Nikolaus am Glaciar Perito Moreno

Das Hotel in El Calafate hat im Wesentlichen nur einen Nachteil: kein wifi. Also checken wir nach dem Frühstück aus und überlegen, wohin wir nun wohl mal gehen. Statt eines Hotels suchen wir erstmal den Weg in den Nationalpark Los Glaciares, den wohl grössten zusammenhängenden Gletscherpark der Welt.

Auch hier waren wir vor 20 Jahren schon mal. Und nach dem Erlebnis bei den Wasserfällen von Iguazu – alles fürchterlich modernisiert – beschleicht uns ein durchaus banges Gefühl: Was haben sie wohl hier, am Glacier Perito Moreno, veranstaltet, damit die Massen ihre Freude an dem kalbenden Gletscher hat?

Die Anfahrt, ungefähr 60 Kilometer, ist schön. Hügeliges Land, ein paar Kühe, ein paar Guanakos, der Lago Argentino in faszinierendem Türkis im Hintergrund. Allerdings stellen wir fest, dass die Wassermenge hier erheblich zurückgegangen ist. Hotels, die mit Seeblick werben, müssen inzwischen ein Fernglas reichen…

Ein, zwei Stündchen nach der Abfahrt kommen wir am Gate an: Ausländer zahlen 260 Pesos, argentinische Rentner nichts. Ausserdem vertut sich das Mädchen auch noch um einen Hunderter – wir kommen also für 160 Euro auf die 30 Kilometer lange Schlängelstrasse am See entlang, die zum Parkplatz vor dem Gletscher führt. Von dort gibt es einen Shuttle zu den Aussichtsterrassen. Das hört sich zunächst unheimlich an.

Aber auch hier ist der Weg schon einmal toll – und asphaltiert. Irgendwo, vielleicht bei Kilometer 26 oder 27, erhaschen wir einen ersten Blick auf den für mich immer noch schönsten Gletscher der Welt. Wir parken das Grauchen etwas später, sehen uns das Restaurant mit direktem Blick auf den Gletscher an, nehmen den Shuttle und dann den ersten Weg. Es beginnt zu nieseln – so ist das immer, wenn ich am Perito Moreno bin 🙂

Wir treffen ein Paar aus Ushuaia, das schon sehr häufig hier war und dem auch aufgefallen ist: Der Gletscher hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verkleinert. Er ist zwar, heisst es, immer noch so gross wie Buenos Aires, aber der Klimawandel hat hier bereits ein böses Spiel gespielt.

Auch wenn er etwas kleiner geworden ist: Der Gletscher ist ganz und gar hinreissend!. Es gibt verschiedene, parallel zu der Wand angelegte Wege. Die haben die Parkmenschen allerdings so gut hinbekommen, dass sie keineswegs nerven. Ausserdem gibt es überall kleine Terrassen, von denen aus man den Gletscher quasi auch mal für sich allein hat. Durch die geschickte Konstruktion der Wege ist es auch gelungen, den Touristenstrom auseinander zu ziehen. Ausser unter den Dächern, unter denen man mal Schutz vor dem eisigen Wind, der vom Perito Moreno weht, suchen kann, sind kaum Menschentrauben anzutreffen.

Unsere Bewunderung für das Naturschauspiel ist grenzenlos. Zwar ist es im Moment noch nicht die richtige Jahreszeit, in der der Gletscher ständig kalbt, also große Stücke in die milchige Seenplatte wirft, aber das macht nichts. Er ist auch so sehr, sehr schön. Wir fotografieren zwar aus allen Winkeln und Ecken, aber das echte Bild können wir doch nicht wiedergeben. Wenn man die Winzigkeit der Boote sieht, mit denen an die Wand herangefahren wird, bekommt man vielleicht einen Eindruck von der ungeheuren Masse Eis, vor der man hier steht.

Wir bleiben zwei oder drei Stunden, machen uns dann zu Fuss auf den Rückweg. Hier ist es noch einsamer, was möglicherweise daran liegt, dass man ein paar Treppen steigen muss. Aber alles völlig ungefährlich. Wären wir mit dem Shuttle gefahren, hätten wir auch die Abschleppaktion nicht mitbekommen: Ein Eisberg musste zur Seite geräumt werden, damit die Passagiere unbehelligt auf das Ausflugsboot klettern konnten. Sieht man ja auch nicht alle Tage, dass so ein Koloss abgeschleppt wird!

Zurück beim Parkplatz gibt’s ein Bier und eine Kleinigkeit zu essen im Restaurant with a view, dann machen wir uns langsam auf den Rückweg nach El Calafate.

Leider hat uns der Nikolaus nicht einfach ein Hotel geschenkt, sondern wir machen uns schmallippig mal wieder auf die Suche. Alles Mist und/oder Tür. Irgendwann haben wir die Faxen dicke: Zum Schluss wird es ein luxuriöser Kasten, um den ganz wunderbar der patagonische Wind pfeift. Wenigstens gibt es hier wifi. Endlich kann man mal wieder was in andando packen und ein bisschen Quizduell spielen. Und vom Nikolaus träumen, der unsere Freunde hoffentlich reich bedacht hat.

Kommentare (4)

  1. c

    Hammer+Ambossstarke Gegend. Kenn die Gegend gezze wie meine Westentasche, dank street- view und Eurer genauen Beschreibung..Weiter so, immer weiter, immer weiter, im we, i w …..
    c

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    1. admin (Beitrag Autor)

      Eingenickt? Och, och…

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  2. Jutta

    Das ist wahnsinn, einfach nur beneidenswert, impressionante….bin begeistert. Auch die nacht im zelt war (zumindest für mich) nachvollziehbar …..und dann dieses sensationelle kochgerät….spätestens da hab ich mir gewünscht mal schnell auf einen kaffee vorbeizukommen..
    Ihr seht sooo zufrieden aus…weiter so !!!

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    1. admin (Beitrag Autor)

      jederzeit willkommen! 🙂

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