Grauchen – Grünchen

 

Es ist ziemlich windig, als wir Puerto Natales gegen zehn verlassen. Der Himmel ist grau, 10 Grad fühlen sich an wie 5. Wir machen uns auf den Weg nach Norden, in den Nationalpark Torres del Paine. Mal gucken, ob es wirklich so schön ist, wie es heißt. Die Straße macht die ersten 40, 50 Kilometer einen guten Eindruck, dann geht es wieder auf die Schotterpiste Richtung Südeingang. Sie nennen es die neue Strasse, und wir sind froh, dass wir die alte nicht kennen. Erbärmliches Geschaukel, ohne Allrad wäre es richtig doof.
Schon von weitem sehen wir das atemberaubende Panorama der Torres. Mannomann. Es soll einmalig auf der Erde sein – das glauben wir sofort. Schon 1958 haben die Chilenen dieses großartige Gebiet zum Nationalpark erklärt, 20 Jahre später wurde es von der UNESCO zum Weltnaturerbe erhoben. Und mittenmang: wir…
Eintritt 28 Dollar pro Nase, aber der Erlös wird eindeutig nicht in die Straße investiert. Wir gucken uns, sozusagen zum Warmwerden, schon mal einen Campingplatz an. Nicht schlecht, aber irgendwie komplett am Rande des Geschehens.
Also fahren wir an den Lago Pehoe, ins Zentrum des Parkes. Auf den Campingplatz. Wir sind ja in einer solchen Form Camping-doof, dass man es kaum glauben kann. Erst einmal laufen wir über den Platz, gucken uns die unterschiedlichen Parzellen an, entscheiden uns endlich für Nr. 4. Jeder Platz hat hier eine Art Unterstand mit Tischen und Bänken, zur Not kann man darunter auch das Zelt aufbauen. Wir entscheiden uns für ein Stück Wiese. Juan baut, ich versuche, nicht im Weg zu stehen. Endlich steht unsere neue Heimat. Grasgrün außen, mit einem Extrazelt innen. Unser selbstaufblasende Matratze bläst sich erwartungsgemäß auf, Schlafsäcke werden deponiert. Großartig.
Nach so viel Action brauchen wir etwas fürs Auge, fahren eine knappe Stunde bis zum Lago Grey. Hier gibt es einen Gletscher, der in den See kalbt. Wir parken, laufen ein paar Kilometer und finden den Gletscher ausgesprochen mickrig. Die Eisberge erinnern unisono an untergehende Schiffe. Aber die Farbe ist natürlich sensationell, zumal der Himmel längst aufgerissen ist. Sehr schön. Wir tapern zu den Eisbergen und zurück, übrigens über eine für mich fiese Hängebrücke, die ordnungsgemäß schwankt wie bekloppt.
Dann sind wir wieder bei unserem Zelt, das man wegen der Farbe durchaus Grünchen nennen könnte.
Juan kocht. Es gibt frische Ravioli aus der Kühlung mit einer Tomatensauce aus der Tüte, vorweg Avocados. Dazu selbstverständlich einen hervorragenden  Wein. Wir haben natürlich alles dabei; einen Kocher, sogar einen Toasteraufsatz für die Gasflamme, Geschirr, Besteck, Kerzen gegen die Moskitos. Es ist toll hier! Langsam wird es kühl. Wir sind echt gespannt, wie wir hier schlafen. Kostet übrigens 25 Dollar die Nacht, ungefähr so viel wie ein Hostel irgendwo sonst in Chile. Aber wir haben ja unser Zelt und den ganzen Krimskrams und lachen uns eins.
 
 
 

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