Grenzfahrt nach Portugal

Eher langweilig zu berichten, dass es in Burgos heute morgen schon wieder gießt. Also kein Sightseeing, keine Lust auf Museum, sondern frühstücken und ab. Das Frühstück in unserem Hotel genau an der Kathedrale von Burgos: bemerkenswert. Auswahl so ungefähr wie bei Edeka an der Frischetheke, dazu Brot und Obst und guter Kaffee.

 

Durch das enge Gewirr der Altstadt hangeln wir uns bei Regen, Nebel, schlechter Sicht auf die Landstraße mit Kurs auf Benavente. Wir wollen weder große Kultur noch sonst was, sondern einfach nur gucken und vorankommen. Durch riesige Felder, vorbei an knorrigen Bäumen und den traurigen Resten der letztjährigen Feuersbrünste schlängeln wir uns durch menschenleere Dörfer, sehen wunderbare gotische und spätere Kirchen und Palais, teilweise verfallene Paläste mit bewegter Geschichte. Wie es hier wohl vor 100, 200 Jahren ausgesehen hat? Wahrscheinlich sehr ähnlich nur ohne elektrisches Licht.

Apropos Licht: Je weiter wir nach Westen fahren, desto besser wird das Wetter. Zwar klettert das Thermometer selten über 10 Grad, aber wir befinden uns auch auf einer Höhe von 800 bis 1000 Metern. 

Der Himmel ist mittlerweile blau, auch die verwesenden Trecker am Strassenrand sehen nicht mehr ganz so fürchterlich aus im Sonnenlicht. Den Bergen und Felsen wird von ihrer Bedrohlichkeit genommen, wir fahren fast allein auf der N631, an deren Ende uns der Hunger packt.

Intuitiv laufen wir kurz vom Mobuey den nächsten Truckstop, Bauarbeiterkantine und einfach grossartigen Laden an. La Ruta heisst die Bude, zu der sogar ein 1-Stern-Hotel gehört. Ein winziger, knurriger Kellner knallt uns die speckig laminierte Speisekarte auf den Tisch, bringt erst die alkoholfreien Biere, dann die Vorspeisen: Linsen- bzw. Gemüsesuppe, jeweils am Tisch mit einer Kelle aus dem Topf geschöpft. „Mehr?“. „Nö. Gracias.“ Der Laden ist gegen 14 Uhr brechend voll, zügig kommen die Hauptgerichte. Eine Art Gulasch und gegrilltes Schweinefilet. Hinterher passen auch noch hausgemachte Flans und Espressi. Bis auf den Kaffee gehört alles (inkl. Bier) zum Menüpreis von 12,50 pro Person. Wieder einmal Hausmannskost wie von der Oma.

Bis nach Chaves im äußersten Norden von Portugal sind es noch knapp 100 Kilometer, die erledigen wir per Autobahn. Unspektakulär der Grenzgang, spektakulär das Hotel, das wir schon bei booking gesehen hatten: das Premium Chaves aquae flaviae mit Wellness und allem Pipapo. Ich muss gar nicht erst mit dem online-Preis von 48 Euro anfangen: Die Lady an der Rezeption will sowieso nur 45. Unglaublich: Großes Zimmer, Tiefgarage, alles picobello. Für den Preis gibt es in Hamburger Hotels mit Glück Frühstück für zwei.

Uns steht der Sinn nach Nichtstun, aber wir haben ja Zeit, zumal die Uhr in Portugal eine Stunde zurückgestellt wird. Die nutzen wir und laufen nur kurz ein, zwei Kilometer zum Beginn der Ruta Nacional 2, die wir ab morgen nach Süden fahren werden. Eigentlich wollen wir nur den Anfangsstein der Strasse finden, aber den finden wir schon mal nicht.  Dafür aber einen Leclerc, in dem es Baguette, Schinken, Käse und einen hoffentlich überaus guten Roten gibt. Unser Abendessen-Picknick im Hotel.

Online findet Juan später heraus, wo sich der dumme Stein mit der 0 für die Rn 2 befindet. Auf einem anderen Kreisel, bei dem die Strasse noch gar nicht beginnt. Naja, wie es sich gehört, werden wir morgen davor stehen und doch noch mit den Augen rollen.

Den Fernseher im Hotel checken wir gewohnheitsmäßig auf Programme. Neben portugiesischen und spanischen, Al Jazeera und Fox, Sportkanälen aller Art glänzt Deutschland mit RTL. Jemine! Aber warum Fernsehen, wenn es doch Bücher gibt?

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