Grau in Grau in Ushuaia

 

Pünktlich um halb zehn stehen wir vor der Nissan-Werkstatt in Ushuaia, die nach dem Freitag-Feiertag und dem folgenden Wochenende endlich wieder ihre Pforten öffnet. Der Besuch dauert nicht lange: Die Arbeit, die der Feinmechaniker machen soll, um die Kurbelwellenscheibe zu reparieren, hört sich nach Pfriemelkram an. Das machen wir gar nicht erst; wir müssten dann doch bald wieder in die nächste Werkstatt.
Also lieber gleich Plan B: Das Originalersatzteil muss  aus Buenos Aires eingeflogen werden. Auf den Rat der Mechaniker hin lassen wir das Auto gleich in der Werkstatt stehen – sicher ist sicher.
Ushuaia ist heute grau und kalt, deshalb schnappen wir eines dieser unsäglich räudigen Taxis, frühstücken kurz im Ort und sind dann auch schon wieder im Hotel, das wir mal gleich um zwei weitere Tage verlängern. Zum Heulen.
Glücklicherweise hat Juan Donnerstag noch das richtige Ersatzteil bestellt; morgen Nachmittag müsste es abholbereit sein. Aber, oh Wunder, es soll schon heute Mittag da sein.
Damit setzt sich die klitzing’sche Familienmühle in Gang. Juan telefoniert mit seinen Geschwistern. Ana koordiniert von Buenos Aires aus, Juan von Feuerland, Federico setzt sich in Bewegung. Geld holen, weil Nissan unsere Kreditkarte nicht will, dann zur Werkstatt irgendwo in Buenos Aires, anschließend zum nationalen Flughafen Newbery in der Capital.
Wir beschließen, derweil ein bisschen zu wandern. Was man in unserem Kellerrefugium nicht gesehen hat: Es regnet cats & dogs. Das hebt die Laune…
Heute Morgen, auf dem Rückweg in die Stadt, haben wir nicht nur ein Schiff der Hurtigruten im Hafen gesehen, sondern nördlich davon auch eine Mall.
Das entzückende, stark überschminkte Frollein an der Rezeption händigt uns ein Gutscheinheft aus, darin enthalten sogar ein Coupon fürs Taxi. So soll der Kaufrausch angekurbelt werden. Wir nehmen eine neuerliche Klapperkiste in Anspruch, die unterwegs noch dreimal absäuft. Ich seh uns schon im Regen stehen. Aber mit dem letzten Röcheln des Autos halten wir dann doch vor der Mall. Sie ist erwartungsgemäß langweilig und ziemlich leer. Also essen wir ein Häppchen, erkennen, dass es etwas aufklart und machen uns zu Fuß auf den Rückweg in die Stadt. Drei, vier Kilometer. Trocken, aber sehr, sehr windig. Der Wind kommt von Südwest, also direkt vom Südpol, der knapp 3000 Kilometer entfernt liegt. Dahin will übrigens Arved Fuchs, der gerade mit seiner Dagmar A. im Hafen von Ushuaia liegt. Nach einem kurzen Zwischenstopp geht der Törn auf dem Traditions-Haikutter von 1931 weiter nach Süden…
Wir laufen also gegen den Wind, weisen amerikanischen Touristinnen noch den richtigen Weg ins Casino (Jaha! Wir kennen uns aus in Ushuaia!), verspielen im Casino verbissen jeder 2 Euro, erfahren, dass unser Ersatzteil durch den Zoll (Feuerland ist Sonderzone) und auf den Weg mit LAN Airways zu uns ist.
Mit Glück können wir einen Tag früher abhauen. Es wäre ein Traum. Weniger traumhaft ist der Graupelschauer, den uns auf dem Weg ins Hotel erwischt. Durchnässt und durchgefroren machen wir es uns erst einmal in der dunklen Höhle gemütlich und hoffen, dass sich bald alles zum Guten wendet…

2 Kommentare zu „Grau in Grau in Ushuaia“

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