Traumhaft!

Der Abschied aus dem Breakers Inn fällt uns nicht leicht. Bis kurz vor elf trödeln wir noch rum, sitzen mit Blick aufs Meer und staunenden Kinderaugen in blassblauen Ohrensesseln in unserem Zimmer namens Virginia: Es ist wirklich schön!

 

Knallblauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen um 25 Grad begleiten uns auf dem Küstenweg nach Norden. Zerklüftete Felsen, schneeweisse Gischt, naturbelassene Strände und Steilküsten – man muss einfach immer wieder anhalten, um sich das anzusehen und es zu geniessen.

 

Unser nächster Stopp ist Mendocino (leider geht uns das doofe Lied nicht aus dem Kopf) und es ist eine zauberhafte Überraschung. Hundert Jahre alte, perfekt restaurierte und gepflegte Holzhäuser in allen Pastellfarben, puschelige Geschäfte und ein grosses Zelt, in dem gerade ein wichtiges Musikfestival stattfindet. Das erklärt wohl auch die vielen Menschen, die durch den niedlichen Ort laufen.

 

Wir gucken uns ein bisschen um, dann geht es auch schon weiter. Fort Bragg ist langweilig, aber die Küstenstrasse bleibt schön. Die Campingplätze direkt am Meer sind alle besetzt, für eine Motelsuche ist es noch ein bisschen früh. Gucken wir mal nach Eureka.

 

Sobald sich der Highway 1 von der Küste fortbewegt, befinden wir uns auf einer der kurvenreichsten Strassen, die wir überhaupt je erlebt haben. Über 50, 60 Kilometer und Höhenunterschiede von 500 Meter rauf und runter fahren wir durch dichte Redwoodwälder, vorbei an kleinen Farmen und Ranches, durch Haarnadelkurven und über Schlängelstrassen. Das ist nichts für sensible Mägen! Und der Weg nimmt und nimmt kein Ende. Sogar die 101, auf die der Highway schliesslich einmündet, schlängelt sich kurvenreich nordwärts, allerdings besser ausgebaut.

 

Bevor wir abbiegen, investieren wir noch fünf Dollar in einen Umwelt zum „weltbekannten, durchfahrbaren Redwoodbaum“. Da wollen wir durch, können es aber nicht, weil Rosie mit ihrem Hütchen zu hoch ist. Auch egal. Der Baum ist beeindruckend wie viele andere der weit über 1000 Jahre alten Redwood-Giganten, die man hier sehen kann. Wir machen vom Highway noch einen kleinen Abstecher in den Humboldt Redwood Tree Park, bevor wir uns dem nächsten Ziel nähern. 

 

Eureka ist mit einem Wort belanglos. Aber uns fehlt der Schwung zum langen Weiterfahren. Wir schaffen es gerade noch nördlich nach Arcata, ebenfalls belanglos. Unser Check-in ins Red Roof Hotel geht quälerisch langsam. Vor mir wühlen zwei Frauen stundenlang nach IDs und Kreditkarten – es zieht sich alles; ich bin kurz davor, ihnen meine Hilfe beim Suchen anzubieten… Auch das Preisgefeilsche mit dem Bengel an der Rezeption zieht sich. Aber schliesslich gibt er auf 🙂

 

Natürlich ist diese leicht muffig riechende Bude nicht vergleichbar mit dem Breakers, aber morgen geht es ja wieder ans Meer, da wollen wir uns wieder verbessern. Für heute bleibt Rosie stehen. Gegenüber gibt es ein Restaurant, das sich „Oriental Buffet“ nennt. Das gucken wir uns mal an und sind wirklich angenehm überrascht. Zwar sprechen die Chinesen, die sich um uns und alle anderen kümmern, keinen Piep Englisch, aber das spielt bei einem Buffet keine grosse Rolle. Da gibt es Salate und knackfrische Gemüse, fünf oder sechs Huhngerichte, ebensoviele unterschiedliche Dimsums inkl. guter Jiaotze, Rind, Shrimps, Fisch, Muscheln, sogar Austern. Dazu natürlich Reis- und Nudelvariationen. Zum Nachtisch frisches Obst, Puddings, Eis – unvorstellbar. Und alles in guter Qualität.

 

Das lässt einen den Muff im Zimmer ein bisschen milder erschnüffeln – morgen ist bekanntermassen ein neuer Tag!

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