Frühstück de luxe

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Irgendwas liegt in der Luft. Es ist verhältnismäßig frisch am Morgen, und es ist sehr ruhig. Oder? Von irgendwoher dringt Musik in unsere Hütte. Ganz leise, ganz sanft.

 

Erst auf dem Porch wird die Beschallung wahrnehmbarer. Musik vom Pool. Das ist neu. Ich seh mal nach und finde Vanni, der unter einem Sonnenschirm döst und Verdi genießt. Vanni ist auf der Flucht: die Putzfrau ist da. Paola, eine ehemalige Barista, macht erst das Haus der Gastgeber proper, dann unseres.

 

Kaum bin ich zurück auf unserer Terrasse, nähern sich Nicoletta von links und Vanni von rechts. Nicoletta bringt ein paar Blümchen für den Tisch vorbei, Vanni bittet darum, eine Ersatzglühbirne fürs Bad auf dem Schrank zu deponieren. Wie so oft kommen wir vom Hundertsten ins Tausende, sprechen vor allem über Wein. Den macht Vanni selbst. 20 Jahre habe es gedauert, bis er einen ordentlich Roten zustande gebracht habe. Mit vielen Fehlschlägen. Aber als Wissenschaftler wollte er es genau wissen und hinter die Geheimnisse des Kelterns kommen. Er könne uns das gern mal zeigen. Nicoletta schlägt die Hände überm Kopf zusammen: Bloss nicht!

 

Etwas später ist Vanni wieder da: Ob wir Lust hätten auf eine kleine Tour? Natürlich, keine Frage! Wir folgen ihm hinter den Turm Richtung Weinberg. Im Hügel gibt es verliesartige Verschläge. Hier macht Vanni seinen Wein. Ganz allein. Er erklärt uns in einem Mischmasch aus Italienisch und Englisch jeden einzelnen Schritt. Zurecht ist er mächtig stolz auf seine Anlage, zu der auch eine Pumpe gehört, die durch einen alten Waschmaschinenmotor angetrieben wird. Alles Marke Eigenbau. Wir sind beeindruckt.

 

Rund 800 Liter Chianti produziert Yanni hier in Handarbeit. Und manchmal brennt er auch einen Schluck Eau de vie. Niemals Grappa aus dem Trester, denn das sei gefährlich. Durch das Freisetzen von Methanol könne man blind werden, sicher aber verrückt. Überhaupt sei das mit den Grappe so eine Geschichte. Denn es gebe nur einen echten Grappa und der sei aus dem Veneto und schmecke ein bisschen nach alten Socken. All die anderen mit Grappa etikettierten Buddeln seien Eaux de vie, aus Wein und nicht aus Trester gebrannt.

Übrigens: Auch die Korken kommen aus eigener Herstellung. Wenn wir mal sehen möchten… Wir möchten und landen erstmalig im Haupthaus in einer Küche wie aus einem verwunschenen Landhaus des vorvergangenen Jahrhunderts.

Nicoletta hat noch etwas mit Paola zu besprechen, kommt dann aber dazu und hört, wie Vanni die verschiedendsten Dinge wie zum Beispiel die professionelle Aufschnittmaschine erklärt. Die hat er in Bern ergattert, als er für CERN arbeitete und das Institut seine Kantine modernisierte. Ein Schmuckstück! Das allerdings ständig in Betrieb ist. Oder seine Erfindung eines Trägers für zwei Weinflaschen, gefertigt aus einem einzigen Stück Draht. Oder, oder… Ach ja, Honig macht er auch mit seinen Bienenvölkern und füllt uns gleich etwas ab.

Irgendwann sitzen wir zu viert um den grossen Tisch vor einem Glas Weisswein. Unser Frühstück. Weil man ja zu Wein immer etwas essen muss, verschwindet Vanni und taucht wenig später mit einem Körbchen frischer Minitomaten aus dem Garten wieder auf. Er kocht für uns. Spaghetti mit den Tomaten, Parmesan und Basilikum. Und Knoblauch, viel Knoblauch – himmlisch. Wer mag, kippt sich noch ein bisschen hauseigenes Olivenöl darüber.

Zum Essen gibt es Wein aus der Wand: Vanni hat sich einen Holzkasten gebaut, darin in einem Kunststoffbehälter mehrere Liter Wein gelagert. Über einen Hahn kommt er sozusagen aus der Wand. Wir schwelgen und geniessen, erzählen, irgendwann wird nur noch Italienisch gesprochen, das ich mit jedem Schluck Chianti besser verstehe, aber Englisch oder Spanisch oder irgendwie beantworte. Zum Abschluss gibt es Käse und Obst und noch einen Espresso. Was für ein grossartiges Erlebnis! Wir beenden unseren Lunch mit einem kühlen Bad im Pool, um wieder nüchtern zu werden. Sonst sehen wir schwarz für die abendlichen Fußballspiele.

Warum jetzt am Nachmittag schon andando? Weil der Tag nicht besser werden kann.

Kommentare (4)

  1. Karin

    Das tönt nach einem Tag ganz nach meinem Geschmack. Geniesst es mit für mich.

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    1. admin (Beitrag Autor)

      Danke, liebe Karin, das werden wir

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  2. anel

    Disfrutenlo por mi también! Cuanto encanto que tiene ese lugar y hermosas fotos como siempre.

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    1. admin (Beitrag Autor)

      Lo haremos. Y gracias

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