Tag 4 am Ozean

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Es kann ja nicht sein, dass wir jeden Tag einfach nur vor uns hin tüdeln (warum eigentlich nicht?), deshalb beschliessen wir nach dem Frühstück und einem Geburtstagsgruss an eine liebe Freundin in der Schweiz einen Ausflug nach Coquimbo, in die Stadt, die nahtlos an La Serena anschliesst. Das Schöne ist also, dass man sich kaum verfahren kann – es geht ja immer an der Wasserkante entlang. 

Besonders der Hafen hat während des Erdbebens vom 16.9.2015 viel abbekommen. Überall sieht man Zerstörung, überall aber auch Wiederaufbau. Mit 8,3 auf der Richterskala hat erst das Beben gewütet, anschliessend ein Tsunami fürchterliche Schäden angerichtet. Aber wie gesagt: Hier wird alles so schnell wie möglich wieder aufgebaut.

Wir verfahren uns ein bisschen im Ort, der rund um einen natürlichen Hafen an die umliegenden Hänge gebaut ist. Durch die enormen Steigungen haben die Coquimber (heissen die so?) Abstiege à la San Francisco gebaut. Noch steiler, deshalb nur für Fussgänger zugelassen.

Endlich sehen wir den Turm, den wir eigentlich erklettern wollten, vor uns. Wird aber nichts mit der Klettertour bei 28 Grad – es handelt sich keineswegs um einen einfachen Turm, sondern um eine Moschee. Also parken wir unser Auto irgendwo in der Stadt und laufen ein bisschen durch die Gegend. Das Kreuz kennen wir ja schon, also geschenkt. Ganz neu für uns ist eine Fussgängerzone mit Geschäften aller Art, die zum Teil nur handtuchgroß sind. Im Moment sind sie alle ganz verrückt mit Halloween. Sogar Haushaltswarengeschäfte haben eine Maske oder ein Stück Tüll dekoriert. Aber das ist nicht unser Fest, also ignorieren wir sofort alles, was damit zu tun hat.

Auf der Plaza machen wir eine kleine Rast, die sich deshalb ausdehnt, weil ein Herr mit wunderbarer Stimme Gedichte vorträgt. Ein bisschen davon eingelullt gucken wir ein Kirchlein, kaufen eine Thermoskanne (für Kaffee unterwegs, insbesondere später auf unserer Tour), kaufen kurz noch etwas ein und trödeln herum.

Hinterm Berg soll es ja auch noch ein, zwei schöne Buchten geben. Der Großstadt völlig entwöhnt hauen wir also schnell wieder ab und fahren über die Panamericana RN 5 ein Stück südwärts nach Totoralillo. Das ist wirklich eine schöne Bucht! Natürlich hat auch hier die Natur gewütet; ein Resort, dass so einer Art dubai’sche Mini-Mini-Palme nachempfunden zu sein scheint, wird repariert, ein paar Trümmer müssen noch zur Seite geräumt werden. Trotzdem ist die Bucht zauberhaft. Das findet offenbar auch das französische Paar, das hier mit seinem Wohnmobil parkt. Kalifornische Kennzeichen, denn sie haben die Kiste zu Beginn ihrer Tour vor zweieinhalb Jahren in Los Angeles gekauft, sind dann nach Alaska hochgefahren, anschliessend die Panamericana ganz runter nach Ushuaia auf Feuerland. Jetzt noch ein Päuschen am Meer, bevor’s nach Santiago geht. Dort soll ihr Fahrzeug verkauft werden. Fotos habe ich von den beiden nicht gemacht. Die Frau hatte eine der schwersten Gesichtsverletzungen, die ich je gesehen habe…

Wir trollen uns. Allerdings nicht noch ein Bucht weiter, sondern zurück ins mittäglich ruhige Coquimbo, kurz zu den Pelikanen. Ich bin zu faul, um aus dem Auto zu klettern, aber Juan eilt zu seinen Freunden und fotografiert wie wild. Ich auch ein bisschen, als eine Australierin zu mir ans Fenster kommt: Ich möge bloss auf meine Kamera aufpassen, dieser Ort sei bekannt für Diebstähle. Also Augen auf, Tür zu. 

Und dann erleben wir ein einzigartiges Schauspiel. Zwei Fischer halten kurz nacheinander ungefähr 15 Meter vorm Grauchen entfernt und entleeren Reste aus ihren Kisten – die Pelikane und die Mögen drehen völlig durch. Zeitweise kann ich Juan vor lauter Piepmätzen gar nicht mehr sehen, der mitten in diesem Spektakel steht. Huch! Unbeschadet und strahlend kommend er ein paar Minuten später zurück. Einmalig! Auch er hatte durchaus Herzklopfen, als die fliegende Meute grosser Vögel zum Sturzflug ansetzte…

Vergnügt fahren wir wieder nach Hause, essen eine Stulle. Ach ja: In Coquimbo habe ich auf der Strasse frisches Brot mit allerlei Samen und Körnern gekauft. Schmeckt wunderbar! Dazu ein Käffchen und dann dieses unbeschreibliche dolce far niente mit Blick aufs Meer. Die Sonne geht in einer guten Stunde unter. Dann werden wir einen Wein öffnen, ein riesengroßes Steak in die Pfanne hauen (ja, wir haben gelesen, was die WHO heute zum Thema Fleisch und Wurst von sich gegeben hat. But we don’t care), dazu einen Salat basteln, um dann erschöpft vor den Fernseher zu sinken. Champions League. Hier in Chile ein Thema. Wir gucken alles auf einem argentinischen Sender, der uns gestern ganz, ganz kurz das vorläufige Wahlergebnis aus Buenos Aires hochgerechnet hat, aber ausführlich darüber berichtete, dass Hoffenheim gegen den HSV verloren hat.

Es geht uns gut – haben wir das schon mal erwähnt? Wir würden auch zu und zu gern von Euch erfahren, wie es Euch geht. Also: Kommentiert mal!

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