen Namen…
Dann geht es wieder los. Links und rechts große Plantagen, Viehweiden, ab und zu latschen ein paar Ziegen über die Straße, dann mal eine Kuh, ein paar Pferde, Wildschweine… Leider sehen wir nicht ein einziges Guanako, aber das könnte sich natürlich noch ändern. Wirklich alles riesig, wer hier ein 500-Hektar-Anwesen hat, ist ein Kleingärtner. Die großen Estancias haben 20 000 und noch viel mehr. Entsprechend auch der Fuhrpark. Die Landmaschinen, die wir hier sehen, sind die größten, die es gibt. Inzwischen werden übrigens sogar Drohnen eingesetzt, um das Terrain und das Vieh zu überprüfen. Drohnen! Wie hat sich das Leben der Gauchos doch verändert!
Auf jeden Fall ändert sich auch die Straße. Kaum sind wir raus aus Chaco und in der Provinz Santiago Del Estero, wird es richtig, richtig rumpelig. Nirgendwo gibt es Hinweisschilder auf irgendwelche Baustellen, Problemstrecken oder sonstwas. Auch der durch ein Lied berühmte Ort Pampa de los guanakos macht keine Ausnahme: rumpelig!
Ach doch: Ein Schild sehen wir zufällig, ungefähr DIN A4 groß: Schlaglöcher – baches ist das böse Wort – auf den nächsten 110 km. Das hat außer uns garantiert niemand gesehen! Brasilien ist da vorbildlich: da gibt es für alles gleich einen Schilderwald. Hier in Argentinien muss man einfach ständig auf Zack sein, haben wir oft Straßen mit schlimmen Schlaglöchern, meist ohne Markierung mittig, links oder rechts. Dazu kommen lange Baustellen, von denen wir teilweise auf Sandpisten umgeleitet werden. Immer schön bei Gegenverkehr, vorzugsweise Lastwagen.
Ein winziges Stück Chaco ist wieder erstklassig, bevor wir endlich, endlich in Salta, der dritten Provinz des Tages,  einreisen, Hier, hat Juan gesagt, wird alles gut. Hier, wissen wir jetzt, sind die Straßen grausig. Zumindest auf den ersten 100 Kilometern.
Im Leben hätten wir nicht gedacht, dass wir heute noch die Berge sehen! Nach der Unendlichkeit des Flachlands über viele 100 Kilometer sehen wir im Dunst die ersten Erhebungen. Yeah!!!!
Aber kurz nach fünf und nach knapp 600 Kilometer Landstraße reicht es uns. Wir sind in Joaquín V.  González, einem Ort, der sich dadurch auszeichnet, dass er drei Hotels hat. Wir wohnen nun für kurz über 20 Euro inkl. Frühstück und Parkplatz hinterm Haus im Hotel Colonia, das seine besten Jahre vor dem Krieg schon hinter sich hatte. Vor dem Kolonialkrieg… Aber egal. Eine Nacht bleiben wir hier, dann sehen wir mehr von den Anden.

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