Ruhig funktioniert anders…

Wir hatten tolle Pläne für heute, unseren vorletzten kompletten Tag in Washington. Nichtstun hießen die Programmpunkte 1 bis 100. So ganz hat das dann wieder nicht geklappt…

 

Es ist ein Jahrhundertfrühjahr, über das sich Washington gerade freut. 30, 32 Grad, aber in Texas und auch in Regionen, die wir gerade besucht haben, regnet es so sehr, dass an einigen Orten der Notstand ausgerufen werden musste. Wir gucken uns das auf CNN an und frühstücken in aller Ruhe erst einmal in der Hotellobby. Unser Apartmenthaus ist total international. Wir hören Schweizer und Deutsche, Araber und Chinesen, Japaner, Engländer, Argentinier und Amerikaner. Erstaunlich, wie sich die Frühstückskultur in den Hotels und Motels in den letzten Jahren etabliert hat: Toast, English Muffins und süße Muffins sind Standard, Butter, Jelly, Cereals, Joghurt und Frischkäse gibt es auch überall. In den Georgetown Suites außerdem noch einen frischen, ungesüssten Obstsalat. Sogar der Kaffee ist erträglich. 

 

Nach dem Frühstück räumen wir erst einmal den blauen Frosch, unseren treuen Nissan Versa, aus. Erstaunlich, wieviel Karten- und Prospektmaterial sich angesammelt hat! Uschis letzte Info auf dieser Reise führt uns direkt zur Union Station, dem Hauptbahnhof. Bei Alamo geht es reibungslos zu. Zwei Minuten nach dem Parken sind wir mit dem Thema durch, blinzeln dem blauen Frosch noch einmal zu, packen Uschi ein und trollen uns. Zu Fuß vorbei am noch immer eingerüsteten Capitol bis zur Independence Avenue: Sieht auf der Karte nach einem Katzensprung aus, zieht sich aber hin.

Wir wollen in die Museen der Smithonian Institution, zunächst ins Space Museum. Hier wird lebhaft erklärt, wie man aus der Luft Krieg führt und den Weltraum erobert. Letzteres haben wir in Hartfield natürlich viel besser gesehen. Der nächste Stop ist wesentlich interessanter: das Museum der Native Americans, also der Indianer. Hier bleibt einem schon einmal die Luft weg, weil man sehr konzentriert darüber informiert wird, wie die Siedler und natürlich auch sämtliche Politiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts versucht haben, die Indianer auszurotten. Es gibt keinen einzigen Vertrag, der nicht gebrochen wurde, niemanden, der sich früher mal für die Indaner eingesetzt hätte. Erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges organisieren sich die verschiedenen Stämme und fordern Rechte ein. Die eindringlichen Filme, die gezeigt werden, kommentiert übrigens Robert Redford (eine Sonderinfo für eine sehr, sehr liebe Freundin).

 

Das Museum der Afroamericans wird erst 2016 fertig sein, also tapern wir durch die schweißtreibende Hitze weiter ins National Museum of Art. Der Ostflügel wird gerade umgebaut, also unterirdisch durch einen sternenbeleuchteten Tunnel in das westliche Gebäude. Eines muss man unbedingt erwähnen: Sämtliche Museumsbesuche entlang der National Mall sind kostenlos. Am Eingang gibt es nur einen Sicherheitscheck, schon ist man drin. Sehr lobenswert! Ein bisschen Moore, ein wenig Dürer und Spuren von Matisse, Mondrian und van Dyke später gucken wir mal ins Museum of Natural History. Erwartungsgemäss ist es hier voll: Schulklassen freuen sich über Neandertaler und Walhaie, ganz spannend gemacht! Danach, man kann es vermuten, sind wir platt. Wir haben auch keine Lust mehr, einen einzigen Meter zu laufen, aber noch einen Stop eingeplant: shopping bei Marshalls. Dahin, ins National Press Building auf der 14., fahren wir mit dem Taxi. Den Gürtel, den sich Juan kauft, können wir gerade noch so tragen 🙂 Eine halbe Stunde und ein, zwei Meilen zu Fuß später klettern wir auf der K Street müde in den Circulator Bus, der direkt vor unserer Haustür hält.

 

Die einzige Anstrengung, zu der wir im Moment neben einem bisschen Tastengeklimper online noch fähig sind: Wir trinken ein Gläschen Chardonnay. Und legen die qualmenden Füße hoch…

 

 

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Kommentar (1)

  1. Andrea

    Schweißtreibende Hitze – ach, wie wäre das schön 🙂
    Fein, dass es Euch gut geht und noch besser, dass Ihr nicht in Texas seid. Oder gar in Mexiko. Bei Euch weiß man ja nie.:-)

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