Entscheidung auf dem Parkplatz

21DBC829-7639-43B4-8A62-F1666B8103A0
Die Klamotten sind im Auto, durch die Golfbags und Trolleys ist der Raum eher knapp. Aber das ficht uns nicht, wir wollen los. Wohin? Völlig unklar. Zuhause auf dem Parkplatz entscheiden wir bei 9 Grad und grauem Himmel: Autobahn. A 7 Richtung Süden bis Hildesheim, dann querbeet nach Südwesten.

Folgerichtig haben wir in Soltau vom dichten Verkehr die Faxen dicke und gondeln über die Landstraßen Richtung Winsen/Aller. Bei „Vatter“ im Ortszentrum gibt es ein formidables Frühstück, bevor wir wieder Gas geben. Inzwischen hat sich das Elsass als Favorit hervorgetan. Nur: Da müssen wir erst einmal hin!

Querab von Hannover folgen wir zunächst einem Schild: Schloss Marienburg. Da hat Ernst August vor Jahren Caroline von Monaco geheiratet. Vor allem aber ist es ein trutziges Bauwerk, das wir von außen bewundern, weil wir für die 12,50 Eintritt zu geizig und letztlich auch zu sehr in Zeitnot sind. Zeitnot? Naja…

Schloss Marienburg sieht zwar schön mittelalterlich aus, wurde aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts von einem verliebten Welfen erbaut. Es stand seit 2004 im Privatbesitz von Ernst August von Hannover jr., dem tapferen Stiefsohn von Caroline, der sich mit seinem krakeelenden Vater immer wieder ums Erbe schlägt. 2018 wurden wegen des Sanierungsbedarfs in Höhe von 27 Millionen Euro Veräußerungspläne am das Land Niedersachsen bekannt. Damit hätte das Schloss dann quasi uns gehört. Tut es aber nicht: 2020 überführte Ernst August der Jüngere das Schloss samt Inventar in die Stiftung Schloss Marienburg, die bis 2030 für eine Sanierung sorgen will. Das kennen wir ja schon vom klitzing’schen Schloss Demerthin: Klappt auch nicht. Eingedenk des Prügelprinzen, der sich seinen einstigen Besitz häufig schön soff und auch deshalb nun überwiegend triste ist, legen wir also nur eine Pinkelpause (wir erinnern uns: Expo. Türkischer Pavillon…) ein.

 

Croco nähert sich Leipzig, während wir weiter durch dichte Wälder und blühende Rapsfelder langsam nach Süden ziehen.

 

An Tank- oder Raststellen gucken wir mal in die Karte. Höxter? Nö. Aha: Marburg ist ganz interessant . Aber warum ist die Universitätsstadt so teuer? Keine Bude unter 120 Euro, nach oben ist die Skala offen. Umgeben von Baustellen entzieht sie sich uns, wir passieren Dillingen auf Kurs Südwest.

 

Wir nehmen Koblenz aufs Korn, buchen uns 100 Kilometer davor auf lauschiger Waldlichtung ins Weinhotel Grebel ein. Das letzte Zimmer inkl. Frühstück für knapp 90 Euro. Scheint in der Gegend ein Schnäppchen zu sein. Uschi erfährt, dass sie in die Planstrasse soll, und wider Erwarten sind Hotel und Restaurant gut. Viele Holländer, einige osteuropäische Sprachfetzen, unterlegt vom rheinland-pfälzischen Dialekt. Fahrradtourer, Biker, Autofahrer und Wanderer – alles trifft sich geballt in der Weinstube.

Weil es so voll ist, bestellen wir nach dem check-in der Einfachheit halber zum Bier Schnitzel mit Bratkartoffeln. Schon der Salat vorab ist einen Stopp wert. Auffällig: die gute Laune der Servicekraft, die ein bisschen wie Kerstin Ott aussieht, aber ausgesprochene Fröhlichkeit ausstrahlt.

Wir essen gemütlich und trinken nach dem zischenden Bier einen hervorragenden trockenen Riesling von der Mosel. Statt eines Desserts gibt‘s Schnaps: Zwetschge – ein Gedicht!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert