Spanien hat uns wieder!

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So schön es in Porto auch gewesen ist, der Weg hinaus aus der Stadt ist fürchterlich. Selber schuld, denn wir wollen ja unbedingt an die Mündung des Duoro in den Atlantik. Das wollen neben den normalen, zahlreichen Sonntagsbummlern auch zigtausend andere, die offenbar einen Volkslauf veranstalten. Die können ja rennen, wohin sie wollen, aber dass dafür alle wichtigen Strassen abgesperrt werden, ist desaströs. Nicht nur wir, auch viele, viele Portugiesen suchen einen Ausweg. Es kostet uns mehr als eine Stunde, bis wir endlich auf der Autobahn Richtung Norden sind. Und maximal genervt. So sehr, dass wir den Kurztrip nach Braga einfach ausfallen lassen. Kein Mittelalter, keine Kathedrale, nur weg!

 

Die A 28 führt uns knapp 100 km nach Norden fast an den Minho, den Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien. Auf der Brücke gibt es ein zugespraytes Europaschild, aber sonst keinerlei Hinweis auf eine Grenze. Natürlich auch nicht darauf, dass hier die Uhr wieder anders tickt, es nämlich eine Stunde später ist als jenseits der Brücke. Aber wir sind ja pfiffig…

 

Unser erstes Ziel in Spanien ist A Guardia an der Ecke von Atlantik und Rio Minho. Schon der Weg dahin ist schön. Galizien! Wir fahren mal wieder durch zauberhafte Weinberge und an wetterpolierten Felsen vorbei, bremsen am ersten Rondell zum tanken. Das Benzin ist in Spanien gleich 30 Cent billiger als in Portugal: 1,38 – haben wir lange nicht mehr gesehen. Vom Gesparten kriegt das Auto eine Dusche und ist wieder todschick, als wir in den Hafen von A Guardia kommen. Niedlicher, verwinkelter Fischerort mit dümpelnden Bötchen und klönenden Senioren am Kai.

 

Und schon geht es um die Ecke, auf die Küstenstrasse direkt am Atlantik entlang. Das ist fast ein bisschen wie in Maine hier – wild, schön, malerisch. Irgendwo biegen wir kurz ab und sehen eine sehr hübsche Sandbucht mit Restaurant. Leider ist es noch zu früh für uns zum essen. Aber was hier vorbeigetragen wird, ist kaum zu fassen. Wir trinken einen Kaffee und blicken neidvoll auf Fisch, Fleisch, Paella, Mariscos, weisse Weine, rote Weine – ohmannomann!

 

Die Strasse ist nicht nur auf der Karte grün eingezeichnet – sie ist wirklich bildschön! Das Meer ist wild, die Welle klatschen gegen Felsen, zwischendurch immer mal wieder Sandstrände, aber alles ganz naturbelassen. Es ist mit 20, 21 Grad auch deutlich kühler. Insgesamt: Fantastisch! Hin und wieder sehen wir Pilger, die die Strecke von Porto nach Santiago de Compostela oder wenigstens Abschnitte davon laufen. Allein, zu zweit, in kleineren Gruppen. Zu erkennen sind sie immer an den handtellergrossen Muscheln, die gut sichtbar am obligatorischen Rucksack angebracht sind. Ein paar Örtchen liegen noch auf den nächsten Kilometern bis Baiona. Da wollen wir hin. Es ist der äusserste Westen der Ría de Vigo. Die Rías von Galizien sind berühmt – es sind tiefe Meereseinschnitte, meist mit felsigen Ufern. Fjorde…

 

Nun also Baiona. Eine grosse, uralte Festung thront über dem 12000-Seelen-Ort, aber richtig begeistert sind wir vom Hafen, der Promenade, dem Gewimmel. Im Vorbeifahren sehen wir das Hotel Caes – alt, irgendwie besonders und ganz klar mit Blick, wenn man das richtige Zimmer bekommt. Das buchen wir vorsichtshalber mal gleich über booking. Und auch gleich zwei Nächte, weil es hier so hübsch ist. Gibt zwar keine Parkplätze, aber irgendwie wird ja immer alles gut. An die Rezeption geht es durch eine Bar, in der lauter Einheimische sitzen und Fussball im Fernsehen gucken. Unser Zimmer (kostet übrigen 47,50/Nacht) liegt im zweiten Stock. Und wir fassen es kaum: Gross, hell, mit zwei Sesseln und direktem Hafenblick. Keine Air condition, aber lauter Fenster, die man aufmachen kann. Nicht zu glauben, wie schön das hier ist. Das Auto kommt überteuert in die Tiefgarage unter der Festung, aber so what?

 

Der Hafen, die promenierenden Menschen, der Blick auf die Islas Cies, die die Ría vor dem offenen Meer schützen und mit dem Playa Rondas einen der schönsten Strände der Welt (!) haben sollen – unser Ausguck vom Zimmer ist einfach nur wunderbar!

 

Nun müssen wir aber mal sehen, dass wir auch etwas zu essen bekommen. Ganz anders als in Portugal machen hier einige Restaurants Sonntag abends ganz zu, andere öffnen nicht vor acht. Uns ist noch ganz schwummerig von den sagenhaften Platten vorhin in der kleinen Bucht. Also knurrt uns ein bisschen der Magen, aber wir werden bald etwas Schönes für uns finden…

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