Lauter nette Menschen

Was soll das denn werden? Es regnet nicht, es giesst. Und giesst. Und giesst. Bruder Thomas mutmasst spöttisch in Übersee, jeder Kanadier würde sich demnächst seine eigene Arche bauen. Naja, irgendwie haben wir das ja auch gemacht. Wir sind immer noch unschlüssig, wie es mit uns weitergehen soll. Vielleicht können wir bei Pebbles abwettern? Ab Mitte nächster Woche soll’s ja besser werden. Ich kann wegen der gekreuzte  Finger kaum tippen…

Am frühen Morgen kramen wir in der Wohnung rum, basteln hier und da, müssten aber eigentlich mit dem Einräumen beginnen. Geht nicht, wird alles klitschnass…Stattdessen wasche ich in Pebbles Maschine einen Kessel Buntes, schnacke ein bisschen mit ihr über Gott, die Welt und Mr. Trump, um dann eine weitere Nacht klarzumachen. Also geht es nun Sonntag los. 

Unsere Alternative zu Vancouver Island ist auch nicht prickelnd: Das Okanagan Valley, berühmtes Weingebiet ca. fünf Stunden östlich, ist überflutet. Also können wir gleich an den Pazifik.

Aber noch nicht, denn wir haben – wer hätte es gedacht? – Pläne. Ganz oben auf der to-do-liste steht ein Besuch bei bcaa, dem hiesigen ADAC. Wir kurven wieder über die grosse Brücke nach North Vancouver und treffen im Automobilclub auf Mary Ann. Mit einem Blick auf unsere ADAC-Mitgliedskarte ist klar: man hilft uns, wo man kann und wie wir Hilfe im Falle eines Falles benötigen. Also das Rundum-sorglos-Paket, das mit unserer deutschen Mitgliedschaft auchbhuervgilt. Fabelhaft! Dazu versorgt sie uns mit hervorragendem Kartenmaterial und Spezialtipps. Einer ist ein Superrestaurant in Snoots, ganz in der Nähe von Victoria, dann ein toller Wanderweg bei Tofino. Dort war sie am letzten Wochenende gerade mit Mann gewesen. Sie zeigt und Bilder und warnt eindringlich vor wilden Tieren. Bären, Pumas – alles kreucht da drüben rum. Wir verabschieden uns nach einem halben Stündchen mit einer prall gefüllten Tüte und den besten Wünschen von Mary Ann.

Der nächste Stopp ist die Capilano Mall. Hier haben fünf der wichtigsten Mobilfunkanbieter Shops: Wir klappern einen nach dem anderen ab, immer auf der Suche nach einem möglichst günstigen Weg, mit einem mobilen Hotspot ins Internet zu kommen. Schliesslich soll es Tebus werden, wir kommen auch ganz weit mit dem Bengel vom Verkauf, nur will er unbedingt einen Pass sehen. Merde, der ist im Safe. Also immer noch nicht erledigt. Wir aber… Morgen wird das Paket klargemacht!

Der Tag ist auch schon fast wieder rum. Wir fahren nach Hause und packen ein paar Sachen in die Kiste, als Pebbles kurz vor einem Unwetter rauskommt: Sie werde nur noch schnell Pizza und Wein besorgen und ansonsten keinen Fuss mehr vor die Tür setzen. Pizza? Das lässt uns nicht mehr los. Leider ist ja unsere zauberhafte Vermieterin unterwegs, also muss das Internet helfen.

 

Ein paar Blocks weiter, auf dem Victoria Drive, gibt es eine Pizzeria namens Via Tevere. Offenbar Italiener der ersten Generation hier in Kanada, direkt aus Neapel importiert. Wir finden vor allem gut, dass sie einen richtigen Pizzaofen zu haben scheinen – die meisten anderen arbeiten nur mit Mikrowelle. Na, mal gucken. Jetzt ist es sogar sonnig draussen, also nix wie los. Wir haben auch einen Bärenhunger, deshalb sollten sie schon mal den Ofen vorglühen. Wir sehen die Pizzeria schon vor weitem, denn die Menschentraube, die davor wartet, ist wirklich nicht zu übersehen. Was soll’s? Spricht ja für den Laden. Wir reihen uns ein in die Reservierungsliste, eine reizende Lady an der Rezeption glaubt fest daran, uns schon in dreissig, vierzig Minuten einen Tisch geben zu können. Freitag abends in der Pizzeria, von der einige behaupten, es sei die beste in Vancouver. Ein Glückstreffer! Also gehen wir um den Block uns freuen uns über die schönen Häuser aus der Zeit der Jahrhundertwende (natürlich der vorvergangen!). Viel Holz und Schindeln, in den Gärten Leute, die den freitäglichen Feierabend feiern. Diese Gegend könnte uns auch gut gefallen. Muss man im Auge behalten. Zurück am Tiber dauert es nur noch einen kurzen Moment. Naja, alles in allem wird es dann doch eine Stunde, die Sonne geht unter und die Kälte krabbelt die Füsse hoch. Dann ist es endlich soweit. Bier, Pizza – beides von erlesener neapolitanischer Qualität. Hinterher gibt es noch eine fiese Schweinerei: Zum Espresso einen soeben gebackenen, luftig-duftigen Bagel, in Zucker gewälzt und mit  einem guten Tröpfchen Nutella verfeinert. Gott muss Italiener sein!

 

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