Italienische Nacht

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Wir müssen sehen, dass wir relativ zügig in Gang kommen: Um zehn erscheint Nadia, die Putzfrau. Da sind wir besser aus dem Haus. Der Plan: eine frühe Runde auf dem Golfplatz. Die Ernüchterung: Nebel, soweit das Auge reicht. Na gut, dann eben Plan B!

 

Gemütlich wandern wir zum Markt von Santo Amaro, trinken einen Kaffee und beobachten die Leute, die alle winterlich eingehüllt sind. Und das bei 17, 18 Grad. Eigentlich wirklich frühlingshaft. Der Haken ist die enorme Luftfeuchtigkeit, die alles klamm werden lässt.

 

Im Ort fällt uns ein, dass im Kulturzentrum neue Ausstellungen laufen müssten. Die sehen wir uns an. Eine Kölnerin zeigt Expressionistisches, eine Einheimische Phantasien in Schwarz-weiß. Auch Xie ist unterwegs; wir treffen uns auf der Promenade und gehen gemeinsam in die vielleicht finsterste Kneipe auf dem Strip. Ganz grosses Kino: Hinterm Tresen lauert ein grauhaariges Ömchen und bellt laut los, als sie mitkriegt, dass wir ein Foto von der schütteren Einrichtung machen wollen. Die kleine Person mit ihrer Kittelschürze hat richtig, richtig schlechte Laune. Wir trinken je einen Wein aus dem Pappkarton und insgesamt vier Expressi. Kostet zusammen 3,60. Und hat diesen berühmten 1000-Dollar-Unterhaltungswert. Ömchen wird milder, als sie von einer jüngeren Frau, ebenfalls in Kittelschürze, abgelöst wird und sich ihrer Suppe widmen kann. Wie ein Gemälde…

 

X geht danach ins Museum (!), wir fahren mit dem Bus nach Haus und verbringen einen wunderbaren Nachmittag mit Nichtstun in der adretten Höhle. Einziges Vorkommnis: Verabredung mit unseren Deutsch-Schweizern aus dem 7. Stock mit XYs nächsten Donnerstag.

 

Halb sieben verlassen wir zu Fuss die Bude und treffen unsere Hamburger vor Steves Restaurant. Inzwischen werden wir dort wie alte Bekannte und/oder Stammgäste begrüsst. Der Schotte hat heute Osso buco für uns gekocht, dazu selbstgemachte Bandnudeln. Ach, er kocht wirklich göttlich! Wir haben kaum Musse, miteinander zu reden, damit die Köstlichkeiten nicht kalt werden. Er hat sich mal wieder übertroffen. Knapp vier Stunden waren die Beinscheiben im Gemüsebett im Ofen, ganz zum Schluss eine Handvoll Gremolata darüber – einfach köstlich. Und auch die Bandnudeln: perfekt. Er hat sie mit der Maschine geglättet, dann per Hand geschnitten, al dente gekocht und kurz in Butter geschwenkt. Kein Wunder, dass er bei diesem Aufwand keine Lust mehr hatte, ein Dessert zu zaubern! Stattdessen schnacken wir noch ein bisschen. Steve hat nit nur bei Robert Mondavi gekocht, sondern auch im Opus One, dem gemeinsamen Weingut der Familien Mondavi und Rothschild und wohl das beste, was das Napa Valley zu bieten hat. Ob er dort in Kalifornien jemals Gäste mit der italienischen Spezialität verwöhnt hat, vergesse ich zu fragen. Wir schwelgen einfach im Genuss.

 

Haben wir noch Lust, nach diesem Festmahl zu Fuss den Berg hinaufzukrabbeln? Nicht wirklich. Wir bestellen einen Uber, der uns für 2,50 nach Hause bringt. Ganz sutsche, ganz gemütlich…

 

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