Sturm über der Biscaya

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Erst hört man ihn, dann sieht man es auch dem Wasser in unserer kleinen Bucht Sablon in Llanes an: Ordentlich Wind zieht über der Biscaya auf. Wir gehen noch kurz an den Hafen frühstücken, sind froh, dass wir einen Hoodie anhaben. Es ist nicht wirklich kalt – 20 Grad! – aber durch den pfeifenden Wind ungemütlich.

Unser Ziel für heute ist klar: Frankreich. Zwar lag San Sabastian noch ganz gut im Rennen, aber diese Baskenstadt ist uns einfach zu teuer. Gleich hinter der Grenze in St.-Jean-de-Luz waren wir zwar schon einige Male, aber diese kleine Küstenstadt hat ihren Reiz noch nicht verloren. Bevor es losgeht, wechselt Juan noch ein Blinklicht vorn rechts, das es zum Glück gleich an der nächsten Tankstelle gibt.

 

Auf der 260-km-Strecke über die Autovia A8 – oft mit Meerblick – müssen wir in Cabezon de la sal aber noch einen Zwischenstopp einlegen: im Supermarkt Mercadona gibt es Dulce de leche, eine argentinische Spezialität für ausgeprägte Naschkatzen – da bevorraten wir uns ein bisschen.

 

Die Autobahn in Spanien ist überwiegend erfreulich leer. Klar, um Grossstädte wie Santander oder Bilbao ist etwas mehr los, aber in der Regel geht es eher gemächlich zu. Wir geniessen tolle Aussichten auf Berge, von denen wir nicht ahnten, dass es sie in dieser Höhe (bis zu 2500 Meter) in dieser Gegend gibt, sehen dem Meer beim Toben zu oder geniessen das tiefe Grün der Wälder und Felder.

 

Die Überquerung der Grenze nach Frankreich ist erwartungsgemäss problemlos, auch wenn wir feststellen, dass sich hier viele Polizisten tummeln. Man guckt auf Flüchtlinge, aber das wird nun auch nicht wirklich übertrieben…

 

Nur ein paar Kilometer weiter fahren wir von der Autobahn ab und nach Saint-Jean-de-Luz. Das kennen wir von anderen Reisen, aber diesmal scheint es uns ganz besonders zu sein. Liegt vielleicht am Sonnenschein und dem tobenden Meer, vielleicht haben wir auch einfach mal wieder Lust auf Frankrich. Das Hotel „Kapa Gorri“ ist in dieser Gegend und zu Pfingsten mit 71 Euro ein richtiges Schnäppchen. Die Verlängerungsnacht bis Sonntag würde laut booking.com gleich das Doppelte kosten. Oder? Der entzückende Hotelier erzählt von einer Stornierung, wir könnten für 75 noch eine Nacht länger bleiben. Das akzeptieren wir sofort. Das Zimmer ist so Frankreich, wie es überhaupt nur sein kann. Relativ spartanisch eingerichtet, gutes Bett, gutes Bad  – unaufgeregt. Gefällt uns!

 

Bevor wir den Ort, in dem man problemlos ein paar Wochen Urlaub machen kann, durchstreifen, suchen wir uns einen schicken Waschsalon, damit wir wieder proper durch die Lande streifen können. Während die Maschinen trommeln, sehen wir in den Nachrichten, dass der Sturm in der Biscaya bereits drei Opfer gefordert hat: Nur 800 Meter von der Küste entfernt ist ein Seenotrettungskreuzer gekentert – drei Retter sind ertrunken. Das tobende Meer und der steife Wind sind hier in St. Jean überall spürbar. Niemand verliert den Respekt vorm Ozean.

 

Wir bringen unsere Wäsche ins Hotel und lassen uns an der Küste entlang einfach durch den Ort treiben, studieren überall Speisekarten und lassen uns dann in einer gut besuchten Brasserie auf einem Platz nieder. Weisswein, dazu ein bisschen Lomo und ein Confit de Canard – alles fein. Zum Glück können wir den Crêpes au Grand Marnier nicht widerstehen; wir rollen die Augen vor Glück. Dazu wundebare Menschen zum Gucken. Schräg gegenüber sitzt ein ganz typisches Mädchen aus der Region, das mit Händen und Füssen spricht, mit den Augen rollt und trotz eines superkurzen, ganz geraden Ponys nicht bekloppt aussieht. Ach, diese Typen hier! Ganz wunderbar…

 

Pünktlich zum Sonnenuntergang stehen wir wieder auf der Promenade und beobachten die Brandung, die direkt vor der sinkenden Sonne an eine Schutzmauer knallt – spektakulär. Mannomann oder mon dieu: Es geht uns verdammt gut!

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